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Exakt 15.885 gültige Unterschriften hat die Initiative "Heimatboden" gesammelt.

Oberursel

Weißkirchen soll kein gallisches Dorf werden

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Mehr als 16.000 Menschen beteiligen sich an einer Online-Petition. Die Initiatoren setzen auf Vernetzung in der Region.

Eine Besucherin hatte sogar ein Asterix-Heft dabei. Wie im berühmten gallischen Dorf fühlen sich denn auch manche Bewohner des Oberurseler Stadtteils Weißkirchen. An vielen Zäunen finden sich Transparente mit der Aufschrift „Stoppt das Bauvorhaben der Stadt Frankfurt“ – und im Saal eines Gasthauses feierte am Dienstagabend die Initiative „Heimatboden“ den Abschluss ihrer Unterschriftenaktion gegen die Pläne der benachbarten Großstadt Frankfurt für einen neuen Stadtteil, der bis dicht an die Weißkirchener Ortsgrenze heranrücken soll. 

Exakt 16.595 Menschen hatten auf der Online-Plattform „Open Petition“ das Anliegen der Initiative unter dem Motto „Feld statt Beton“ unterstützt, 15.885 Unterschriften wurden als gültig anerkannt. Damit habe man das Quorum der Plattform für eine gültige Online-Petition geschafft, freute sich Uta Vetter, eine der Sprecherinnen der Initiative. 

Die Form der Online-Petition habe die Initiative gewählt, weil sie das Vorgehen der Stadt Frankfurt für „zutiefst undemokratisch und unsozial“ halte, heißt es in einer Stellungnahme. Die betroffenen Bürger und Anwohner in den Nachbarkommunen würden von der Entscheidung über den neuen Stadtteil ausgeschlossen. Sie könnten in Frankfurt weder wählen noch einen Bürgerentscheid dagegen anstrengen. Lediglich in der Regionalversammlung könnten Vertreter der betroffenen Kommunen über die Entwicklung des neuen Stadtteils mitreden. Das sei aber „keine Teilhabe oder Vertretung der Bürgerinteressen“. Die Petition werde nun an den Landtag geschickt. Gerne würden die Initiatoren die Unterschriften auch persönlich übergeben. „Wir bemühen uns um einen Termin“, sagte Co-Sprecher Karl Josef Rühl – am liebsten mit Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). 

Bei dem insgesamt 550 Hektar großen „Untersuchungsgebiet“ für den neuen Stadtteil zwischen Praunheim, Niederursel, der Nordweststadt und dem Riedberg im Osten sowie Steinbach und Oberursel im Westen handele es sich um wertvolle landwirtschaftliche Flächen und ein Naherholungsgebiet, so Rühl. Es müsse im Sinne des Klimaschutzes und einer regionalen Nahrungsversorgung erhalten bleiben. Hoffnung, dass hier ein Umdenken stattfinde, machten ihm die aktuellen Schülerstreiks für den globalen Klimaschutz. 

Die Initiative sei auch nicht komplett gegen neue Bauvorhaben. Doch müsse dabei die gesamte Region eingebunden werden. Zudem sei die Politik aufgefordert, die ländlichen Gegenden zu stärken, wo es zunehmend Leerstand gebe. Nötig seien etwa der Ausbau von öffentlichen Verkehrsmitteln und ein leistungsstarkes Internetangebot.

Mit der Unterschriftenaktion sei nun ein „Fundament“ geschaffen, auf dem man weiterarbeiten könne. Ziel sei die bessere Vernetzung mit anderen Initiativen, auch aus Frankfurt, im „Aktionsbündnis Graswurzeln“. Immerhin stammten laut einer Auswertung von „Open Petition“ 4215 der Unterschriften von Frankfurter Bürgern.

Dass manche sie wegen ihres Namens „Heimatboden“ in die rechte politische Ecke stecken wollen, können die Mitglieder der Bürgerinitiative nicht nachvollziehen. Die Bezeichnung habe man einer Initiative aus München entlehnt, hatten sie schon kurz nach der Gründung im Gespräch mit der FR erklärt. 

Am Dienstagabend waren denn auch Politiker verschiedener Parteien von der CDU bis zu den Grünen vertreten – darunter alle drei Bürgermeisterkandidaten aus Steinbach. Besonders großes Lob erhielten der Vorsitzende der Hochtaunus-CDU, Jürgen Banzer, der im letzten Jahr einen Sternmarsch gegen den neuen Stadtteil organisiert hatte, und der ehemalige Bürgermeister von Steinbach, Stefan Naas (FDP). Beide gehören dem neuen Landtag an – und können sich nun als Abgeordnete mit der Petition befassen.

Stadtteil-Pläne

Einen neuen Stadtteil mit Wohnungen für 25.000 bis 30.000 Menschen möchte die Römerkoalition auf einem 550 Hektar großen Areal zwischen den nordwestlichen Frankfurter Stadtteilen und den Vordertaunus-Kommunen Oberursel, Steinbach und Eschborn errichten. Dazu hat das Frankfurter Parlament bereits Ende 2017 vorbereitende Untersuchungen auf den Weg gebracht. 

Planerisch gelten große Teile des Geländes bisher als Vorranggebiet für die Landwirtschaft, als regionaler Grünzug und als Vorbehaltsgebiet für besondere Klimafunktionen. Durch das Areal führt nicht nur die Autobahn 5, die achtspurig ausgebaut werden soll, sondern auch Hochspannungsleitungen.

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