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Der neue Airbus kurz vor seinem ersten Start in Toulouse . Experten zweifeln, ob der A 380 angesichts seiner enormen Spannweite überhaupt in Frankfurt landen darf.

"A 380 dürfte nicht in Frankfurt landen"

Flughafen-Planer: Start- und Landebahnen sind nicht breit genug / Fraport sieht sich gut für neuen Airbus gerüstet

Von WOLFGANG SCHUBERT

Frankfurt · 25. April · Bereits vor dem Erstflug des neuen Airbus A 380 laufen bei der Lufthansa Anfragen nach Tickets auf. Flugbegeisterte erkundigten sich, ob sie bei dem ersten Lufthansa-A380-Flug dabei sein könnten, sagte Sprecher Michael Lamberty am Montag. Dabei äußern Experten Zweifel, ob das neue Großraumflugzeug überhaupt in Frankfurt landen darf.

Der Flughafen-Planer Faulenbach da Costa wirft der Flughafenbetreibergesellschaft Fraport vor, keine der vorhandenen Start- und Landebahnen sei nach den Vorschriften der internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO für den A 380 geeignet. Das Flugzeug sprengt mit seiner Breite, Höhe und dem Gewicht von bis zu 560 Tonnen alle bisher gekannten Dimensionen. Der doppelstöckige Airbus ist 73 Meter lang und hat eine Spannweite von 79,8 Metern. Nur eine russische Militärmaschine ist größer.

Nach Darstellung Faulenbachs verlangt ICAO für eine Maschine der Größenordnung des A 380 eine 60 Meter breite Start- und Landebahn, die zudem auf beiden Seiten je 7,50 Meter breite befestigte Randstreifen, so genannte Schultern, haben müsse. Die Schultern, sagt der Airport-Planer, müssten nicht dieselbe Tragfähigkeit wie die Start- und Landepiste haben, sie müssten aber aus einer "bituminös verstärkten Sand-Zement-Mischung" bestehen und mindestens 7,5 Zentimeter dick sein.

Grünes Licht vom Verkehrsminister

Eine solche Piste aber gebe es in Frankfurt nicht. Die Nordbahn des Parallelbahn-Systems sei zwar 60 Meter breit, habe aber keine befestigten Randstreifen. Die Schultern seien lediglich aus Gras. Die Südbahn sowie die Startbahn West sind sogar nur 45 Meter breit, haben allerdings einen betonierten Seitenstreifen. Auch die geplante neue Landebahn ist nur auf 45 Meter ausgelegt - da sie nur für kleinere und leichtere Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge konzipiert ist. Faulenbach da Costa: "Der A 380 dürfte nicht in Frankfurt landen und starten." Dafür müssten erst die Bahnen verbreitert und ein entsprechendes Genehmigungsverfahren eingeleitet werden.

Horst Amann, Chef-Ausbauplaner auf Rhein-Main, widerspricht Faulenbach da Costa: "Unsere Nordbahn ist A 380-fähig". Es stünde "nirgendwo geschrieben", sagt Amann, "dass die Schultern asphaltiert oder betoniert sein müssen". Eine Grasnarbe, wie sie in Frankfurt vorhanden sei, "erfülle die Anforderungen der ICAO". Diese Auffassung teile auch das hessische Verkehrsministerium. Amann räumt ein, dass die 18 West sowie die Südbahn bei den geltenden Bestimmungen zurzeit nicht für den Super-Jumbo zugelassen wären. Allerdings strebe Airbus eine Musterzulassung für den A 380 auch für nur 45 Meter breite Bahnen an. "Die wird auch kommen", ist der Fraport-Manager Amann überzeugt.

Laut Fraport-Chef Wilhelm Bender ist Rhein-Main gut auf das A 380-Zeitalter vorbereitet. "Wir liegen voll im Zeitplan", sagt Volker Zintel, Generalbevollmächtigter von Fraport und zuständig für das Terminal-Management. Auf dem Vorfeld seien Rollwege ergänzt und Kurvenradien für das neue Flugzeug vergrößert worden. Im Terminal 2 (T 2) werde Ende des Jahres eine Interims-Position fertig sein, wenn der A 380 zu Streckenerkundungsflügen Station in Frankfurt mache. Spätestens Anfang 2005 werde im T 2 eine Position so umgebaut, dass die Fluggesellschaft Emirates - die ab 2007 als erste Airline Frankfurt mit dem neuen Typ anfliegen wird - dort andocken kann.

Für Lufthansa, die 15 A-380-Maschinen in Frankfurt stationieren will, und deren Star-Alliance-Partner, würden bis 2007 an einem neuen Verbindungsbauwerk zwischen dem C-Finger und dem Terminal 2 drei A 380-Positionen geschaffen. Die Anpassungen des Flughafens an den A 380 werden Fraport nach Angaben Zintels "auf jeden Fall über 100 Millionen, aber unter 200 Millionen Euro" liegen.

Dossier: Wächst der Flughafen weiter?

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