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Werben um Fachkräfte

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Von: Olaf Velte

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Auf die Zukunft gerichtet: Studierende und Arbeitgeber im Messegespräch.
Auf die Zukunft gerichtet: Studierende und Arbeitgeber im Messegespräch. © Monika Müller

Der sozialpädagogische Nachwuchs steht im Mittelpunkt einer Messe an der Ketteler-La Roche-Schule in Oberursel.

„Schnürsenkelakrobaten willkommen“ ist eine Botschaft, die voller Rätsel ist, aber durchaus verheißungsvoll klingt. Als Hinweis auf die eigenen Krabbelstuben hat die Diakonie Frankfurt den Slogan auf ein Werbebanner drucken lassen und in den Altenhöferweg von Oberursel mitgebracht.

Als einer von zehn regionalen Trägern im Kinder- und Jugendhilfesektor präsentiert sich der Wohlfahrtsverband auf einer Messe, die erstmals in den Räumlichkeiten der Oberurseler Ketteler-La Roche-Schule veranstaltet wird. Um den 375 weiblichen und männlichen Studierenden ihre Konzepte und Qualitäten nahezubringen, waren gestern auch Caritasverband, Kita Frankfurt, ASB Lehrerkooperative, AWO, Bistum Limburg, Sozialpädagogischer Verein, Terminal for kids, BVZ und VzF Taunus gekommen. Eine Palette freier, kommunaler und kirchlicher Institutionen – allesamt Ausbildungsbetriebe und Arbeitgeber im sozialen Berufsfeld.

Ketteler-Dozentin Yvonne Leisen hat die „Trägermesse“ gemeinsam mit ihren Auszubildenden vorbereitet, betont die „zunehmende Bedeutung von praktischer Erfahrung und guter Vernetzung“. Praktika in entsprechenden Häusern seien eine wesentliche Voraussetzung, um am Ende der Ausbildung als staatlich anerkannte Erzieherin oder Sozialassistentin arbeiten zu können. „Die kommende Neufassung der Ausbildungsverordnung wird die beiden Lernorte Schule und Betrieb noch stärker aneinanderkoppeln“, sagt dazu Schulleiterin Ute Villmeter. Für sie ist die lebhaft frequentierte Messe eine „Win-win-Situation“, eine Gelegenheit zum Vergleichen und Abwägen. „Unsere Studierenden sollen viel kennenlernen, bevor sie sich festlegen.“ Nicht verwunderlich, dass sich die zehn Aussteller mit professioneller Geste in Szene setzen, via Bildschirm, Banner und Broschüre um künftiges Personal werben. Auch süßes Gebäck und bereitgestellte Getränke tun dabei ihren verlockenden Dienst.

Wenig genascht, dafür mehr gefragt wird beispielsweise am Stand von Kita, dem Eigenbetrieb der Stadt Frankfurt. Dass die ausliegende „Entgelttabelle“ dabei oft abfotografiert wird und höchste Aufmerksamkeit beansprucht, ist nur allzu verständlich. Nebenan verweist die heimische Sankt-Ursula-Kirchengemeinde auf die rund 80 katholisch geführten Kindertagesstätten im Ballungsraum. „Hier können die Auszubildenden einen ersten Eindruck von möglichen Arbeitsstätten bekommen“, so Sabine Münzberg, die für die Fraport-Tochter Terminal for kids im Einsatz ist.

Gerade im Rhein-Main-Gebiet fehlen Fachkräfte im sozialpädagogischen Bereich – was laut Ute Villmeter „auch auf längere Sicht so bleiben wird“. Die Realschulklientel sei weggebrochen und könne durch Quereinsteiger nicht komplett ersetzt werden. Aufgrund des steigenden Bedarfs an Ganztagsbetreuung, so die Schulleiterin, werde sich der Mangel noch verschärfen. „Ein Thema, das brennt.“ Der „dialogische Prozess“ manifestiert sich während des Oberurseler Messevormittags in einer Atmosphäre gelassener Aufmerksamkeit. Keine Frage wird da umsonst gestellt, keine Minute vergeudet. „Es geht“, so Villmeter, „um das Thema: Was passt zu mir?“ Gut vorbereitet will also sein, was in einem verantwortungsvollen Beruf mündet.

Ob die „Trägermesse“ eine Fortsetzung findet, entscheiden die Studenten der Ketteler-La Roche-Schule. Um Rückmeldung wird gebeten: rätselhaft oder verheißungsvoll?

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