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Welchen Nutzen hat der Hessentag?

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Heinz Renner
Heinz Renner © Privat

Der Oberurseler Unternehmensberater Heinz Renner stimmt nicht in die Hymnen der politisch Verantwortlichen auf den Hessentag ein. Er stellt lieber Fragen. Zum Beispiel die, was die Menschen in der Brunnenstadt konkret von dem Event haben.

Beim Informationsabend zum Hessentag stellte Bürgermeister Hans-Georg Brum im Dezember fest, dass der Beschluss zu dessen Durchführung schon vor einigen Jahren getroffen wurde. Korrekt: Von den Mitgliedern des 45-köpfigen Stadtparlaments – nicht aber von den Bürgern.

Vielleicht konnten die Stadtverordneten die finanziellen Auswirkungen für die Stadt damals nicht übersehen. Jetzt ist schon zu hören, dass Gelder zur Einrichtung von Kindergartengruppen nicht zur Verfügung stehen. Der Hallenbad-Neubau ist vom Verkauf weiterer Grundstücke abhängig. Was ist im Falle der Verschlechterung der finanziellen Rahmenbedingungen? Wird dann der Neubau ganz gestrichen? Denn die Höhe des städtischen Zuschusses steht erst nach dem Hessentag fest.

Wurde Anfang 2008 noch öffentlich ein Zuschuss von 1,5 Millionen Euro diskutiert, so geht man derzeit bei kalkulierten Gesamtaufwendungen von 9,7 Millionen von einem Defizit von drei Millionen Euro aus. Was ist, wenn der städtische Zuschuss für den Hessentag – aus welchen Gründen auch immer – höher als geplant ausfällt? Schon jetzt stellt sich die Frage, ob Oberursel nach dem Hessentag finanziell noch handlungsfähig ist. Ist der erwartete Verlust in Höhe von drei Millionen Euro mit Blick auf die Zahlen von Stadtallendorf realistisch? Stadtallendorf konnte 1,08 Millionen Hessentags-Besucher begrüßen und hat einen Zuschuss in Höhe von 5,4 Millionen Euro für den Hessentag 2010 eingeplant. In Langenselbold ergab sich 2009 ein Defizit von 3,6 Millionen Euro, in Butzbach betrug 2007 das Defizit 3,8 Millionen Euro bei 1,1 Millionen Besuchern.

Der bevorstehende Kommunalwahlkampf liefert bis zur Wahl am 27. März den Parteien und den Kandidaten noch vielfältige Möglichkeiten, die finanziellen Auswirkungen des Hessentages – unter anderem für soziale Einrichtungen, Kindergärten, Vereine darzustellen und auch auf folgende Fragen einzugehen:

– Welcher nachhaltige Nutzen ergibt sich für Oberursel jenseits des zehn Tage dauernden Hessentages?

– Wie will die Stadt neue und nachhaltige Einnahmequellen erschließen?

– Wie will sich die Stadt national und international als attraktiver Standort ins Gespräch bringen?

– Durch welche Wirtschaftsförderungsaktivitäten sollen Unternehmen welcher Branchen gewonnen werden?

Kurz: Welche Visionen, Ziele und Strategien sind Leitlinie für die Entwicklung der Stadt jenseits des Hessentages?

Hinsichtlich des Arguments, dass dem Defizit eine Optimierung der städtischen Infrastruktur gegenüberstehe, warten ebenso wie ich sicherlich viele Bürger auf nachvollziehbare und mit Daten unterlegte Erläuterungen.

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