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„Wir erwarten keine Klagewelle“

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Christof Fink ist in Oberursel zuständig für Bildung, Soziales und Familien.
Christof Fink ist in Oberursel zuständig für Bildung, Soziales und Familien. © Sascha Rheker

Ab August gilt der Rechtsanspruch für die U3-Betreuung. Der Erste Stadtrat Christof Fink (Grüne) spricht im Interview über den Stand in Oberursel, welche Projekte geplant sind und wie die Stadt künftig gute Erzieher gewinnen will.

Ab August gilt der Rechtsanspruch für die U3-Betreuung. Hat die Stadt Angst vor Klagen?

Wir sehen dem 1. August gelassen entgegen. Eine Klagewelle ist nicht zu erwarten. Wir haben gut vorgearbeitet. Allerdings ist absehbar, dass im Laufe des Kindergartenjahres der Bedarf ein Stück größer sein wird als das Platzangebot, das wir haben. Wir gehen davon aus, dass wir 30, 40 Kinder mehr als Plätze haben.

Wie hoch ist der Bedarf?

Wir gehen von einem Bedarf von 50 Prozent aus. Wir haben in Oberursel 1172 Kinder unter drei Jahren. 590 sind angemeldet und wir haben aktuell 547 Betreuungsplätzcstoph fink

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Was passiert mit den Familien, die keinen Platz bekommen?

Wir bemühen uns, zusätzliche Kapazitäten zu schaffen. Wir schaffen Kindergartenplätze für die Kinder, die schon drei Jahre alt sind und noch auf einem Krippenplatz sitzen. Zum anderen ist der neue VzF-Kindergarten eine Möglichkeit.

Sind noch weitere neue Einrichtungen geplant?

Es gibt Überlegungen, in Oberstedten eine zusätzliche Krippeneinrichtung zu gründen. Oberstedten ist der einzige Stadtteil, in dem wir noch keine städtisch geförderte Krippe haben. Es gibt Pläne für eine dreigruppige Einrichtung, also für 30 Betreuungsplätze. Wir sind derzeit auf der Suche nach einem Träger.

Nach dem Kinderförderungsgesetz dürften Gruppen künftig 16 Kinder aufnehmen. Haben Sie vor, das zu nutzen?

Wir haben derzeit maximal 13 Kinder pro Gruppe. Davon wollen wir grundsätzlich nicht abweichen. Allerdings ist es hilfreich, Flexibilität zu haben, um dem Rechtsanspruch genüge tun zu können. Wenn ich etwa einen Bedarf von zehn zusätzlichen Plätzen habe, ist es mir lieber, ich kann diese Kinder auf die Einrichtungen verteilen, als eine Gruppe gründen zu müssen, wofür ich einen Raum brauche. Aber das Kifög schießt über das Ziel hinaus.

Glauben Sie, dass das Betreuungsgeld zu einem Rückgang der Anmeldezahlen führt?

Zunächst einmal bin ich nicht für das Betreuungsgeld. Mir wäre es lieber, die Bundesregierung hätte das Geld den Kommunen für Betreuungsplätze gegeben. Ob sich der Bedarf auch mit dem Betreuungsgeld bei 50 Prozent einpendelt, muss man sehen. Im Kindergartenbereich haben wir eine Versorgungs- und Bedarfsquote von fast 100 Prozent. Mit zunehmendem Alter der Kinder wird es näher an die 100 Prozent rangehen. Es wird sicherlich auch in Oberursel Familien geben, die lieber das Betreuungsgeld in Anspruch nehmen. Das bekommen auch Eltern, die ihr Kind zu einer Tagesmutter geben. Vielleicht führt es auch in dem Bereich zu einem erhöhten Bedarf.

Überall klagen Kommunen über Erziehermangel. Hat auch Oberursel damit Probleme?

Wir haben bei der Stadt knapp zehn unbesetzte Stellen. Das klingt etwas dramatischer als es ist, weil auch die zusätzlichen Stellen für die Kita Waldzwerge eingerechnet sind, die noch nicht erweitert ist. Wir merken allerdings, dass der Markt enger wird. Er wird auch enger, weil die Kommunen um uns herum alle über Tarif bezahlen. Wir kommen wahrscheinlich nicht drum herum, nachzuziehen. Wir überlegen das für den Stellenplan 2014.

Das Kifög erlaubt auch 20 Prozent fachfremdes Personal. Beabsichtigen Sie, das zu nutzen?

Fachfremdes Personal ist nicht grundsätzlich schlechtes Personal. Wir haben ein Stundenkontingent, das über die Mindestverordnung hinausgeht. Dort setzen wir auch jetzt schon Personal ein, das nicht Erzieher gelernt hat, aber in der Weiterbildung ist. Allerdings halte ich diese 20-Prozent-Regelung für zu viel.

Andere Städte wie Bad Homburg haben spezielle Förderprogramme. Haben Sie so etwas auch?

Das haben wir aktuell nicht. Wir erhoffen uns ein bisschen was vom Jobticket, das wir zum 1. April einführen. Und wir haben im April zum ersten Mal einen Tag der Ausbildung, bei dem wir auch in der Kita Schatzinsel den Erzieherberuf bewerben. Wir haben auch überlegt, einen Bewerbertag durchzuführen, wie das in Bad Homburg der Fall ist. Vielleicht ist das ein Modell.

Bad Homburg klagt, dass die Stadt nur schwer Erzieher findet, weil die Mieten so hoch sind.

Das ist auch bei uns ein Problem. Es gibt Überlegungen, zusammen mit dem Bau & Service Oberursel (BSO) so etwas wie ein Mitarbeiterhaus zu bauen. Der BSO hat mit seinen Arbeitern im Straßenbau ein ähnliches Problem. Dort werden auch Gehälter bezahlt, mit denen es hier schwer möglich ist, eine Wohnung zu finden.

Das Gespräch führte Miriam Keilbach

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