Bad Homburg

Bad Homburg: Nebenkosten steigen um 344 Prozent

In Bad Homburg sind Häuser vom Kreis in Besitz der Stadt gewechselt – daraufhin sind die Nebenkosten explodiert. Die Mieter legen Widerspruch gegen die Steigerung ein.

Die Bewohner der Häuser Jacobistraße 46 und 48 hatten jahrelang sehr niedrige Nebenkosten. Die Wohnungen gehörten dem Hochtaunuskreis, und der Hausmeister, der rund um das alte Krankenhaus an der Urseler Straße sowie dessen Nebenbauten nach dem Rechten sah, sorgte auch in der Jacobistraße für Ordnung. „An allen Objekten wurden nur die tatsächlichen Einsatzzeiten des Hausmeisters berechnet“, erläutert Kreis-Sprecherin Andrea Herzig, warum die Nebenkosten bis Ende 2016 so günstig waren.

Die Klinik-Ruine gehört inzwischen dem Land Hessen. Und die Häuser in der Jacobistraße übernahm Anfang 2017 die Stadt vom Kreis. Die Hausverwaltung überließ sie der Hochtaunus Baugenossenschaft (Hochtaunusbau). Von diesem Zeitpunkt an schnellten die Nebenkosten in die Höhe. So mussten die Mieter für 2018 pro Haushalt 646,36 statt vorher 136,35 Euro pro Jahr berappen. Eine Steigerung um 344 Prozent.

Mit Wucht ist das Thema jetzt in der Bad Homburger Politik angekommen – schließlich ist der Mangel an bezahlbarem Wohnraum eines ihrer Kernthemen. Und da zählt man vor allem auf städtische Domizile. „Wir halten die Kostensteigerung für völlig überzogen und für die Mieter untragbar“, sagt BLB-Fraktionschef Armin Johnert, dessen Partei von Mietern informiert wurde. „In einem vergleichbaren Objekt zahlen Mieter für vergleichbare Wohnungen um die 300 Euro.“

In der Stadtverwaltung werde der Fall bereits geprüft, erklärt Rathaussprecher Marc Kolbe. Bislang habe sich die Stadt als Eigentümerin der Immobilie allerdings wenig um die Sache gekümmert, berichtet ein Bewohner, der anonym bleiben will. „Mehr als 30 Mieter haben Widerspruch gegen die Erhöhung eingelegt.“ Der Brief sei an die Hochtaunusbau und an Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) gegangen. „Bis jetzt haben wir nur vage Aussagen bekommen.“ Ihm sei bewusst, dass die Nebenkosten vorher extrem niedrig waren, so der Bewohner. „Aber muss es gleich so viel teurer werden?“ Allein für den Winterdienst zahlen wir jetzt 8000 Euro im Jahr.“

Sven Groth, Vorstand der Hochtaunusbau, ist der Fall bekannt. „Wir haben die Liegenschaft an externe Dienstleister übergeben“, erläutert er. In Absprache mit der Stadt sei man derzeit dabei, nach Alternativen zu suchen. Aber: „Es gibt keine, die günstiger sind.“ Somit bleibe nur die Alternative, dass man am Leistungsspektrum abspecke – sprich, dass zum Beispiel seltener geputzt wird. Diese Entscheidung müsse aber die Stadt treffen, denn die sei Eigentümerin.

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