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Hochwasserschutz für 23 Millionen

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Wie schnell der Pegel des Schwarzbachs ansteigt, demonstrierten Christian Seitz, Heike Spitzbart und Frank Goebel (von rechts). kröner
Wie schnell der Pegel des Schwarzbachs ansteigt, demonstrierten Christian Seitz, Heike Spitzbart und Frank Goebel (von rechts). kröner © Sascha Kröner

Rückhaltebecken an Schwarzbach, Sulzbach und Liederbach sind nötig

Main-Taunus - Ein paar Stunden Regen reichen, um die Bäche in der Region in reißende Ströme zu verwandeln. Dies zeigte sich am Dienstag eindrucksvoll am Schwarzbach auf Höhe des Klärwerks in Lorsbach. Der Pegel des sonst ruhigen Gewässers war nach einem heftigen Guss in der Nacht auf 1,60 Meter angestiegen und reichte bereits über die Wurzeln der angrenzenden Bäume hinaus. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie das Gewässer nach einem längeren Starkregen vollständig über die Ufer tritt.

Der Abwasserverband Main-Taunus bereitet sich auf Hochwasser vor. Um für Situationen gewappnet zu sein, in denen deutlich mehr Wasser in den Bachlauf drängt als vorgestern, hat der Verband eine Untersuchung zu Schutzmaßnahmen beauftragt, deren Ergebnisse der Vorstand in Lorsbach vorstellte. Der mit Gesamtkosten von 23 Millionen Euro veranschlagte Katalog sieht die Einrichtung oder den Ausbau von Hochwasserrückhaltebecken entlang des Schwarzbachs, des Sulzbachs und des Liederbachs vor.

Der Verband plant den verstärkten Hochwasserschutz nicht zum ersten Mal. Untersuchungen, die zwischen 2003 und 2015 angestoßen wurden, verliefen jedoch im Sande. Damals habe man umfangreiche Planungen in Auftrag gegeben, berichtete der Krifteler Bürgermeister und Verbandsvorsteher Christian Seitz. Über eine Umlage wurden Mittel aus den 13 Mitgliedskommunen für den Hochwasserschutz zusammengetragen. Ziel war die Absicherung gegen ein extrem starkes Hochwasserereignis, wie es statistisch alle 100 Jahre vorkommt. Dafür standen Fördermittel des Landes zur Verfügung. Die Umsetzung sei aber wegen mehrerer Probleme an den vorgesehenen Standorten für die Rückhaltebecken gescheitert, so Seitz. Unter anderem kamen Gebäude, Naturschutzgebiete und Bürgerinitiativen dem Vorhaben in die Quere. Die Flächen, die für die Becken benötigt wurden, seien zu groß gewesen, ergänzte Frank Goebel, technischer Leiter des Abwasserverbands.

BAUBEGINN 2024

Bevor der erste Bauabschnitt mit Hochwasserrückhaltebecken in Eppstein, Ehlhalten, Altenhain und Kelkheim starten kann, müssen genauere Entwürfe erarbeitet und Genehmigungsschritte durchgeführt werden. Der Abwasserverband rechnet damit, dass die Ergebnisse frühestens 2023 vorliegen. 2024 könnte dann mit der rund zwölfmonatigen Bauphase begonnen werden. Insgesamt sehen die Pläne des Expertenbüros acht Standorte für den Hochwasserschutz an Schwarzbach, Liederbach und Sulzbach vor.

Die größten Anlagen wären das Rückhaltebecken Rotheberg mit einem Stauvolumen von 220 000 Kubikmetern sowie die Rückhaltebecken in Kelkheim (100 000 Kubikmeter) und Eppstein (91 000 Kubikmeter). sas

Wie kommt es also, dass nun wieder Pläne auf dem Tisch liegen? Der erneute Anlauf habe auch mit einer veränderten Förderpraxis des Landes zu tun, das nun kleinere Maßnahmen unterstützt, sagte Seitz. Es gehe jetzt nicht mehr in erster Linie um den Schutz vor einem Jahrhunderthochwasser, sondern darum, was tatsächlich umsetzbar ist. Welche Maßnahmen die Fachleute vorschlagen, berichtete Theresa Strohbach vom geotechnischen Untersuchungsbüro Fugro. Nach vier Jahren Analyse haben die Experten am Schwarzbach die vier Standorte Ehlhalten, Eppstein, Theissbach und Rotheberg für Rückhaltebecken ermittelt. So könnte ein Schutz vor einem Hochwasser erreicht werden, wie es statistisch alle 20 Jahre vorkommt.

Um das Einzugsgebiet des Liederbachs vor einem Hochwasser mit 20-jährlicher Wahrscheinlichkeit zu schützen, sollen ein Rückhaltebecken in Kelkheim sowie ein Polder in Niederhofheim errichtet werden. Bei einem Polder wird das Hochwasser in einen Nebenarm des Bachs abgeleitet. Die Expertin betonte, dass ein Becken in Kelkheim überregionale Wirkung zeige und auch die Überflutungsgefahr in Frankfurt mindere. Am Sulzbach könnte durch Becken in Altenhain und Neuenhain sogar ein Schutz vor einem Jahrhunderthochwasser erreicht werden. Das Rückhaltebecken in Neuenhain existiert und soll ausgebaut werden. Als Priorität für den ersten Ausbauschritt empfiehlt Strohbach den Bau der Anlagen in Ehlhalten, Eppstein, Kelkheim und Altenhain. Kosten: rund 12 Millionen Euro.

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