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Hoffen auf einen milden Winter

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Die Aufzucht von Weihnachtssternen benötigt sehr viel Energie - Alexandra und Christian Pippert sind dank ihrer Holzhackschnitzel-Heizanlage nahezu unabhängig von fossilen Brennstoffen.
Die Aufzucht von Weihnachtssternen benötigt sehr viel Energie - Alexandra und Christian Pippert sind dank ihrer Holzhackschnitzel-Heizanlage nahezu unabhängig von fossilen Brennstoffen. koberg © kob

Manche Gärtnereien legen wegen Energiekosten schon Gewächshäuser still

BAD HOMBURG - Auch wenn die Gaspreise zurzeit wieder leicht gesunken sind: Die Explosion der Energiekosten in den vergangenen Monaten macht Privathaushalten wie Firmen extrem zu schaffen. Besonders stark betroffen von den horrend angestiegenen Preisen für Gas und Öl sowie den nicht zuletzt daraus resultierenden hohen Strompreisen sind die Gärtnereien.

Viele Pflanzen brauchen eine bestimmte Temperatur, und das Beheizen der Gewächshäuser verschlingt Unsummen. Dazu kommen Preissteigerungen etwa für Pflanzerde, Düngemittel und Papierverpackungen, die teilweise auch an die Kunden weitergegeben werden müssen.

In Bad Homburg haben einige Gärtnereien bereits die Konsequenz gezogen und werden einige ihrer Gewächshäuser während des Winters stilllegen. Allerdings gibt es auch ein paar Betriebe, die sich bereits vor einiger Zeit von den steigenden Preisen der fossilen Brennstoffe größtenteils unabhängig gemacht haben.

„Slowflower-Bewegung“ setzt auf regionale Pflanzen

Die Gärtnerei Damm in Ober-Eschbach besitzt vier Gewächshäuser. „Wir heizen mit Öl und sind zum Glück nicht von der unsicheren Gas-Situation abhängig“, sagt Ute Damm. Doch wegen des hohen Ölpreises wird die Gärtnerei in diesem Jahr nur das Verkaufsgewächshaus heizen. Hier werden dann auch alle Pflanzen stehen, die eine höhere Temperatur brauchen, wie etwa Orchideen. Die Damms wollen ihr Grundprinzip, hauptsächlich saisonale Ware aus der Region anzubieten, noch stärker befolgen. Und das nicht nur, um Transportkosten zu sparen, sondern vor allem auch, um nachhaltig zu wirtschaften. „Wir hoffen auf einen milden Winter“, sagt Ute Damm. Dass sie mit den Maßnahmen Einsparungen machen, bezweifelt Ute Damm stark, aber sie hofft, dass sie wenigstens die Preise des vergangenen Jahres halten können.

Auch die Schloss-Gärtnerei hat Konsequenzen gezogen. So wurden in den vergangenen Jahren noch die Pflanzen für die Sommerblumenbeete in großen Mengen in den Gewächshäusern in Bad Homburg angezüchtet, berichtet Peter Vornholt, der Gartenmeister. Doch da für die Bewurzelung und Keimung der Pflanzen eine Temperatur von etwa 20 Grad benötigt wird, haben die Verantwortlichen beschlossen, die Jungpflanzen für das Papageienblatt etwa oder die Iresinen im Frühjahr von anderen Betrieben aus Hessen zu bestellen. Die Temperatur der vier schlosseigenen und mit Gas beheizten Gewächshäuser wird heruntergefahren. Allerdings nur so weit, dass Pflanzen wie etwa die Duftgeranien oder auch Zitronen immer noch gut überwintern können.

Relativ entspannt betrachten Florian Otto und seine Frau Katharina Liebe dagegen die Energiekostensteigerung in Bezug auf ihre Gärtnereianlage. Das Paar, das 2019 den Familienbetrieb am Gluckensteinweg in fünfter Generation übernommen hat, setzte von Anfang an auf die „Slowflower-Bewegung“, das heißt, sie bauen nur saisonal und regional vorkommende Pflanzen an. Ihre Gewächshäuser werden generell nicht beheizt, die Pflanzen darin müssen mit der dort herrschenden natürlichen Wärme durch die Sonneneinstrahlung auskommen. Zurzeit sind dies vor allem Dahlien und verschiedene Tomatenstauden. „Wir versuchen, mit so wenig Energie wie möglich auszukommen“, sagt Florian Liebe.

Einzige Ausnahme: Um die Samen zum Keimen zu bringen, werden diese durch zwei Heizmatten beheizt. Sobald der erste Frost eingesetzt hat, schließen Florian Otto und Katharina Liebe, die beide noch in anderen Berufen arbeiten, den Betrieb und öffnen dann erst im Frühjahr wieder. Fast unabhängig von den Preissteigerungen für fossile Brennstoffe können Christian und Alexandra Pippert ihren Gartenbaubetrieb an der Langen Meile führen. Bereits seit 2011 heizen sie ihre zehn Gewächshäuser mit heißem Wasser, das aus einer mit Holzhackschnitzel befeuerten Heizungsanlage stammt. Diese steht samt einem großen Speicher etwa 100 Meter von der Gewächshausanlage entfernt. In der offenen Halle daneben türmen sich die Holzschnitzel, mit denen die Anlage befeuert wird. Wird es beispielsweise nachts zu kalt in den Gewächshäusern, leitet ein Messgerät einen Impuls an die technische Anlage, die dann so lange heizt, bis die notwendige Temperatur wieder erreicht ist.

Gärtnereibesitzer Pippert produziert nicht für Privatkunden, sondern für Fachgeschäfte und freut sich, dass er seinen Kunden Pflanzen anbieten kann, deren Aufzucht sehr energieintensiv ist und die in diesem Jahr von vielen anderen Betrieben eingestellt wurde.

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