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Beliebtes Ausflugsziel: das Römerkastell Saalburg.

Hochtaunus/Wiesbaden

Spielerisch zum Weltkulturerbe

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Hessen-Archäologie und Hochschule Rhein-Main haben gemeinsam eine Limes-App entwickelt. Sie soll mehr Menschen an den ehemaligen römischen Grenzwall locken.

Mit mehr als 100 000 Besuchern pro Jahr ist die Saalburg eines der beliebtesten Ausflugsziele im Rhein-Main-Gebiet. Das rekonstruierte Römerkastell bei Bad Homburg ist der bekannteste Abschnitt des Limes, der in der Antike die Grenze zwischen der römischen und der germanischen Welt gebildet hat. Aber bei Weitem nicht der einzige.

Allein auf hessischem Gebiet misst der Limes 153 Kilometer, an zahlreichen Stellen finden sich Reste ehemaliger Kastelle oder Wachtürme. Um das Interesse stärker auf diese bislang weniger prominenten Fundorte zu lenken, haben das Landesamt für Denkmalpflege („Hessen-Archäologie“) und der Fachbereich Medieninformatik an der Hochschule Rhein-Main eine Limes-App entwickelt.

Ziel sei es, „das Welterbe erlebbar zu machen“, sagt der Landesarchäologe Udo Recker. Das digitale Angebot richte sich ausdrücklich nicht an Spezialisten, sondern an Menschen, die bislang nicht allzuviel über die römische Antike und den 2005 zum Weltkulturerbe erklärten Limes wissen.

Es gehe darum, die Nutzer „auf der Couch abzuholen“ und zu einem Ausflug an den ehemaligen Grenzwall zu animieren, ergänzt Professor Jörg Berdux, der das Projekt an der Wiesbadener Hochschule betreut. Deshalb liefert die App nicht nur Kurzinformationen zu einzelnen Sehenswürdigkeiten, sondern auch aktuelle Wetterdaten und einen Routenplaner für die Anfahrt. Am Ziel angekommen, können die Nutzer die antiken Relikte mit Hilfe der App spielerisch erkunden. „Gamification“ nennt das Jörg Berdux.

Dazu gehören Quizfragen wie: „Gegen welche Tiere haben Gladiatoren im Amphitheater gekämpft?“, aber auch Aufgaben, wie sie ein Archäologe bei einer Ausgrabung zu erledigen hat, zum Beispiel das Freipusten einer Keramikschale.

Um diese Funktionen der App auszuführen, müsse man sich direkt am Denkmal befinden, erklärt Berdux. Wer alle Aufgaben gelöst hat, bekommt in einem Logbuch Punkte gutgeschrieben. Das funktioniere nach dem gleichen Prinzip wie das Abstempeln von Wanderkarten und solle dazu animieren, das nächste Ziel anzusteuern.

Bislang enthält die App vor allem Inhalte für den Limeserlebnispfad Hochtaunus. Weitere sollen aber bald folgen. Das App-Projekt laufe seit zwei Jahren, sagt Berdux. Rund 50 wissenschaftliche Mitarbeiter und Studierende hätten daran mitgewirkt.

Noch kann man die Limes-App mit dem Namen „Explore“ nicht aufs Smartphone laden. Bei der Apple-Version werde es aber bald so weit sein, kündigt Udo Recker an. Die entsprechende Prüfung laufe schon. Im Google-Store werde sie voraussichtlich im Sommer zur Verfügung stehen.

Der Limes

Mit einer Länge von 550 Kilometern ist der Obergermanisch-Raetische Limes das längste Bodendenkmal Europas. Er bildete zwischen dem frühen zweiten und dritten Jahrhundert nach Christus die Grenze zwischen dem Römischen Reich und den germanisch besiedelten Gebieten. 

2005 hat die Unesco den zwischen Rhein und Donau verlaufenden Grenzwall zum Weltkulturerbe ernannt. 

Der Limes verläuft durch die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz. Insgesamt umfasst er 120 größere und kleinere Kastellorte, knapp 900 Wachtürme und ein durchgehendes Band von Grenzsperren. Auf hessischem Gebiet ist er 153 Kilometer lang. 

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