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Wohnung verzweifelt gesucht

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Wohnungssuche im Hochtaunus - wer hier nicht das nötige Kleingeld mitbringt, hat so gut wie keine Chance.
Wohnungssuche im Hochtaunus - wer hier nicht das nötige Kleingeld mitbringt, hat so gut wie keine Chance. © FR/Oeser

Immer mehr Menschen sind im reichen Hochtaunus von Obdachlosigkeit bedroht. Doch der Kreis mauert, wenn es um die Mieten für Hartz-IV-Empfänger geht. Von Klaus Nissen

Von Klaus Nissen

Wer in Friedrichsdorf von 359 Euro Sozialhilfe leben muss und eine neue Wohnung braucht, hat ein Problem. Denn der Hochtaunuskreis zahlt Mietzuschüsse nur nach den veralteten Werten einer Tabelle aus dem Jahre 1996, kritisiert Alexander Dietz vom Evangelischen Dekanat Hochtaunus. Für Friedrichsdorf könne ein Erwachsener je nach Wohnungs-Baujahr nur 172 bis 284 Euro für die Kaltmiete vom Kreis erhalten, ergänzt Markus Krüger von der Ökumenischen Wohnhilfe Taunus. In teurere Wohnungen dürften die Betroffenen nicht einziehen. Die Kreisverwaltung müsse die veraltete Mietpreistabelle schleunigst an die Realität anpassen, forderten Dietz und Krüger bei einer Veranstaltung der Friedrichsdorfer SPD in Köppern.

Konkrete Beispiele nennen einige Bewohner der städtischen Containersiedlung am Taunus-Quarzitwerk. Er wolle dort weg und habe dem Sozialhilfeträger bereits 60 Wohnungsangebote vorgelegt, sagt ein älterer Mann. "Zuletzt habe ich eine Wohnung genannt, die um 25 Euro über dem Regelsatz liegt. Aber die darf ich nicht nehmen."

Kein Sozialbericht in Sicht

Überall im Vordertaunus wachse die Zahl der von Obdachlosigkeit bedrohten Menschen, beobachtet der kirchliche Wohnungsvermittler Markus Krüger. Der Hochtaunus gebe aber nicht wie seine Nachbarkreise jährlich einen Sozialbericht heraus. Wer durch durch Jobverlust, Trennung oder Überschuldung in Nöte gerate, finde keine neue Bleibe mehr. Der Kreis und die Kommunen müssten verstärkt Sozialwohnungen schaffen, findet Krüger. Und der Kreis müsse endlich die Mietpreistabelle anpassen.

Deren Werte mag die Kreisverwaltung nicht veröffentlichen. Die in der Tabelle genannten Miet-Richtwerte "sind aus unserer Sicht auskömmlich", sagt Pressesprecherin Pamela Ruppert. Man beobachte im Kreishaus den Wohnungsmarkt genau. Der Friedrichsdorfer Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) will das nicht kommentieren. Er nehme die Kritik aber zum Anlass, das Thema in der nächsten Bürgermeisterdienstversammlung anzusprechen, so Burghardt zur FR.

Das Containerlager am Quar-zitwerk gehöre geschlossen, fordert der Friedrichsdorfer SPD-Fraktionschef Felix Klebe. Der Bürgermeister widerspricht: Man brauche die Siedlung im Wald für Notfälle. Die dort lebenden zehn Menschen hätten immer wieder andere Unterkünfte verweigert, obwohl sich die Stadt um sie kümmere. Siebenmal seien seit April städtische Sozialarbeiter vor Ort gewesen. Immerhin halte die Stadt 32 Sozialwohnungen vor, in denen 54 Menschen lebten.

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