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Zwei Jugendliche unter Verdacht

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Zwei 16-Jährige stehen unter Verdacht, den Bad Homburger Bahnhof angezündet zu haben. Reisende sollen bald durch einen Tunnel auf die Bahnsteige gelangen. Von Martina Propson-Hauck

Von Martina Propson-Hauck

Am ersten Arbeitstag nach dem Brand in der Bahnhofshalle ist schon fast wieder ein bisschen Normalität eingekehrt. Es regnet am frühen Morgen stark, aber trotzdem trotten die Berufspendler lieber über den am Wochenende eingerichteten Schotterweg links vom Bahnhofsgebäude, als die eingesetzten Pendelbusse zu benutzen. Zehn Minuten braucht, der Bus, um von der Südseite des Bahnhofs zur Vorderseite zu gelangen. Zu Fuß gehts schneller. Eine Reisegruppe junger Leute murrt ein wenig, weil die Räder ihrer Koffertrolleys sich nicht so gut mit den groben Steinchen vertragen, die auf dem Notweg liegen.

"Wir haben die Busse schon wieder eingestellt, weil zum Schluss nur noch zwei Leute drinsaßen", sagt Stadtpressesprecher Andreas Möring. Die Stadt will die Bahnhofshalle sobald wie möglich von einem Statiker untersuchen lassen. Die Polizei wird einen Teil bereits heute Nachmittag freigeben. Untersucht werden soll, in welchem Zustand Mauern, Decken und die Leuchter-Halterungen nach dem Brand vom frühen Samstagmorgen sind. Auch müsse geprüft werden, ob die Luft im Gebäude nach der starken Rauchentwicklung wieder gefahrlos eingeatmet werden könne, sagte der zuständige Stadtrat Peter Vollrath-Kühne.

Für den Weg auf die Gleise müssen S-Bahn-Nutzer auch heute und morgen noch ein paar Minuten Umweg über die Route am Wasserturm entlang einkalkulieren. Wenn die statischen Untersuchungen abgeschlossen sind, sollen die Pendler durch einen Tunnel wieder durch die Bahnhofshalle geführt werden. Bei allen Arbeiten wird das Ingenieurbüro mitarbeiten, das ohnehin bereits mit den Planungen für die Sanierung und den Umbau des Bahnhofs beauftragt ist. Die Schadenshöhe ist weiterhin offen. Genannt wurden bislang unterschiedliche Summen zwischen 200.000 und 700.000 Euro. Nach Auskunft Mörings ist der Schaden für die Stadt voraussichtlich über die Gebäudebrandschutzversicherung abgedeckt.

Höfliche Fahrgäste

Zehn Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes der Bahn wechseln sich gegenwärtig ab, um den Reisenden Auskunft zu geben. Zusätzlich weisen gelbe Schilder den Umweg über den Wasserturm direkt zu den Gleisen. Deshalb hält sich die Übellaunigkeit der Reisenden auch in Grenzen. "Alle fragen nur höflich nach dem Weg", sagt einer der Sicherheitsleute. Oder danach, wo sie denn nun eine Fahrkarte bekommen, denn das Bahnhofsgebäude mit Schalter und Fahrkartenautomaten ist gesperrt. An einer Bushaltestelle vor dem Bahnhof gibt es noch einen Ticketautomaten des RMV.

Zwischen Pendler und Reisende mischten sich gestern auch Schaulustige, die gern selbst in Augenschein nehmen wollten, was der Brand in ihrem Bahnhof angerichtet hat. Selbst Schulklassen unternahmen einen kurzen Ausflug an den Ort des Brandgeschehens. "Aber die Tauben können doch noch rein- und rausfliegen?", fragte ein kleines Mädchen im Buggy besorgt die Großmutter, die auf die große Wasserlache hinwies. Diese und die geborstenen Jugendstilfenster über dem geschwärzten Backshop sind für jeden sichtbare Spuren dessen, was in der Nacht zum Samstag geschah.

Die Polizei geht unterdessen weiterhin von Brandstiftung aus. Sie hat einen 16-jährigen Jugendlichen aus Oberursel unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Ein Gleichaltriger aus Bad Homburg wird noch verhört. Die Tür des abgebrannten Back-Shops sei eingetreten und das Inventar beschädigt gewesen, bevor das Feuer gelegt worden sei.

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