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Der Inhalt der Infotafeln findet sich in dem neuen Buch wieder.

Kelkheim

Hornau und die Freiherren von Gagern

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Spuren der bekannten Familie von Gagern gibt es viele in Kelkheim. Jetzt gibt es auch eine Dokumentation.

Christa Wittekinds Lieblingsfach in der Schule war Geschichte. Als Kelkheimerin mit Wohnsitz im Ortsteil Hornau stößt man da natürlich auch außerhalb der schulischen Sozialisation auf die Familie der Freiherren und Freifrauen von Gagern. Paulskirche 1848, Geist der Freiheit, Freiheit des Geistes, die Philosophie von Toleranz, Respekt und Glauben als Grundlagen eines demokratischen Bewusstseins mit romantischem Geist im Hintergrund. Einer derer von Gagern, die seit 1818 auf dem Hornauer Hofgut der Familie lebten, war Heinrich von Gagern. 1848 wurde er in Frankfurt erster Präsident der Deutschen Nationalversammlung.

Christa Wittekind wird in der frisch gedruckten Dokumentation „Die Freiherren von Gagern in Hornau“ ganz weit vorn zitiert, nur knapp hinter einleitenden Grußworten der ehemaligen Präsidentin des Deutschen Bundestags, Rita Süßmuth, und des Präsidenten des Hessischen Landtags, Boris Rhein (beide CDU), mit ihrem Lob der Vordenker einer funktionierenden Demokratie. In der Danksagung steht ihr Name fettgedruckt in der ersten Zeile.

Infotafeln zeichnen am Gagernrundweg die Geschichte der Freiherren-Familie nach.

Bei der Präsentation des Buches in einer außergewöhnlich schmalen hochformatigen Variante erinnert Wittekind Bürgermeister Albrecht Kündiger an die Verpflichtung der Stadt, das Erbe der von Gagern zu bewahren. Konkret fordert sie mehr Pflege der sichtbaren Relikte, vor allem aber der „Gagernanlage“ neben der Martinskirche und des klassizistischen Hofhauses der Familie, die zurzeit nicht gerade „geputzt“ wirken.

Wittekind, die sich der Gagernforschung verschrieben hat und auf vielen Ebenen an die Familie erinnert, ist ein Motor der öffentlichen Gagerndarstellung im Ortsteil Hornau. Der Anstoß zur Einrichtung der Gagernanlage kam von ihr, als 1986 die letzte Liegenschaft der Familie, die noch in Besitz der Stadt war, bebaut werden sollte. Sie führte den erfolgreichen Sturm der Entrüstung an, sie war natürlich dabei, als Rita Süßmuth anlässlich des 150. Jubiläums der Frankfurter Nationalversammlung die Gagernanlage eröffnete. Wittekinds Grußwort basiert auf ihrer damaligen Festrede in der Martinskirche.

MARKEN DER ERINNERUNG

Der Bau der neuen Martinskirchein Anlehnung an die Paulskirche als Rundbau war 1949 der Anfang der Erinnerung an die von Gagerns.

Die Max-von-Gagern-Schuleehrt ihren Namensgeber, der Charlottenweg dessen Mutter, geborene Freiin von Gaugreben. Ein Fassadenbild an der Hauptverkehrsstraße Gagernring zeigt Heinrich von Gagern pathetisch auf die Paulskirche weisend.

Eine Gedenktafelam Hofhaus der Familie erinnert an den ersten Präsidenten der Paulskirchenversammlung, und im Museum Kelkheim ist ein Modell des gesamten Hofgutes zu sehen.

Seit 1966 verleiht die Stadt Kelkheimdie Heinrich-Freiherr-von-Gagern-Plakette in Gold und Silber. Gewürdigt werden Persönlichkeiten, die sich um die demokratische Gesellschaft und ihre Einrichtungen verdient gemacht haben.

Die Tafeln am Gagernwegzeichnen das Leben und Wirken der Freiherren nach, das neue Buch komplettiert das Gedenken in Hornau. Es ist in einer Auflage von 500 Exemplaren im Pauer Verlag Kelkheim erschienen und kostet 12 Euro. 

Findlinge aus dem Odenwald zieren die Gagernanlage, dazu ein paar Bäume und Bänke. Knapp zehn Jahre nach der Fertigstellung wurde der kleine Platz zum Ausgangspunkt des Gagernrundweges. Mit dem Projekt „Geist der Freiheit, Freiheit des Geistes“ der Kulturregion Frankfurt/RheinMain war 2007 der Zeitpunkt gekommen, die Idee des Rundwegs umzusetzen. Am Anfang stand die Enthüllung einer Bronzetafel am „Großen Mannstein“ auf den Taunushügeln, dem Ort des „Staufenschwurs“ der Brüder Friedrich, Heinrich und Max von Gagern, ihre Kraft fortan der Einheit und Freiheit Deutschlands zu widmen.

Seither wurden Informationstafeln in Hornau installiert, die das Leben und Wirken der Freiherren von Gagern thematisieren. Engagiert gefördert von Hildegard Bonczkowitz und ihrer Familie, erarbeitet von Beate Matuschek, der Leiterin des Kulturreferats, und vielen Freunden der Gagernforschung.

Der Rundweg umfasst 21 Tafeln an zehn Stationen. Vom Hofgut führt er entlang des Liederbachs auf knapp zwei Kilometern durch Hornau. Wichtigste Stationen sind der Friedhof, auf dem 16 Angehörige der Familie ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, das Hofhaus und die Martinskirche, die als Rundbau der Paulskirche nachempfunden ist.

Die Form des nun vorgelegten Buches nimmt das Vorbild der Tafeln auf und gibt deren Inhalt in einem klaren Layout wieder. Der Kelkheimer Verleger Paul Pfeffer, der die Edition Pauer verantwortet, nennt die Konzeption von Weg und Buch ein gutes Beispiel für „lebendige Geschichte“.

Um die Gagernwerbung noch zeitgemäßer zu gestalten, wird laut Pfeffer bereits über eine entsprechende App nachgedacht, die zu den Spuren der bekannten Familie führen könnte.

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