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Holzdiebe kommen mit Lastwagen

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Im Wald oberhalb von Obernhain lagern dicke Baumstämme. pieren
Im Wald oberhalb von Obernhain lagern dicke Baumstämme. pieren © map

Forstamt Weilrod erstattet Anzeige / Auch Oberurseler Stadtwald betroffen

HOCHTAUNUS - Die Vorstellung ist bizarr: Mitten im Wald fährt auf einem Forstweg ein Holztransportwagen vor und bezieht direkt neben einem sogenannten Holz-Polter mit zugeschnittenem und aufgeschichtetem Langholz Position. Was dann passiert, ist nichts anderes als ein dreister Diebstahl in aller Öffentlichkeit.

Möglich wird der nun vonstattengehende Holzklau nur deshalb, weil alle Ausflügler, Wanderer und Radfahrer, die mit Vorsicht die Stelle passieren, freilich niemals ahnen konnten, dass sie Zeuge eines Diebstahls wurden. Schwere Lastwagen von Holz-Händlern sind seit dem großflächigen Fichtensterben infolge der Dürresommer der Jahre 2018 bis 2020 zuhauf im Taunus-Wald unterwegs.

Zehntausende Festmeter Holzstämme wurden seither im Auftrag der Forstämter oder Stadtförstereien von beauftragten Transportunternehmen abgefahren. Auch besagter Fahrer setzt sich an das Steuerpult des kleinen Krans am Heck der Ladefläche seiner Langholz-Ladefläche. In aller Seelenruhe belädt er dann mit dem Greifarm des Krans seinen Lastwagen mit den am Wegesrand aufgeschichteten Holzstämmen - sie haben eine Länge von vier bis sieben Metern. Nachdem die Ladefläche voll ist, fährt er von dannen - und kommt wieder, um den Polter ganz abzuräumen.

So oder ähnlich muss es sich jüngst ereignet haben. „Im Forstamtsbezirk wurden zwei komplette Lkw-Ladungen Holz geklaut. Insgesamt sind es 50 Festmeter mit einem Verkaufswert von 3400 Euro“, berichtet Uwe Neun, Bereichsleiter Produktion des Forstamts Weilrod, auf Anfrage.

Der Diebstahl erfolgte vergangene Woche. Für die Männer des Landesbetriebs „Hessen Forst“ wurde damit nun eine Grenze überschritten, die die Verantwortlichen zum Handeln zwang. „Die am Wegesrand auf dem Polter bereitgestellte Holzmenge wurde von einem Zellstoffunternehmen aus Aschaffenburg gekauft und von Forstarbeitern zur Abholung bereitgestellt“, so Neun. „Kleinere Mengen wurden immer schon mal entwendet, aber nicht in dem Umfang. Nun schalten wir die Polizei ein.“

Offenbar handelt es sich um die erste Anzeige dieser Art überhaupt, da Polizei-Pressesprecher Ingo Paul auf Anfrage noch mitteilte, dass im Hochtaunuskreis bislang noch kein Holzdiebstahl zur Anzeige gebracht wurde. Unterdessen beklagt man nun auch im Oberurseler Stadtforst Holzdiebstahl in größerem Umfang.

„Ein bereits verkaufter Holzbestand von rund 30 Festmetern war bereits auf einen Lkw verladen, der dem Kunden dann komplett gestohlen wurde“, teilt dazu Pressesprecherin Nina Kuhn auf Anfrage mit. „Auch beobachten wir vermehrt den Diebstahl von Kleinmengen an Brennholz von Holzhändlern.“

Die Kunden der BSO hatten das Holz für den Abtransport aus dem Wald bereits aufbereitet, die erste Fuhre abgefahren und entdeckten nach ihrer Rückkehr - meist am darauffolgenden Tag -, dass das restliche Holz gestohlen wurde. „Zu einem zusätzlichen Problem entwickelt sich das illegale Sammeln von Kleinstmengen“, erklärt die Stadtsprecherin nach Rücksprache mit dem Stadtförster.

Förster kontrolliert neuerdings Abtransport

Diese kleinen Holzmengen würden unerlaubt im Wald zusammengetragen und aufgesammelt, um es dann auf dem Gepäckträger eines Fahrrades fortzuschaffen. „Unser Förster Luis Kriszeleit kontrolliert aufgrund der oben beschriebenen Thematik vermehrt die Situation im Wald rund um den Holzabtransport“, sagt Nina Kuhn. „Da er den Holzkäufern die Abfuhrgenehmigungen erteilt, weiß er, wer wann und wo unterwegs sein darf, und kann entsprechend reagieren.“ Das Forstamt in Königstein (es gehört ebenfalls zu „Hessen Forst“) kann noch von keiner merklichen Zunahme von Holz- oder Brennholzdiebstählen in den betreuten Revieren in Königstein und Friedrichsdorf berichten.

„Bisher gab es Einzelfälle im Staatsforst, die nicht unbedingt im Zusammenhang mit der gestiegenen Brennholznachfrage stehen“, berichtet Forstamtsleiter Sebastian Gräf. Das Brennholz im ebenfalls von „Hessen Forst“ bewirtschafteten Kommunalwald der beiden Städte werde zumeist von den Kommunen an Privatpersonen verkauft. Von diesen sei jedoch kein Diebstahl gemeldet worden.

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