1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Hochtaunus

Wurzeln als Kunstwerke

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Torsten Weigelt

Kommentare

Mitarbeiter der Schlossgärtnerei buddeln einen der Apfelbäume aus.
Mitarbeiter der Schlossgärtnerei buddeln einen der Apfelbäume aus. © Rolf Oeser

Für die Ausstellung "Nach der Natur" im Sinclair-Haus werden im Schlosspark Bad Homburg Apfelbäume ausgegraben.

Giuseppe Licari schaut ganz genau hin, während die Mitarbeiter der Schlossgärtnerei sich an dem Apfelbaum zu schaffen machen. Mit Schaufeln, Motorsäge und Bagger rücken sie fast eine Stunde lang Stamm und Ästen zu Leibe, am Ende bleibt nur noch die Wurzel übrig.

Auf sie hat Licari es abgesehen, sie wird Teil des geplanten Kunstwerks „Humus“ werden, das er eigens für die kommende Ausstellung im Museum Sinclair-Haus erstellt. Bis die Schau mit dem Titel „Nach der Natur“ am 25. Juni eröffnet, ist zwar noch reichlich Zeit. Die ist aber auch nötig. Denn die Wurzel werde nun mit einem Hochdruckreiniger gesäubert und müsse dann eine Weile trocknen, erläutert der Künstler, der aus Italien stammt und seit 2007 in Rotterdam lebt.

Im Sinclair-Haus soll die Wurzel mit zwei weiteren Exemplaren, die ebenfalls am gestrigen Vormittag aus dem Boden des Schlossparks gegraben wurden, an der Decke befestigt werden. Die Besucher bekämen dadurch eine neue Perspektive auf die Natur, erläutert Giuseppe Licari. Die Wurzeln sollen zudem durch spezielle Lampen angestrahlt werden. So entstehe ein „Raum der Kontemplation“, kündigt der Künstler an, „ähnlich wie in einer Kirche“.

Oder „wie im Märchenwald“, wie Sinclair-Haus-Direktor Johannes Janssen findet. Es sei das erste Mal, dass ein Kunstwerk für das Museum direkt vor Ort in Bad Homburg entstehe, freut sich Janssen. Möglich geworden sei das durch die gute Kooperation mit den Verantwortlichen des Bad Homburger Schlossparks. Die drei Apfelbäume habe er ohnehin fällen wollen, erläutert der Leiter der Schlossgärtnerei, Peter Vornholt. „So haben wir noch eine große Wurzelperformance“, sagt er und lacht. Ziel sei es, den Obstgarten im westlichen Teil des Schlossparks wieder nach historischem Vorbild zu bepflanzen. Dafür müssten insgesamt neun Apfelbäume Mirabellen- oder Birnbäumen weichen. Die gestern entfernten Bäume sollen bereits heute durch junge Mirabellenbäumchen ersetzt werden.

Giuseppe Licari hat ähnliche Installationen bereits zwei Mal gezeigt, 2012 in Rotterdam und vor zwei Jahren bei einem Kunst-Festival im belgischen Watou. Es gehe ihm darum, das Verhältnis des Menschen zur Natur zu thematisieren, erklärte er. Die Besucher sollten die Objekte so sinnlich wie möglich erfahren können. Deshalb sei geplant, die Wurzeln jeden Morgen mit Wasser zu besprühen, um den Geruch von Erde wachzurufen.

In der Ausstellung „Nach der Natur“ werden noch zahlreiche weitere Werke von Künstlern zu sehen sein, die mit Naturmaterialien arbeiten oder die sich von deren Erscheinungsformen inspirieren lassen, kündigt Ina Fuchs an, die die Schau gemeinsam mit Johannes Janssen kuratiert. Eingebunden sind auch Studierende der Hochschule für Gestaltung Offenbach. Geplant ist, dass sie mit eigenen Objekten auf die Arbeiten der Künstler reagieren.

Auch interessant

Kommentare