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Noch immer hofft Neu-Isenburgs Bürgermeister Hunkel, dass sich für die einzige Kinderarztpraxis in der Stadt ein Nachfolger findet.

Kreis Offenbach

Hoffnung auf neue Kinderärzte im Kreis Offenbach

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Ein Lichtblick in der zugespitzten Kinderarzt-Situation im Kreis Offenbach: Kurzfristig gibt es einen halben Arztsitz mehr für Rodgau. Neu-Isenburgs Bürgermeister setzt auf den Städtetag.

Das Ringen um einen Nachfolger für die einzige Kinderarztpraxis in Neu-Isenburg geht weiter: Am gestrigen Mittwoch saß Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) mit ortsansässigen Ärzten zusammen, um zu erfahren, was die Politik machen kann, um die ärztliche Versorgung zu sichern. In Rodgau ist man schon einen Etappensieg weiter: Nach einem Gespräch mit der Rathausspitze hat die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen einen zusätzlichen hälftigen Sitz für die Kinderarztpraxis von Andreas Hinkel genehmigt.

Rodgau hatte seit 1. Februar das Problem einer verwaisten Kinderarztpraxis, Neu-Isenburg bekommt es erst. Dort wollen drei Kinderärzte, die sich in einer Gemeinschaftspraxis zusammengeschlossen haben, zum Jahresende in den Ruhestand gehen. Ein Nachfolger ist noch nicht gefunden. Die SPD-Fraktion hatte deshalb eine Anfrage zur ärztlichen Versorgung in Neu-Isenburg formuliert.

Bereits am 15. Januar hatte Bürgermeister Hunkel zusammen mit 14 Neu-Isenburger Ärzten und dem KV-Vorstandsvorsitzenden drei Stunden lang die derzeitige Versorgungssituation analysiert und verschiedene Lösungswege diskutiert. Am 26. Februar folgte ein weiteres Gespräch, zu dem auch die ortsansässige Werbeagentur Wefra geladen war. Das Unternehmen betreibt schon seit Jahren Marketing im Gesundheitsmarkt. „Wir brauchen ein Konzept, um den Standort Neu-Isenburg bei Klinikärzten und Studierenden bekannt zu machen“, erklärt Hunkel, warum man auf das Werbeunternehmen zurückgreift.

Am gestrigen Mittwoch folgte dann Runde drei mit den Ärzten und der KV. Sie sollten ihre Forderungen an Bund und Land formulieren. „Das wollten wir festhalten und an den Hessischen Städtetag weiterleiten, der es an den Deutschen Städtetag kommuniziert“, sagt Hunkel. Dieser soll dann Einfluss auf die Regierung nehmen, „um das Thema nach vorne zu bringen“. Er allein könne in der großen Politik nur wenig ausrichten, mithilfe dieser Organisationen hoffe man aber, den Bedarfen und Forderungen der Ärzte mehr Gewicht geben zu können.

Im Übrigen gebe es im geplanten Stadtquartier Süd einen Interessenten, der in zwei Wohnungen eine Praxis und eine Physiotherapie einziehen lassen will. An Räumen mangele es also nicht.

In Rodgau hatten Stadt und KV am 5. Februar ein gemeinsames Gespräch geführt, um auf einen akuten Versorgungsengpass zu reagieren. Mit Erfolg: Doktor Hinkel erhält nun kurzfristig im Rahmen eines Sonderbedarfs einen zusätzlichen halben Arztsitz, kann somit in seiner Praxis im Stadtteil Nieder-Roden mehr kleine Patienten behandeln. Der zuständige Zulassungsausschuss werde einen entsprechenden Antrag des Arztes schnell bearbeiten, verspricht die KV. Der Mediziner hatte bisher schon eine Kollegin mit einer Halbtagsstelle angestellt.

In der Stadt gibt es nach dem Tod der Kinderärztin Marion Kindling-Rohracker im August des Vorjahres für 7700 kleine Patienten nur noch die Kinderarztpraxis von Hinkel. Die KV hatte zwar aushilfsweise zwei junge Ärztinnen halbtäglich in die verwaiste Praxis geschickt, eine Übernahme scheiterte aber.

Der nun genehmigte halbe zusätzliche Arztsitz sei zwar ein erster Schritt, reiche aber noch nicht aus, meint Stadtsprecherin Sabine Hooke. „Wir haben ja einen ganzen Arztsitz verloren“, sagt sie. Die Rathausspitze arbeite deshalb immer noch an einer „vollen Besetzung“ für die verwaiste Praxis von Kindling-Rohracker. Die Stadt hatte die Praxisräume angemietet, um sie für einen Nachfolger zu sichern.

Zur Entspannung der Lage könnte ein zusätzlicher Hausarzt beitragen, der neben Erwachsenen auch Kinder und Jugendliche behandelt. Die KV hat jetzt für Rodgau jedenfalls einen freien Arztsitz zur Verfügung gestellt. Es fehlt jedoch an geeigneten Räumlichkeiten; einen Interessenten gibt es laut KV bereits. Die Stadt will sich nun mit nach 200 Quadratmetern Gewerbefläche für die neue Hausarztpraxis umschauen.

Mitte Februar hatte die KV bereits 1,5 Arztsitze mehr für zwei Kinderarztpraxen in Langen bewilligt.

Die Vertreterversammlung der KV hat in ihrer Sitzung am Samstag übrigens am Gebaren einzelner Krankenkassen scharfe Kritik geübt. Sie hatten Haus- und Fachärzten Einzelregresse angedroht, weil sie zu viele Arznei- oder Heilmittel verschrieben hatten. Das sei ein „fatales Signal“ und verunsichere viele niedergelassene Ärzte. Auch die Entscheidung, eine Praxis zu eröffnen, könne dadurch negativ beeinflusst werden.

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