Mit sogenannten Poolnudeln markieren ADFC-Aktivisten den nötigen Sicherheitsabstand.

Bad Homburg Verkehr

Zwei Kilometer Radwege pro Jahr für Bad Homburg

  • schließen

Mit Blick auf das schlechte Abschneiden beim Fahrradklimatest fordert der ADFC fordert mehr Tempo. Die Stadt hingegen verweist auf Fortschritte.

Beim jüngsten Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) hat Bad Homburg unter allen hessischen Kommunen den unrühmlichen letzten Platz belegt. Gleichzeitig hatten die Bürger in einer Umfrage zum Stadtentwicklungskonzept bessere Bedingungen für Radler ganz oben auf ihre Wunschliste gesetzt.

Das habe zwar Wirkung gezeigt, räumt die lokale ADFC-Gruppe ein. So hat das Bad Homburger Stadtparlament inzwischen ein umfangreiches Radverkehrskonzept beschlossen. Doch um aus Bad Homburg eine fahrradfreundliche Stadt zu machen, reiche das „bei weitem nicht aus“, moniert der ADFC in einer aktuellen Stellungnahme.

Was aus seinerr Sicht geschehen müsste, hat der Radfahr-Verband darin als Forderungskatalog gleich mitgeliefert. So verlangt der ADFC den Neu- oder Umbau von zwei Kilometern Radwegen pro Jahr an Straßen mit einer Regelgeschwindigkeit von mehr als 30 Stundenkilometern. Zusätzlich sollen weitere zwei Kilometer Nebenstraßen umgestaltet werden, etwa in Form von Fahrradstraßen.

Ziel sind innerstädtische Fahrradtrassen, die sich an den Schulwegen und Pendlerströmen orientieren. Um Radlern, aber auch Fußgängern, mehr Sicherheit zu bieten, sollen Kreuzungen umgebaut werden und Radwege eine Mindestbreite von 2,30 Metern aufweisen. Außerdem fordert der ADFC pro Jahr 100 zusätzliche Fahrradparkplätze.

Rote Laterne

Mit einer Gesamtnote von 4,5 hat Bad Homburg 2018 beim jüngsten Fahrradklima-Test abgeschnitten. Damit war die Kurstadt im hessenweiten Ranking auf den letzten Platz abgerutscht. An der Abstimmung hatten sich 285 Bad Homburger beteiligt.

2016 kam die Stadt auf eine Note von 4,4 - 2012 lag sie noch bei 4,1. 

Auf drei Millionen Euro beziffern die Fahrradaktivisten die zusätzlichen Kosten für die kommenden beiden Jahre, ein Großteil davon könne aber über Fördergelder wieder hereingeholt werden. Außerdem müsse für den Ausbau des Radverkehrs das Personal im Rathaus deutlich aufgestockt werden.

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, sind mehrere ADFC-Mitglieder jüngst mit Poolnudeln an den Gepäckträgern über die Straßen rund um das Vickers-Gelände geradelt, auf dem ein Neubaugebiet entstehen soll. Damit wollten sie auf den nötigen Sicherheitsabstand zwischen Radlern und Autofahrern hinweisen. Der werde dort auch künftig kaum eingehalten, mahnt Nadja Vomhof vom Arbeitskreis Radverkehr des ADFC.

Das Verkehrskonzept zum Vickers-Areal sei ein Kompromiss. Man habe auch die Interessen anderer Verkehrsteilnehmer berücksichtigen müssen, kommentiert Rathaussprecher Marc Kolbe die Aktion des Fahrradverbands.

„Überrascht“ zeigt sich die Stadtverwaltung von der Grundsatzkritik des ADFC, schließlich habe der Verband an dem Radverkehrskonzept mitgearbeitet. Bad Homburg habe „noch nie so viel für den Radverkehr getan wie derzeit“, betont Kolbe. So sei im Weinbergsweg die erste Bad Homburger Fahrradstraße eingerichtet worden, etliche Einbahnstraßen seien in der Gegenrichtung freigegeben und auch durch den Jubiläumspark dürfe man inzwischen radeln.

Vor allem aber habe die Stadt mit Nina Lassnig erstmals eine Radverkehrsbeauftragte eingestellt. Derzeit noch mit einer halben Stelle, diese werde aber im kommenden Jahr auf eine ganze aufgestockt, kündigt der Rathaussprecher an.

Derweil fordert die CDU eine Politik „mit Augenmaß“. So sei ein Betrag von drei Millionen Euro für die kommenden beiden Jahre nicht zu stemmen, betont Fraktionschef Oliver Jedynak. Ansonsten müsste das Geld bei anderen freiwilligen Leistungen gestrichen werden. Am Vickers-Areal würden immerhin 100 Auto-Parkplätze zugunsten des Radverkehrs gestrichen. Noch größere Eingriffe wären aus Sicht der CDU „unverhältnismäßig“, so Jedynak.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare