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Verein „groundr“ Zentrum im Kurhaus.

„Groundr“-Zentrum

Zahnschienen per Internet

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Bad Homburg hat sein erstes Gründerzentrum: Vier junge Unternehmen sind in das frisch eröffnete „Groundr“-Zentrum im Kurhaus eingezogen.

Die Probleme mit den eigenen Zähnen haben Björn Zäuner auf die Idee gebracht. Er habe eine Alternative zur herkömmlichen Kieferorthopäden gesucht, schildert der 24-Jährige. Ergebnis ist das Unternehmen „Braceless“, das er gemeinsam mit seinem gleichaltrigen Schulfreund Patrick Böhm gegründet hat. Seit Januar verkaufen sie transparente Zahnschienen über das Internet.

„Es läuft super“, sagt Böhm. „Besser als geplant.“ Das Unternehmen hat bereits sieben Mitarbeiter. „Nicht alle fest angestellt“, räumt der junge Gründer ein. Sie kümmern sich um die Betreuung der Kunden und den Kontakt zu Zahnärzten, mit denen „Braceless kooperiert.

Ansonsten müssen die Kunden aber viel selbst erledigen, zum Beispiel mit einem Starter-Kit Abdrücke ihrer Zähne anfertigen und einschicken. Behandeln könne man deshalb auch nur kleinere, kosmetische Korrekturen, sagt Björn Zäuner.

Gemeinsam mit drei anderen Start-Ups ist das „Braceless“-Team in das selbst gerade frisch eröffnete „Groundr“-Zentrum im Erdgeschoss des Kurhauses eingezogen, Bad Homburgs erstem Gründerzentrum. Lediglich 150 Euro Miete zahlen die Jungunternehmer pro Monat, inklusive Internetanschluss und Erfahrungsaustausch.

Der ist allen Beteiligten wichtig, auch wenn sich die Geschäftsmodelle der Firmen sehr unterscheiden. Während „Revoluxio“ auf eine neuartige Fahrradbeleuchtung setzt, wollen Sven Fabel und Ilja Wolf von „Fabel Innovationsbau“ mit kreativen und naturbelassenen Wandgestaltungen punkten. Julia Metje und ihre zwei Kollegen von „Vision Wall“ wiederum vertreiben schallabsorbierende Kunst.

Ihre Idee hatten sie bei einer Pitch-Night des Vereins „Groundr“ präsentiert. Dabei habe sich ein regelrechtes Bietergefecht um eine Beteiligung an dem Unternehmen entwickelt, sagt Jens Klemann, einer der Initiatoren des Vereins. Vor zweieinhalb Jahren hatte der Berater sich mit anderen Bad Homburger Unternehmern zusammengetan, um in der Kurstadt eine Start-Up-Kultur zu entwickeln.

Seitdem habe man bereits rund 100 Gründer beraten, sagt Riklef von Schüssler. Entscheidend sei, dass eines der „Groundr“-Mitglieder die Patenschaft für eine Idee übernehme. In drei von vier Fällen sei es möglich gewesen zu helfen. Es komme aber auch vor, dass man den begeisterten Jungunternehmern lieber abrate.

Ziel des „Groundr“-Vereins war von Anfang an, ein Gründerzentrum zu etablieren, in dem einige der vielversprechenden Start Ups zu günstigen Konditionen unterkommen können und sich möglicherweise zu erfolgreichen Firmen entwickeln.

Zwar gebe es in Bad Homburg bereits ein etabliertes Unternehmertum – angeführt von den beiden Dax-Konzernen Fresenius und Fresenius Medical Care. Doch die Stadt müsse sich jetzt schon Gedanken machen, wie es in der nächsten Generation weitergeht, betont Riklef von Schüssler. Dabei gehe es um mehr als die Gewerbesteuereinnahmen. „Es ist auch eine Kulturfrage.“ Der alte Werbespruch „Champagnerluft und Tradition“ habe ausgedient, ergänzt Jens Klemann. Künftig müsse es heißen: „Gründerduft und Innovation.“

Ziel sei nicht nur, neue Firmen zu etablieren. Ein sehr wichtiges Thema sei gerade in Bad Homburg die Unternehmensnachfolge. Deshalb bemühe man sich, kreative junge Leute mit erfahrenen Mittelständlern zusammenzubringen.

Besonders wichtig ist den „Groundr“-Vertretern deshalb die Kooperation mit der Accadis-Hochschule. „Wir wollen das Unternehmer-Gen schon im Studium wecken“, sagt Jens Klemann. Dazu finanziert der Verein einen Lehrstuhl für Entrepreneurship. Gleichzeitig müssen die Studenten für ihre Examensprüfung inzwischen ein Geschäftsmodell samt Business-Plan entwickeln. Was auch schon praktische Folgen hat: Das Unternehmen „Vision Wall“ ist aus der Accadis-Hochschule hervorgegangen.

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