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Walter Lübckes Ehefrau Irmgard Braun-Lübcke, die Söhne Christoph und Jan-Hendrik und Ministerpräsident Volker Bouffier (vl.). Foto: Andreas Arnold/dpa

Wilhelm-Leuschner-Medaille

Höchste Auszeichnung des Landes für Walter Lübcke

Der mutmaßlich von einem Rechtsterroristen ermordete Regierungspräsident erhält posthum die Wilhelm-Leuschner-Medaille.

Mit der Leuschner-Medaille des Landes Hessen werden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise um Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit verdient machen. Gestern wurde die Ehre posthum dem mutmaßlich durch einen Rechtsextremisten getöteten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke zuteil. Seine Familie – Lübckes Frau und die beiden Söhne – nahmen die höchste Auszeichnung des Landes Hessen gestern im Wiesbadener Kurhaus vor 300 Gästen entgegen.

Jan-Hendrik Lübcke sendete einen Appell im Sinne seines Vaters, der immer ein Mann klarer Worte gewesen sei. „Wir dürfen nicht vor Extremisten zurückschrecken.“ Das habe auch sein Vater nie getan. Aus seinem christlichen Wertebild habe sich sein Handeln abgeleitet, so auch während der des Spätsommers 2015. „Er hat es als seine Aufgabe verstanden, Menschen durch Aufklärung Sorgen zu nehmen, aber sich entschlossen gegen Hetze zu stellen“, sagte Jan-Hendrik Lübcke.

Ein Zitat von einer Bürgerversammlung zur geplanten Flüchtlingsunterkunft in Lohfelden sei aus dem Kontext gerissen worden. „Das wurde ihm zum Verhängnis.“ Walter Lübcke hatte an diesem Abend Störern im Saal entgegnet, dass es in Deutschland bestimmte Werte gebe, für die es sich einzutreten lohne. Und wer diese Werte nicht teile, dem sei es gestattet, dieses Land jederzeit zu verlassen.

Der Ausschnitt landete als Videoclip im Internet, Rechtsextreme teilten es zigfach, um gegen die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu hetzen. Unter den Beiträgen fanden sich teils beleidigende, menschenverachtende Kommentare, bis hin zu Morddrohungen.

Als dringend tatverdächtig im Mordfall Lübcke gilt der Rechtsextremist Stephan E. Er sitzt in Untersuchungshaft und wartet auf die für den Jahreswechsel erwartete Anklage gegen ihn und die beiden mutmaßlichen Helfer Markus H. und Elmar J. Stephan E. soll am 2. Juni auf die Veranda von Lübckes Wohnhaus in Wolfhagener Ortsteil Istha vorgedrungen seien und den Regierungspräsidenten per Kopfschuss getötet haben.

„Wir lassen uns nicht zum Schweigen bringen. Das sind wir Walter Lübcke und vielen anderen, die sich für die Freiheit auf der ganzen Welt einsetzen, schuldig“, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) in Erinnerung an seinen Parteifreund. Er forderte alle demokratischen Parteien zum gemeinsamen Handeln gegen Angriffe auf die freiheitlich-demokratische Ordnung auf. „Wir brauchen den Zusammenhalt. Unsere Stimme der Freiheit muss lauter werden.“ Um an Walter Lübcke zu erinnern, stellte der Ministerpräsident eine neue Landesauszeichnung vor, den „Walter-Lübcke-Demokratie-Preis“.

Mit ihm sollen alle zwei Jahre Menschen ausgezeichnet werden, die sich für ein demokratisches Miteinander einsetzen. Der Preis hat, angelehnt an das Buch „Der Kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry, Sternenform.

Dort heißt es: „Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache“. Dazu erklärte Bouffier: „Viele, die Walter Lübcke kannten, haben in ihm einen Menschen gesehen, der überaus herzlich lachen konnte. Ich bin mir sicher, irgendwo auf einem Stern wird er sitzen, sich über jede Preisträgerin, jeden Preisträger freuen und ihnen allen sein Lachen schenken“.

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