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Ex-Oberbürgermeisterin Petra Roth bezeichnete das Rodgauer Hospiz als eine familiäre Oase.

Rodgau

Hospiz mit Warteliste

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Das neu eröffnete Hospiz am Wasserturm in Rodgau ist wegen seiner Annehmlichkeiten und der schönen Atmosphäre voll belegt. Ein Besuch ist auch in Corona-Zeiten jederzeit möglich.

Es ist vormittags schon richtig heiß im wunderschön angelegten Garten des Hospizes am Wasserturm in Rodgau-Jügesheim. Trotzdem sitzen einige Bewohner unter den Sonnenschirmen, genießen die Sonnenstrahlen und die Wärme. Dass vor ihnen im Garten Petra Roth steht, die frühere Oberbürgermeisterin von Frankfurt, interessiert sie wenig; die Rotarier, die das Hospiz initiiert und finanziert haben, dafür umso mehr. Roth sitzt im Kuratorium der Frankfurter Werte-Stiftung, die für den Bau des 3,6 Millionen Euro teuren Hauses mit einer Million Euro den Grundstein gelegt hatte.

Es mag sich bei einem Hospiz seltsam anhören, wenn man von Beliebtheit spricht. Tatsache ist aber, dass das Haus am Wasserturm seit seinem ersten Öffnungstag stets voll belegt ist und weiterempfohlen wird, wie die Einträge im Gästebuch zeigen.

Die todkranken Menschen bekommen hier viele kleine Wünsche erfüllt – wie beispielsweise den geliebten Pfannkuchen oder die Käsetorte zum Geburtstag, die ehrenamtliche Köchinnen für sie backen. Petra Roth spricht bei ihrem Besuch von einer „bezaubernden familiären Oase“.

Spenden nötig

Das Rodgauer Hospiz ist auf Spenden angewiesen, weil die Krankenkassen nur 95 Prozent der anrechenbaren Kosten zahlen. Fünf Prozent muss der Träger der Einrichtung aufbringen.

Die Hospiz-Stiftung Rotary Rodgau muss somit jedes Jahr 60 000 bis 80 000 Euro für den laufenden Betrieb selbst finanzieren. ann

„Unsere Gäste kommen nicht nur aus Rodgau und Umgebung, sondern auch aus Frankfurt, Offenbach und dem Raum Gießen“, sagt Hospizleiterin Christina Dölle. Auch ein Münchner, der seine Angehörigen in Rodgau hatte, sei schon dagewesen, sagt sie. Im Prinzip darf das Haus deutschlandweit Gäste aufnehmen, sobald eine Kostenzusage der Krankenkasse vorliegt.

Am 16. März zog der erste Hospizgast ein. Seitdem seien hier 50 Menschen verstorben, sagt Dölle. Im Schnitt blieben sie fünf Tage, „manche mehrere Wochen, andere nur ein paar Stunden“. Zwölf Betten gibt es, 16 darf ein Hospiz laut Gesetzgeber höchstens haben. „Mittlerweile könnten wir auch 16 Betten füllen“, sagt Lothar Mark, Kuratoriumsmitglied der Hospiz-Stiftung Rotary Rodgau. Rund 15 Menschen stünden auf der Warteliste. Wer von seinem Hausarzt, einer Klinik oder einem Palliativteam eingewiesen wird, wird von insgesamt 15 Pflegefachkräften betreut. „Wir suchen aber noch Fachkräfte“, sagt Dölle.

Das Hospiz hat die Besuchsregeln wegen Corona eingeschränkt. Nur die engsten Familienmitglieder der todkranken Bewohner dürfen ins Haus, Freunde und weitläufige Verwandte können aber jederzeit in den Garten und auf die Terrasse kommen. Die Flügel der Terrassentüren werden dann aufgemacht, die Betten ebenerdig ins Freie geschoben.

Mit Roths Besuch will die Werte-Stiftung zeigen, dass sie das Haus über den Bau hinaus unterstützt. Die Ex-OB hatte eine Spende im Gepäck. „Wir hatten Petra Roth gefragt, wo wir etwas Gutes tun können“, sagt Michael Stoll, Chefberater bei der DB Systel GmbH. Roth nannte das Hospiz, und so kamen diesem am Dienstag 2000 Euro zugute.

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