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Die zwei von der Messstelle: Frank Grießbaum (links) und Stefan Wagner.

Landwirte in Bad Homburg

Weniger Dünger dank Hightech

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Der Klimawandel hat Folgen für die Landwirtschaft. Um auf extreme Wetterlagen reagieren zu können, arbeitet der Bad Homburger Landwirt Stefan Wagner mit einer internationalen Messtechnikfirma zusammen.

In diesen Tagen beginnt Stefan Wagner mit der Weizenernte. Die langanhaltende Trockenheit macht auch dem Betreiber des Bad Homburger Kronenhofs zu schaffen; mit 10 bis 20 Prozent weniger Ertrag gegenüber einem Durchschnittsjahr rechnet er. „Wir müssen uns immer mehr auf Extremsituationen einstellen“, erwartet der Agrarbetriebswirt. 

Der Klimawandel hat auch den Vordertaunus erreicht. Und da helfen die alten Bauernregeln nicht mehr weiter. Stattdessen setzt der Kronenhof-Betreiber auf Hightech wie die Ökosystemmessstation Agroflux, die er vor kurzem gemeinsam mit dem Unternehmen LI-COR Biosciences am Rand seines Weizenfeldes aufgestellt hat. 

„Wir messen die Aufnahme von Kohlendioxid sowie die Abgabe von Wasserdampf“, sagt Projektleiter Frank Grießbaum. Das Gerät arbeite mit Ultraschall und könne so den Pflanzen auf der gesamten elf Hektar großen Ackerfläche sprichwörtlich beim Atmen zusehen. 

Seit zwei Monaten steht die Messstation nun am Weizenfeld hinter dem Kronenhof und sendet alle halbe Stunde neue Daten.  „So können wir von der ganzen Welt aus sehen, was in Bad Homburg auf dem Acker los ist“, schildert Grießbaum. Zum Beispiel, dass die Pflanzen bis dato insgesamt 25 Tonnen Kohlendioxid durch Photosynthese verarbeitet haben. 

Für Stefan Wagner ist besonders wichtig, dass Agroflux genau berechnen kann, an welcher Stelle wie viel Wasser verdampft und Kohlendioxid verbraucht wird. Denn das zeigt ihm an, wo die Pflanzen besonders gut wachsen und wo nicht.

Optisch sehe so ein Weizenfeld zwar völlig gleichmäßig aus, so Wagner. Doch in Wirklichkeit gebe es große Unterschiede. Was in der Praxis vor allem für den Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln wichtig sei. Durch die Daten der Messstation könne er ressourcenschonender agieren und verhindern, dass der Boden überdüngt werde, sagt der Landwirt. Gleichzeitig spare er so natürlich auch Geld.

Stefan Wagner hat auch bislang schon reichlich Hightech auf dem Acker eingesetzt. „Ich bin ein Technikfetischist“, sagt er über sich selbst. So ist sein Traktor mit einem Bordcomputer ausgestattet und der Mähdrescher erntet nicht nur das Getreide, sondern erfasst auch im Sekundentakt den Ertrag. 

Die Zusammenarbeit mit LI-COR Biosciences, das sich selbst als Weltmarktführer in der Entwicklung von Ökosystemmesstechnik bezeichnet, verdankt sich einem Zufall. Ein LI-COR-Mitarbeiter habe auf dem Feld am Kronenhof Lichtsensoren kalibriert. Dabei sei man ins Gespräch gekommen. Und später sei dann die Idee entstanden, die neu entwickelte Agroflux-Station bei ihm zu testen, schildert Wagner. 

Eine Kooperation, die auch die Stadt erfreut. „Super, dass auf diese Weise zwei Unternehmen zusammengefunden haben, die auf den ersten Blick nicht viel miteinander verbindet“, sagt der Leiter der Wirtschaftsförderung, Stefan Wolf. Auf der einen Seite der Local Player Kronenhof, auf der anderen das international tätige Unternehmen mit Hauptsitz im US-amerikanischen Lincoln. Seit 18 Jahren hat LI-COR Biosciences eine Niederlassung in Bad Homburg, aktuell arbeiten in der Kurstadt 37 Mitarbeiter. 

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