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Zocken um das große Spiel

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Von: Olaf Velte

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Black-Jack-Tisch
Black-Jack-Tisch © ddp

Der Volksmund nennt das Spiel "17 und vier". Doch auch beim Black Jack kann es um hohe Summen gehen - wie jetzt bei Europas höchstdotiertem Turnier in der Spielbank Bad Homburg.

Weit nach Mitternacht sind sieben Spieler übrig geblieben. Der Rest des internationalen Teilnehmerfelds ist bei Europas höchstdotiertem Black-Jack-Turnier in den Vorrunden ausgeschieden. Das letzte Spiel entscheidet. Wer kann die Bad Homburger Spielbank mit 70000 gewonnenen Euro verlassen?

Am Tag der „Black Jack Diamond Night“ ist Saalchef Manfred Purz zwanzig Stunden auf den Beinen, muss den Ablauf organisieren, sich um die Gäste kümmern. Am frühen Abend sind sie eingetroffen: Männer aus Libyen, Frankreich, Japan, Italien, Ägypten, Deutschland, dem Iran. Eine Frau komplettiert das Feld. 5000 Euro beträgt das Startgeld. Gespielt wird an zwei Tischen.

Die goldenen Zeiten des konzessionierten Glücksspiels sind längst vorbei. Nachdem die traditionsreiche Spielbank im Kurpark ihren Betrieb nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgenommen hatte, gaben sich Fürsten, Diplomaten und Aristokraten ein Stelldichein. Besuch von Prominenten wie Elke Sommer, Nadja Tiller oder Curd Jürgens war keine Seltenheit. Vor drei Jahrzehnten strömten jährlich über 160000 Menschen zu Roulette und Baccara. Neben das „Große Spiel“, zu dem noch Poker und Black Jack gehören, sind heute die Slotmachines und Bingo-Automaten getreten.

Zu großen Konkurrenten seien Spielhöllen und Internet-Casinos geworden, sagt Purz. „Die Wirtschaftskrise haben wir auch sofort zu spüren bekommen.“ In Bad Homburg versucht man, Tradition und Moderne unter einen Hut zu bekommen. Der Spielbetrieb ruht nur an fünf Tagen pro Jahr, die 240 Beschäftigten arbeiten im Schichtdienst. „Derzeit haben wir im Durchschnitt 700 Besucher am Tag.“ Europaweit habe man sich ein gutes Standing erarbeitet – „das klassische Spiel wird hier noch gepflegt“.

Während die „Night Wash“-Komödianten in der Casino Lounge für Begeisterung sorgen, herrscht zwei Treppen tiefer angespannte Konzentration. Black Jack, dem Kartenspiel Siebzehn und Vier eng verwandt, ist eine schnelle Angelegenheit. Der Croupier bedient die Spieler mit rasanter Fingerfertigkeit, legt die erste Kartenrunde offen auf den Tisch. Die Einsätze sind getätigt, vierzehn Augenpaare wandern hin und her. Jede weitere Karte entscheidet über Gewinn oder Verlust. Erfahrung ist gefragt, ein Gefühl für die Situation. Hier spielen keine Anfänger, so viel ist klar.

Vergessen sind in diesem Moment das gold-weiße Ambiente der Säle und der Auftritt von „Glücksbringerin“ Anna Maria Monti als Marilyn-Monroe-Double. Die Kellner huschen über den samtroten Teppichboden, und jedes Gespräch ist zum Erliegen gekommen. Die Hände des Croupiers halten das Gewicht der Welt, sind 70000 Euro schwer.

Ein Wimpernschlag: Sieg für die einzige Frau am Tisch. Jung ist sie, hat ihre Mutter mitgebracht. Großes Staunen ringsum.

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