Weilrod

Szenen einer Horrorehe

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Prozessbeginn vor dem Frankfurter Landgericht gegen einen Mann, der seine Frau vor den Augen der Kinder halbtot schlug.

Seit Mittwoch muss sich der 27 Jahre alte Patrick S. wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Beleidigung vor dem Frankfurter Landgericht verantworten. Der erste Verhandlungstag brachte nicht viel mehr als die Verlesung der Anklage – die allerdings präsentierte Einblicke in eine Horrorbeziehung.

Offenbar war die Ehe zwischen S. und seiner 30 Jahre alten Frau eine Aneinanderreihung häuslicher Gewalt. Zwei Körperverletzungen sind mitangeklagt – bei einer davon prügelte S. auf seine Frau ein, die den gemeinsamen, ein Jahr alten Sohn auf dem Arm hielt, der dadurch einen Teil der Prügel abbekam.

Schon mehrfach war die Frau in Krankenhäusern behandelt worden und hatte stets Unfälle als Ursache ihrer Verletzungen angegeben.

Am 8. Januar dieses Jahres eskalierte laut Anklage die Situation in dem Einfamilienhaus in Weilrod. Patrick S., am Nachmittag schon betrunken, entdeckte auf dem Handy seiner Frau, dass diese – wohl aus guten Gründen - eine Beziehung mit einem anderen Mann hatte. Außer sich vor Wut verprügelte er sie und verließ dann das Haus, um sich weiter zu betrinken.

Als er am Abend telefonisch seine Rückkehr ankündigte, ließ seine Frau aus Angst sämtliche Rollläden herunter und wählte den Notruf. S. ließ sich nicht stoppen, drückte einen Rollladen nach oben, zertrümmerte die Scheibe und stürzte sich auf seine Frau. Er schlug sie zu Boden, setzte sich auf die knapp 50 Kilo schwere und ihm hoffnungslos unterlegene Frau, schlug auf ihr Gesicht ein, würgte sie und beschimpfte sie als „kleine Nutte“. Die drei elf, neun und drei Jahre alten Töchter mussten zusehen, der einjährige Sohn schlief in einem anderen Zimmer. Auch die Elfjährige rief jetzt die Polizei an.

Zuerst erschienen allerdings Sanitäter am Tatort, die von S. ebenfalls attackiert wurden. Noch während sie versuchten, ihn von seiner Frau zu trennen, spuckte er dieser mehrmals ins Gesicht und nahm ihr Handy an sich. Beim Eintreffen der Polizei flüchtete er zunächst. Ehe er festgenommen werden konnte, bedachte er den Freund seiner Frau mit deren Handy per SMS mit etlichen Kraftausdrücken.

Die Frau erlitt mehrere Knochenbrüche im Gesicht sowie eine lebensgefährliche Lungenquetschung und musste zwei Wochen lang in einer Klinik verarztet werden.

Mittlerweile ist die Ehe geschieden, die Frau tritt in dem Prozess als Nebenklägerin auf. Die 22. Große Strafkammer hat bislang fünf Verhandlungstage bis Ende Oktober terminiert.

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