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Wichtige Anlaufstelle mit unklarer Zukunft

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2014 läuft die Förderung für das Mehrgenerationenhaus in Wehrheim aus. Die Initiatoren planen die Integration in ein Seniorenwohnheim.

Von Nina Nickoll

Toni Lompa ist Wunschoma. Sie liebe Kinder, sagt sie, deshalb sei sie als Wunschoma sehr gefragt, so die 66-Jährige. Wunschomas holen Kinder vom Sport ab, wenn die Eltern im Stau stecken, oder sie kommen regelmäßig zum Babysitten. Seit 2008 macht Lompa diesen ehrenamtlichen Job im Mehrgenerationenhaus (MGH) in Wehrheim. Lompa und ihre Freundin Ingeborg Nemack sind MGH-Gastgeberinnen. „Wir machen alles, was so gefragt ist“, sagt die 62-jährige Nemack. Gefragt sind zum Beispiel die Vorbereitung des wöchentlichen Frühstücks oder des gemeinsamen Mittagessens von Kindern und Senioren. Das „Herzstück“ seien die „öffentlichen Wohnzimmer“, sagt Ohl. In Wehrheim findet es immer dienstags und freitags statt. Dort stehen neben zwei Ledersofas mit Spielecke mehrere runde Tische für den Nachhilfeunterricht, zum Basteln oder Nähen. Seit 2009 leitet Gabriele Ohl vom Diakonischen Werk Hochtaunus das MGH in Wehrheim. Nach 2014 sieht es düster aus, dann läuft ein Förderprojekt von Bund und der EU aus. Auch ohne diese finanzielle Unterstützung soll das MGH weiter existieren, das ist das Ziel. Eine Lösung wäre, das MGH in ein betreutes Wohnprojekt zu integrieren, wie es auf dem Baugrundstück Wehrheim West I entstehen soll, sagt Ohl, die auch Fraktionsvorsitzende der SPD in Wehrheim ist.

Damit dort nicht irgendein Seniorenwohnheim entsteht, das nicht den Vorstellungen der MGH-Mitglieder entspricht, hat sich 2011 die Arbeitsgruppe „Alt werden, aber wie?“ gegründet. Schon mehrmals habe sie sich mit Mitgliedern des Bau- und Verkehrsausschusses getroffen, um ihre Vorstellungen darzulegen, sagt Ohl. Wichtig sei es zu klären, was man eigentlich unter „betreutem Wohnen“ verstehe.

„Es ist noch nichts beschlossen, aber wenn auf dem Gelände ein seniorengerechtes oder betreutes Wohnen entsteht, wird auch das MGH einziehen“, sagte der stellvertretende Ausschussvorsitzenden Wolfgang Schmitz (Grüne). Rechtskräftig werde der Bebauungsplan wahrscheinlich Ende Januar. „Erst dann können wir beginnen festzulegen, wo und in welcher Größenordnung Seniorenwohnungen entstehen.“ Klar sei, dass es kein typisches Altenheim werde, sondern ein Komplex für Pflegebedürftige und einer mit barrierefreien Seniorenwohnungen entstehen sollen.

Das MGH in Wehrheim gibt es seit 2008. Damals hat sich die Gemeinde um die Förderung durch das Familienministerium und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) beworben. Die Trägerschaft hat die Diakonie auf Wunsch der Gemeinde übernommen. Pro Landkreis wird nur ein MGH gefördert. Vertreter aller 28 hessischen Einrichtungen treffen sich vierteljährlich, um aktuelle Themen wie die Pflege im Alter zu beraten. Dort sei auch angesprochen worden, dass das Programm nach 2014 wahrscheinlich nicht fortgesetzt werde, so Ohl.

Vom ESF gefördert wird, wer die vier Schwerpunkte Alter und Pflege, Integration und Bildung, Angebot und Vermittlung haushaltsnaher Dienstleistungen und Freiwilliges Engagement umsetzen kann. Wehrheim legt den Fokus auf Integration und Bildung: „Darum wäre es schade. Wir helfen hier Familien, Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen.“ Sie hätten bei der kurzfristigen Kinderbetreuung eine Nische besetzt und seien eine wichtige Anlaufstelle geworden.

„Viele Ältere sagen, dass sie in Einheiten mit Rückzugsorten leben wollen, wo es aber auch Gemeinschafts- und Kulturangebote gibt und Familien leben“, sagt Stefanie Limberg, stellvertretende Leiterin der Diakonie. Wunschoma Lompa und ihre Freundin Nemack könnten sich gut vorstellen, nach Wehrheim West I zu ziehen. Lompa sagt: „Davon, dass alle unter einem Dach wohnen, habe ich schon immer geträumt.“

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