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Hospital will bis 2040 klimaneutrales Arbeiten erreichen

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Von: Madeleine Reckmann

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Geräte, die sehr viel Energie benötigen, sind in einem Krankenhaus unabdingbar. Christoph Boeckheler
Geräte, die sehr viel Energie benötigen, sind in einem Krankenhaus unabdingbar. Christoph Boeckheler © christoph boeckheler*

Der Helios-Konzern setzt sich ambitionierte Ziele. Die Horst-Schmidt-Kliniken möchten Strom aus Erneuerbaren produzieren und das Personal zum Energie sparen anhalten

Auf die Dächer des Neubaus der Wiesbadener Helios – Dr. Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) sollen so viele Photovoltaik-Anlagen installiert werden wie möglich. „Es wird gerade geprüft, wie viele auf die Gebäude C und D passen“, erklärt Sven Axt, Geschäftsführer für die Wiesbadener Helios-Kliniken und für Finanzen zuständig, das neue Vorhaben. Der Neubau soll Ende dieses Jahres bezogen werden; mit seinen gedämmten Mauern und der modernen Technik wird er im Vergleich zum 40 Jahre alten Altbau ein Viertel weniger Strom und 30 Prozent weniger Erdgas verbrauchen.

Bei diesen verringerten Verbräuchen sollen die HSK nicht stehenbleiben. Der Helios-Gesamtkonzern hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt. Bis 2030 will der nach eigenen Worten größte Krankenhausbetreiber seine direkten und indirekten CO2-Emissionen halbieren. Dieses Ziel wird im aktuell veröffentlichten Helios-Nachhaltigkeitsbericht 2021 genannt. Zudem will das Unternehmen im Jahr 2040 gemeinsam mit den anderen Unternehmensbereichen des Mutterkonzerns Fresenius Klimaneutralität erreicht haben – fünf Jahre vor der Bundesrepublik. „Das wird ein stetiger Prozess“, sagt Axt, dafür müssten alle Arbeitsbereiche und das Verbrauchsverhalten der Mitarbeiter:innen unter die Lupe genommen und verbessert werden.

Die Photovoltaikanlagen auf den HSK-Dächern sollen das kürzlich modernisierte Blockheizkraftwerk bei der Stromgewinnung unterstützen. Mit der Abwärme des Blockheizkraftwerks sollen die Gebäude geheizt werden. Krankenhäuser haben einen riesigen Energiehunger. Der Helios-Konzern bezog 2021 860 000 Megawattstunden Energie und emittierte 1,5 Millionen Tonnen CO2. „Der Gesundheitssektor in Deutschland ist für 5,2 Prozent der klimaschädlichen Emissionen verantwortlich“, schreibt Robert Möller, Vorsitzender der Helios-Geschäftsführung, im Nachhaltigkeitsbericht 2021, „wäre der globale Gesundheitssektor ein Land, wäre er der fünftgrößte Emittent von Klimagasen.“

Die größte Menge Energie ist für das Heizen erforderlich. Der Konzern sieht daher vor, so viel Energie wie möglich selbst zu produzieren und nach und nach auf erneuerbare Energieträger umzustellen. Das Wiesbadener Heizkraftwerk arbeitet zwar hocheffektiv, aber es verbrennt Gas. Dass das gesamte Haus einmal mit erneuerbarer Energie versorgt werden könnte, kann sich Sven Axt zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht vorstellen. Aber genau das strebt der Konzern an. Bis es so weit ist, setzt der Konzern auf Kompensation. „Gesamt-Helios möchte ein stillgelegtes Moor kaufen, um es zu vernässen. Das bindet sehr viel CO2“, erklärt Axt.

Auch die Lüftung, etwa der Operationssäle, und die Kühlung der Medikamente sind große Stromfresser. In der Wiesbadener Klinik werden daher nachts nur noch zwei oder drei der zwölf Operationssäle zu hundert Prozent belüftet und die Lüftung der restlichen Säle auf 50 bis 60 Prozent heruntergefahren. Um die Hygienestandards zu erfüllen, müssen die Säle immer belüftet werden.

Das Krankenhauspersonal ist schon seit einigen Jahren mit dem Nachhaltigkeitsthema beschäftigt. In Wiesbaden hat es wiederverschließbare Glasflaschen erhalten, um sich an den Wasserspendern im Haus mit Wasser zu versorgen. So kann auf Plastikflaschen verzichtet werden. Es wurden auch wiederverwendbare Kaffeebecher eingeführt. Die Beschäftigten erhalten zudem ein Job-Ticket, um möglichst mit dem öffentlichen Nahverkehr zur Arbeit zu fahren. Noch in diesem Jahr soll es für sie das Job-Rad geben, damit soll nachhaltige Mobilität mehr Gewicht erhalten.

Ein erheblicher Anteil der in Krankenhäusern in die Luft geblasenen schädlichen Klimagase entsteht in der Anästhesie. Die Anästhesist:innen an den HSK verzichten schon auf ein extrem klimaschädliches Narkosegas und ersetzen es durch ein gleichwertiges, das weniger schädlich ist, teilt die Klinikleitung mit. Vor allem die jüngeren Kolleg:innen machten sich auch Gedanken, wie das extrem hohe Müllaufkommen reduziert werden könne, sagt Axt. Das Personal werde angehalten, mit Material und Energie zu sparen. Einwegmaterial solle erst geöffnet werden, wenn es gebraucht werde, um es nicht ungenutzt wegschmeißen zu müssen. Lichter sollen nachts ausgeschaltet werden, wo dies möglich ist.

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