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Wibus-Lenker bekommen mehr Lohn

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Verdi schließt für Wiesbadener Fahrer Tarifvertrag ab / Mehrheit ist in Konkurrenzgewerkschaft

Von Mirjam Ulrich

Vom 1. Januar an erhalten die Wibus-Fahrer höhere Jahresprämien sowie eine Zulage, wenn sie länger als acht Stunden am Tag fahren. Darauf haben sich der Arbeitgeberverband und die Gewerkschaft Verdi geeinigt. „Die Löhne steigen um mehr als zehn Prozent, wenn man den neuen Abschluss mit den bisherigen tariflichen Leistungen vergleicht“, sagt Konzerngeschäftsführer Rainer Schäfer. Für Wibus erhöhten sich die Lohnkosten um sechs Prozent, da das Unternehmen bisher schon übertarifliche Leistungen gezahlt habe, die nun teilweise tarifvertraglich geregelt seien.

Der firmenbezogene Verbandstarifvertrag schreibt die bislang geleisteten ergebnisabhängigen Jahressonderzahlungen verbindlich fest. Demnach erhalten die Mitarbeiter künftig, je nach Betriebszugehörigkeit, jährliche Sonderzahlungen zwischen 1000 und 1600 Euro brutto. Diese werden auf 2000 Euro steigen.

Nächstes Jahr Streik möglich

Außerdem gibt es eine betriebsbezogene Wibus-Zulage von 8,18 Euro pro Tag, wenn die Busfahrer länger als acht Stunden im Dienst sind. Bei kürzeren Schichten zahlt Wibus nur die Hälfte, nämlich 4,09 Euro. Geschäftsführer Dirk Stein hofft, dass Wibus durch den verbesserten Tarifvertrag attraktiver für neue Busfahrer werde. „Zusammen mit einer deutlichen Entspannung beim Dienstplan durch kürzere Dienste werden wichtige Anliegen der Belegschaft berücksichtigt.“

Dies sieht der Betriebsratsvorsitzende jedoch anders. „Das wurde hinter unserem Rücken durchgezogen, mit uns wurde nicht gesprochen“, sagt Cemal Zor. Die vereinbarten Zulagen nennt er „für die Arbeitsbedingungen nicht gerecht.“ Wegen der Personalknappheit aufgrund von Kündigungen und Krankmeldungen mussten die Busfahrer seit Herbst etliche Überstunden leisten.

Cemal Zor ist Mitglied der Gewerkschaft der Lokführer (GdL), der nach Angaben des stellvertretenden Bezirksvorsitzenden Michael Krienke inzwischen mehr als 70 Prozent der 250 Wibus-Fahrer angehören. „Und es werden täglich mehr“, sagt Krienke. Ihm zufolge sind bei Verdi nur noch rund ein Dutzend Wibus-Fahrer organisiert. Die GdL habe ihren Mitgliedern mitgeteilt, dass die Tarifverhandlungen mit Verdi für sie nicht von Bedeutung seien.

Im Januar werde die GdL ihre Tarifforderungen bezüglich Entgelt, Arbeitszeit und Zulagen übergeben und die Verhandlungen mit dem DBB Beamtenbund und Tarifunion führen. „Falls das nicht gewünscht ist, werden wir unsere Tarifmächtigkeit unter Beweis stellen – notfalls im Erzwingungsstreik, was wir natürlich nicht anstreben.“

Verkehrsdezernentin Sigrid Möricke (SPD) hofft derweil, dass es trotz der kommenden Tarifauseinandersetzungen zur Entgeltfrage möglich sein werde, „den Bürgern ein vernünftiges Verkehrsangebot zu machen.“

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