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Idylle im Naturschutzgebiet Mönchbruch: Das geplante Kompensationsgeschäft, so der BUND, steht auf wackligen Füßen.

Neuer Streit um den Wald im Mönchbruch

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BUND kritisiert, dass - ohnehin geplante - Maßnahmen im Naturschutzgebiet als Ausgleich für Flughafenausbau gelten sollen

Frankfurt · 31. März · Es ist ein teurer Handel, bei dem der landeseigene Betrieb Hessen-Forst mehr als 18 Millionen Euro von Flughafenbetreiberin Fraport kassiert. Aber glaubt man dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), geht es um ein Geschäft, das rechtlich auf wackligen Füßen steht: "Es werden Dinge gehandelt, die nicht handelbar sind", sagt BUND-Naturschutzreferent Thomas Norgall. Doch Fraport-Chefplaner Horst Amann winkt ab: Alles sei mit den Behörden abgestimmt; "wir fühlen uns sehr sicher, weil wir etwas tun, was sinnvoll ist und sonst keiner macht".

Beim Mönchbruch handelt es sich um Hessens zweitgrößtes Naturschutzgebiet. Es liegt in unmittelbarer Nähe des Flughafens, wurde von ihm durch den Bau der Startbahn West bereits um einige Hektar angeknabbert, ist aber bis heute ein Kleinod aus Feuchtwiesen und lichten, teils sehr alten Eichenwäldern mit seltenen Arten wie Eremit, Heldbock, Mittelspecht und Bechsteinfledermaus.

Millionen an Biotopwertpunkten

Um diese Wälder geht es bei dem Geschäft, das Hessen-Forst mit Rückendeckung des Regierungspräsidiums Darmstadt mit Fraport verabredete: Werden die Wälder künftig komplett aus der Nutzung genommen und zudem von standortfremden Bäumen wie Kiefer, Douglasie oder Pappel befreit, dann soll unter anderem dieser Akt als Naturschutz-Ausgleich für den Bau von Werft und Landebahn zählen.

Rein rechnerisch, das ergibt sich aus den der Frankfurter Rundschau vorliegenden Unterlagen zum Planfeststellungsverfahren für den Bau der Landebahn im Kelsterbacher Wald nordwestlich des jetzigen Flughafengeländes, soll diese Kompensation satte 52 Millionen Biotopwertpunkte darstellen. Dabei kostet ein Punkt 31 bis 32 Cent (Hessen-Forst soll ursprünglich sogar 38 Cent verlangt haben), macht laut Amann mehr als 18 Millionen Euro für Nutzungsverzicht und die Verabredung, dass Hessen-Forst nun den Wald tatsächlich auch aufwertet, in dem die Fremdgehölze geschlagen werden.

Ob diese Summe am Ende fließen wird, ist unklar, denn die Rechnung, so sehen es die Anwälte des BUND, könnte Schönheitsfehler haben: Da die herkömmliche Forstwirtschaft in der Schutzgebietsverordnung bereits verboten sei, hätte das Land die Nutzungsaufgabe im Wald nicht mehr als Naturschutzleistung verkaufen dürfen. So ist aus Sicht der Naturschützer die Nutzungsaufgabe im Mönchbruch-Wald allein Sache des Staates, der sie zu vollziehen habe und sie deshalb nicht als Kompensationsmaßnahme Fraport anbieten könne. Denn diese Aufgabe könne nicht an Dritte übertragen werden, also auch nicht auf dem Umweg über den landeseigenen Hessen-Forst an Fraport. Norgall: "Was in einem Naturschutzgebiet bereits verboten ist, muss der Staat auf eigenen Flächen selbst vollziehen. Damit kann er nicht handeln."

Doch selbst für den Fall, dass Gerichte dies im Sinne von Hessen-Forst und Fraport sehen, könnte der Handel rechtswidrig sein: Denn die geplante Nutzungsaufgabe geht offenbar nicht über die seit Jahren völlig unabhängig von der Flughafenplanung festgelegten Grundsätze für den Mönchbruch hinaus. So sieht die Naturschutzgebiets-Verordnung, die im Pflegeplan in diesem Punkt konkretisiert wird, die Einstellung der forstlichen Nutzung als Ziel bereits vor: Nur noch die Entfernung nicht standortgemäßer Bäume soll erlaubt sein.

Niemand übernahm Kosten

Hessen-Forst und Fraport wiederum sagen nun, dass dieses Ziel zwar formuliert wurde, aber nicht realisiert werden konnte, weil bisher niemand für die Kosten aufkam. Norgall kontert: "Bloß weil der Staat kein Geld hat, können seine Pflichten nicht zur Handelsware werden." Offenbar sei viel eher beabsichtigt, Hessen-Forst auf diesem Weg zu sanieren.

Doch Hessen-Forst und auch Fraport sehen den Fall anders und als völlig legal. Der stellvertretende Leiter von Hessen-Forst, Detlef Stys, bestreitet, dass die Nutzungsaufgabe Ziel im Mönchbruch gewesen sei. Er spricht hingegen von einer "extensiven, zurückhaltenden Forstwirtschaft, die eine naturnahe Waldentwicklung" fördern sollte. Die nunmehr geplante Nutzungsaufgabe sei eine "Änderung der fachlichen Qualität" - und damit für eine naturschutzrechtliche Kompensation geeignet.

Im übrigen sei der Handel, sagt Amann, nicht nur in Absprache mit dem Regierungspräsidium Darmstadt, sondern auf dessen Vorschlag zustande gekommen. Dort, bestätigt auch Stys, sei man zu der Überzeugung gelangt: "Das sind fachliche Ausgleichsmaßnahmen."

Ob die Gerichte das auch so sehen, wird bereits bei der Klage des BUND gegen den Bau der Werft für den A 380 eine Rolle spielen: Der Verwaltungsgerichtshof Kassel wird sich damit Ende Mai befassen. Ein Thema unter anderen: die Ausgleichsflächen im Mönchbruch.

Dossier: Wächst der Flughafen weiter?

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