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Die Weisheit des Alters

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Von: Götz Nawroth-Rapp

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Bürgermeister Brum (links) mit Christoph Müllerleile, der bisher erster Bürger war.
Bürgermeister Brum (links) mit Christoph Müllerleile, der bisher erster Bürger war. © Michael Schick

Bei der konstituierenden Sitzung der Stadtverordneten sind am Donnerstag einige Personalfragen zu klären. Auf einen Auftritt kann man sich freuen: wenn Wolfgang Pristaff das Wort ergreift. Der 79-Jährige ist das älteste Parlamentsmitglied in der neuen Wahlzeit.

Wenn am morgigen Donnerstag das Stadtparlament zu seiner konstituierenden Sitzung zusammentritt, dann sind wie stets bei solchen Anlässen in erster Linie Personalfragen zu klären. Gerd Krämer will sich zum „ersten Bürger“ wählen lassen, also zum Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung. Auch Stadtkämmerer Thorsten Schorr, wie Krämer in der CDU, hat absehbar eine Wahl vor sich. Als hauptamtlicher Stadtrat soll Schorr für sechs weitere Jahre im Amt bestätigt werden. Das beantragt die neue Koalition aus Union und SPD. Und auch der Zuschnitt der Ausschüsse soll angepasst werden.

Bevor das alles aber geschieht, hat Wolfgang Pristaff das Wort. Als „das an Jahren älteste Mitglied der Stadtverordnetenversammlung“, so der Wortlaut der Tagesordnung, wird Pristaff die Wahl des neuen Vorsitzenden des Parlaments leiten. Und er hat die Möglichkeit, das Wort an die Versammlung zu richten, ohne eine Redezeitbegrenzung. Pristaff, der im Februar 79 Jahre alt wurde, hält sich noch offen, was das Thema seines Vortrags sein wird. Als ihm die Ehre zu Beginn der abgelaufenen Wahlzeit schon einmal zuteil wurde, sprach er über das Thema „Alter“. Er hat seine eigenen Vorstellungen vom letzten Lebensdrittel, das wird im Gespräch mit ihm schnell klar.

Eines glaubt er nicht: Dass es junge Menschen heute leichter hätten als früher. Das Konkurrenzdenken unter Kollegen sei groß. „Der Stress im Berufsleben ist heute größer als bei uns damals. Tinnitus und Burnout – das gab es bei uns nicht.“ Auch mit Blick auf seine beiden Töchter sagt Pristaff, dass der eigenen Altersvorsorge heute eine viel größere Rolle zukomme als früher. Da habe noch der Staat alles besorgt.

Im politischen Oberursel kennt Pristaff sich bestens aus. 1980 trat er in die Oberurseler Bürgergemeinschaft ein, ein Freund hatte den Prüfingenieur und Kfz-Sachverständigen damals dazu gebracht. Er war 22 Jahre lang Stadtverordneter, saß dann ab 2002 im ehrenamtlichen Magistrat. Daher sei er „zum Stillschweigen verurteilt“, könne aber sagen, dass im Magistrat sachlich gearbeitet werde.

Aufregen kann sich Pristaff aber, wenn es ums Hallenbad geht. Die OBG war schon immer gegen das neue Bad, und nach Meinung des Stadtältesten ist es auch viel zu groß. „Oberursel braucht ein Schwimmbad, aber eine Nummer kleiner hätte es auch getan“, ist er sich sicher. Das zeigten die jährlichen Betriebskosten von etwa 800 000 Euro.

Ganz und gar nicht amüsiert hat es ihn, zu erfahren, dass nun auch das Dach im Bad Undichtigkeiten aufweist. Fachleute untersuchen das Leck, sie sollen ermitteln, wer für den Schaden an dem im Dezember 2014 eröffneten Hallenbad verantwortlich zu machen ist.

Ein Fehler war es nach seinem Dafürhalten auch, die Stränge von U- und S-Bahn nicht direkt aneinander zu legen, als man die Gelegenheit hatte. Nun muss man zum Umstieg eben laufen. Aber gut, „Schnee von gestern“ sei das inzwischen. Er überlege sich, in absehbarer Zeit Platz zu machen für Jüngere, so Pristaff. Er werde ja immerhin bald 80. Doch auf seine Rede freuen sich viele in der Stadtpolitik.

Am morgigen Donnerstag, 28. April, beginnt die konstituierende Sitzung des Stadtparlaments um 19.30 Uhr im Rathaus in Oberursel.

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