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Höchste Mächte, höherer Schwachsinn

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Von: Stefan Behr

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Bezeichnet sich als neuer Prophet Gottes: Zahid Khan.
Bezeichnet sich als neuer Prophet Gottes: Zahid Khan. © imago stock&people

Der „Islamist“ Stefan Salim Nagi wollte mal den „Islamkritiker“ Zahid Khan töten, der gleichzeitig der Messias war. Oder auch nicht. Nach den ersten Prozesstunden sieht es so aus, als hätten Khan und Nagi den ganzen Quatsch seit Jahren als großangelegte PR-Kampagne geplant.

Der „Islamist“ Stefan Salim Nagi wollte mal den „Islamkritiker“ Zahid Khan töten, der gleichzeitig der Messias war. Oder auch nicht. Nach den ersten Prozesstunden sieht es so aus, als hätten Khan und Nagi den ganzen Quatsch seit Jahren als großangelegte PR-Kampagne geplant.

Große Heiterkeit am Darmstädter Landgericht. Dabei geht es um ein ernstes Thema: versuchter Mord beziehungsweise Anstiftung zu ebensolchem. Vor Gericht sehen sich zwei alte Bekannte wieder. Der „Islamist“ Stefan Salim Nagi, diesmal als Angeklagter. Und der „Islamkritiker“ Zahid Khan, diesmal als Zeuge, Opfer und Nebenkläger. Die beiden haben schon seit Jahren Zores miteinander.

Nun ist „Islamkritiker“ keine geschützte Berufsbezeichnung, und dass Zahid Khan als „Islamkritiker“ durch sämtliche Medien wandelt, liegt daran, dass Nagi das Buch gerichtlich verbieten lassen wollte. Was natürlich misslang. Aber Zahid Khan war jetzt immerhin „Islamkritiker“, was er mit seinen weiteren Werken, darunter „Wahre Momente mit Gott“ oder „Unterhaltung mit Gott, himmlischen Wesen und Satan“ nachhaltig untermauerte. Auch Nagi selbst erlangte in gewissen Kreisen Popularität.

Jetzt wird Nagi beschuldigt, zwei Junkies damit beauftragt zu haben, Khan bei einem Waldspaziergang auf einem Parkplatz aufzulauern und ihn umzubringen. Was natürlich misslang, denn Khan, als amtlich geprüfter „Islamkritiker“ im Besitz eines Waffenscheins, führte eine Schießpistole mit sich. Und so gelangte der eine Angreifer mit einer Kugel im Bein zumindest zum „Parkplatz der Verwundung“. Der andere entsprang in den Wald.

Nun ist dies alles eigentlich wenig komisch, vor allem, da es nur vier Monate nach dem Anschlag eine weitere Attacke auf Khans Leben gegeben haben soll. Er überlebte den Messerangriff nach eigenen Angaben nur dank einer schusssicheren Weste.

Mittlerweile steht Khans Mohammed-Opus bei Amazon neben so prominenten Titeln wie „Neukölln ist überall“ von Heinz Buschkowsky . Und das ist dann doch wieder ziemlich komisch. Noch komischer allerdings ist, dass es nach den ersten Prozessstunden so aussieht, als hätten Khan und Nagi den ganzen Quatsch seit Jahren als großangelegte PR-Kampagne geplant. Nagi jedenfalls ist kein Salafist. Und Khan vermutlich nicht der Messias.

Und interessieren tut’s auch niemanden – mal abgesehen von den Journalisten, Zivilpolizisten und Freunden des höheren Schwachsinns, die den Prozess mit Jauchzen und Frohlocken beobachten. „Seltsamerweise sehe ich niemanden mit langem Bart im Publikum“, stellte der Vorsitzende Richter zu Beginn entzückt fest. Aber die haben vermutlich Besseres zu tun.

Damit das klar ist: Das ist nicht als Islam-Kritik gemeint. In der Ecke landet man ja schneller, als man denkt.

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