+
Das Kronberger Bahnhofsgebäude ist in keinem guten Zustand.

Kronberg

Zweikampf um den Bahnhof

  • schließen

Das Stadtparlament entscheidet über den Verkauf des Kronberger Bahnhofs. Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos) weicht vom Magistratsvotum ab

Wer wird neuer Eigentümer des Kronberger Bahnhofs? Nach langem Hin und Her sollen die Stadtverordneten in ihrer Sitzung am heutigen Donnerstag darüber abstimmen, welcher der beiden verbliebenen Interessenten den Zuschlag für das Empfangsgebäude an der Endstation der S-Bahn-Linie 4 erhält. 

Im Rennen sind Konstantin Kovarbasic mit seiner Gesellschaft „Unser Bahnhof GmbH & Co. KG“ und die „Real Grundstücksverwaltungs GmbH & Co. KG“ von Frederik Roth. Beide Unternehmen haben ihre Konzepte jüngst den Kronberger Politikern präsentiert. 

Ein klares Meinungsbild gibt es vor der heutigen Abstimmung allerdings nicht. Der Riss geht sogar quer durch den Magistrat. Während die Mehrheit der Stadtregierung das Konzept der Real KG präferiert, empfiehlt Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos) in einer abweichenden Stellungnahme den Stadtverordneten, das Angebot von „Unser Bahnhof“ anzunehmen. 

Beide sagen zu, das heruntergekommene Gebäude zu sanieren und wieder mit Leben zu füllen. Dafür soll jeweils ein Restaurant mit rund 70 Plätzen sorgen. Größter Unterschied ist die Frage, wo das Reisezentrum künftig unterkommen soll. Während Konstantin Kovarbasic dafür im Osten des Empfangsgebäudes einen neuen Pavillon errichten will, in dem auch der Kiosk und eine Tourist-Info vorgesehen sind, möchte Frederik Roth es gemeinsam mit einem Minimarkt und einer Bäckereifiliale in dem Empfangsgebäude unterbringen. 

Dadurch bleibe der „Bahnhof ein Bahnhof“ lobt die Magistratsmehrheit in ihrer entsprechenden Vorlage, während durch einen Pavillon „die Funktionen eines Bahnhofs in einen Neubau verlagert werden“. Was allerdings aus Sicht von Bürgermeister Temmen den Vorteil bietet, das Angebot eines vollwertigen Reisezentrums zu erhalten, das zudem in ein Tourismuskonzept eingebunden werden könne. 

Im Obergeschoss sehen die Entwürfe beider Investoren eine Wohnnutzung vor. Während Frederik Roth zwei herkömmliche Wohnungen vorschweben, in denen das Personal aus Gastronomie oder Bäckerei einziehen könnte, möchte Kovarbasic Wohngemeinschaften für Studenten der Kronberg Academy anbieten, die in direkter Nachbarschaft zum Bahnhof ihr Casals Forum errichtet. 

Laut Bürgermeister Temmen hat die Gesellschaft „Unser Bahnhof“ einen Kaufpreis von 450 000 Euro geboten, die Real Grundstücksverwaltung 400 000 Euro. Hinzu kommen Investitionskosten in Höhe von 4,4 bis 4,8 Millionen Euro. 

Den Gedanken, das Gebäude in Eigenregie zu sanieren und anschließend zu verpachten, habe man wegen fehlender Kapazitäten in der Stadtverwaltung verworfen, erklärt der Magistrat in seiner Stellungnahme. Lediglich wenn die Stadtverordneten keines der vorliegenden Kaufangebote akzeptieren sollten, würde man „die Möglichkeit einer Verpachtung näher prüfen“. 

Noch unklar sind derweil einige Fragen, die mit dem Leitungs- und Wegerecht der Deutschen Bahn zu tun haben. Eine Antwort darauf könne es nach Aussage der Verwaltung auch erst im Zuge der Genehmigungsplanung geben – und die sei wiederum erst nach der Auswahl eines der beiden Konzepte möglich, teilt der Magistrat mit. An den Rechten der Deutschen Bahn war bereits das ursprüngliche Vorhaben der Kommune gescheitert, den denkmalgeschützten Bahnhof per Erbbaurecht zu vergeben. Dabei war man sich mit einem der beiden aktuellen Bewerber, Konstantin Kovarbasic, schon so gut wie handelseinig geworden. 

Vor den Sommerferien hatte das Parlament dann beschlossen, weiteren Interessenten die Möglichkeit zu geben, ihre Vorstellungen zu präsentieren. Mitten in das Verfahren war die Nachricht geplatzt, dass mittlerweile nicht nur das Empfangsgebäude selbst unter Denkmalschutz steht, sondern auch das Basa-Gebäude, ein unscheinbares Toiletten- und Technikhäuschen südöstlich davon. Das hatte für eine weitere Verzögerung gesorgt. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare