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Zahl der Flüchtlinge wird sich verdoppeln

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Von: Fabian Böker

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Am Niederstedter Weg in Bad Homburg sollen noch in diesem Jahr gut 200 neue Flüchtlinge ankommen. Doch auch danach müssen Quartiere gefunden werden.
Am Niederstedter Weg in Bad Homburg sollen noch in diesem Jahr gut 200 neue Flüchtlinge ankommen. Doch auch danach müssen Quartiere gefunden werden. © Martin Weis

Das Thema Flüchtlinge wird auf Jahre aktuell bleiben. Im Kreis entstehen neue Unterkünfte, die Probleme aber verschärfen sich.

Aktuelle Zahlen zu im Kreis untergebrachten Flüchtlingen zu erfahren, ist oft schwierig. Kaum liegen sie vor, haben sie sich schon wieder verändert. Denn jede Woche kommen neue Menschen auf der Flucht vor Krieg und Vertreibung aus fernen Ländern nach Deutschland, in den Hochtaunuskreis und die dortigen Kommunen. Nun hat der Kreis zum Stichtag 31. März alle Zahlen offengelegt. Zu erkennen ist vor allem eines: Das Thema Flüchtlinge wird auf Jahre aktuell bleiben.

Die Zahlen zeigen auf den ersten Blick, dass bis auf zwei Ausnahmen alle Städte und Gemeinden im Kreis noch weitere Flüchtlinge aufnehmen müssen (siehe Text unten). Diese Anforderung basiert auf einer Prognose, die Katrin Hechler, Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin, am Donnerstag vorgestellt hat. Demnach kommen bis zum Jahresende noch mehr als 1000 weitere Flüchtlinge in den Hochtaunuskreis. Diese Zahl übersteige sogar die Angaben, die das Land Hessen macht. Eine ähnliche Diskrepanz haben derzeit auch andere Bundesländer ausgemacht, die die Zahlen des Bundes anzweifeln und für 2015 mit bis zu 500 000 Neuankömmlingen rechnen.

Einige Bauvorhaben

Egal wie viele es letztlich werden, sie alle müssen irgendwo unterkommen. Katrin Hechler nutzte die Präsentation der Zahlen, um auf einige Bauvorhaben hinzuweisen. So seien in die ehemalige Grundschule in Oberursel-Stierstadt die ersten zehn Bewohner eingezogen. 65 sollen es am Ende sein, die in unmittelbarer Nachbarschaft zur Integrierten Gesamtschule (IGS) ein vorübergehendes Zuhause finden.

In Kronberg laufen laut Hechler bereits die Umbauarbeiten am früheren Modulbau der Altkönigschule. Bis Ende Mai sollen hier Räumlichkeiten für bis zu 70 Flüchtlinge entstehen. Die Kosten dafür betragen den Angaben zufolge rund 219 000 Euro.

In Oberursel wird die bestehende Gemeinschaftsunterkunft an der Karl-Hermann-Flach-Straße bekanntlich durch eine neue und im Sinne der Bewohner bessere ersetzt. „Die erste Phase des Interessenbekundungsverfahrens“, so Hechler, „ist abgeschlossen.“ Das heißt, dass ernstzunehmende Bewerbungen eingegangen sind, die Häuser zu betreiben. Nun werden Vertragsunterlagen erarbeitet. Bis Jahresende, hofft Katrin Hechler, soll der erste Bauabschnitt fertig sein. Der zweite soll im Februar folgen.

In Bad Homburg wird derzeit fleißig gebaut. Am Niederstedter Weg entsteht eine Unterkunft für Flüchtlinge, seit etwa zwei Wochen ist der Bauantrag genehmigt. Ab August sollen die Menschen einziehen können.

An dieser Unterkunft wird aber auch das ganze Dilemma deutlich, das sich hinter den ganzen Zahlen versteckt, und für das eine Lösung nur sehr schwer zu finden ist. Bad Homburg hat derzeit 296 Flüchtlinge untergebracht. Sollte die Prognose von 1064 weiteren Flüchtlingen bis zum Jahresende zutreffen, müsste die Stadt noch 252 weitere aufnehmen. In der Unterkunft am Niedersteder Weg ist Platz für 226 Menschen. Weitere 20, berichtete Katrin Hechler, sollen in der provisorischen Unterkunft in der alten Feuerwache in der Schwalbacher Straße unterkommen. Dort leben seit Dezember schon 32 Flüchtlinge.

Mit diesen beiden Unterbringungsmöglichkeiten wäre die Bad Homburger Quote nahezu erfüllt. Zurücklehnen kann sich die Stadt damit aber nicht. Denn eine andere Unterkunft, das Haus Pommern am Hessenring, in dem der Kreis als Vermieter auftritt, wird „in ein oder zwei Jahren geschlossen“, sagt Katrin Hechler. Es steht auf dem ehemaligen Krankenhausgelände, das wie berichtet neu bebaut werden soll. Auf einen Schlag fallen dort also etwa 110 Plätze weg, die andernorts geschaffen werden müssen.

Zudem sind die 252 erwarteten Flüchtlinge auch nur eine Prognose. Fakt ist dagegen der eindeutig erkennbare rasante Anstieg der Zahlen. Im Jahr 2013 kamen insgesamt gerade einmal 344 Flüchtlinge in den Hochtaunuskreis, 2014 waren es 588. Allein im ersten Quartal 2015 waren es bereits 311 Menschen.

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