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Zahl der Reichen wächst

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Hochtaunuskreis Evangelische Kirche legt den dritten Reichtums- und Armutsbericht vor

Von Martina Propson-Hauck

Als Alexander Dietz vor acht Jahren den ersten Armutsbericht für den Hochtaunuskreis erstellen wollte, kam das einer Art politischen Provokation gleich in einem der reichsten Landkreise Deutschlands. Doch der Referent für Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche im Dekanat Hochtaunus blieb hartnäckig und setzte viele Diskussionen in Gang.

Gestern legte sein Nachfolger, Felix Blaser, nun bereits den dritten Bericht dieser Art vor. Sein Fazit: Arm zu sein in einer reichen Gegend ist vielleicht sogar noch ein wenig schwieriger als andernorts. Und: Die Schere zwischen Arm und Reich klafft hier besonders deutlich und weit auseinander.

In konkreten Zahlen drückt sich der Bericht so aus: Die Anzahl derjenigen, die von staatlichen Leistungen leben müssen, hat sich von 2005 bis 2011 von 11300 auf etwa 11900 Menschen erhöht. Das entspricht einem Anteil von 5,2 Prozent an der Gesamtbevölkerung des Kreises und einer Steigerung von 5,4 Prozent in sechs Jahren. Demgegenüber ist der Anteil der Haushalte mit hohem Einkommen von 28 Prozent im Jahr 2006 auf 33,7 Prozent im Jahr 2010 gestiegen.

Die Zahl der Personen, die pro Jahr mehr als stolze 500000 Euro Einkommen verbuchen können, ist zwischen 2004 und 2007 sogar um unglaubliche 69,7 Prozent auf 1074 gewachsen. Auch für den Hochtaunuskreis gilt demnach laut Blaser, dass sowohl Armut als auch Reichtum zugenommen haben – wenn auch in offensichtlich unterschiedlichem Maß.

Erstmals ist im dritten Armutsbericht die soziale Lage der Menschen in den Jahren 2005 und 2011 verglichen worden. Dabei ist herausgekommen, dass der Hochtaunuskreis in Bereichen wie Kaufkraft, Kultur und Bildung Spitzenwerte verbuchen kann. „Andere Problemfelder sind aber nach wie vor virulent“, sagt Blaser. So biete die vergleichsweise niedrige Arbeitslosenquote zwar einen Grund zur Freude, zugleich berge sie aber die Gefahr zu übersehen, dass im Hochtaunuskreis zahlreiche Menschen von Armut bedroht oder direkt betroffen seien.

Viele, die von Armut betroffen sind, versuchen, ihre Situation nicht öffentlich werden zu lassen. Arm zu sein unter vielen Reichen, sei eben weitaus schwieriger. Nach wie vor ungelöst sei das Problem, im Hochtaunuskreis – und da insbesondere im Vordertaunus – günstigen Wohnraum zu finden. Der Zugang zu preiswertem Wohnraum sei in den vergangenen fünf Jahren eher noch schwieriger geworden.

Auch die Forderung nach der Schließung der Flüchtlingsunterkunft in Oberursel sei nach wie vor aktuell. „Eine zunehmende Polarisierung der Gesellschaft macht sich bemerkbar und eine Trendwende ist nicht in Sicht. Die Kirchen beachten diese Entwicklung mit Sorgfalt“, heißt es in dem Bericht. Und: „Es bleibt viel zu tun in der Sozialpolitik des Kreises.“

Für den Bericht wurden Stimmen von mehr als 30 Expertinnen und Experten aus Theorie und Praxis der sozialen Arbeit im Landkreis zusammengetragen. Er geht nun an alle Pfarrer, Bürgermeister, den Landrat und politisch Verantwortliche, demnächst soll er auch im Buchhandel käuflich zu erwerben sein.

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