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Weihnachtsmann im Januar

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Ohne die  ehrenamtlichen  Helferinnen gäbe es die Tafel wohl kaum.
Ohne die ehrenamtlichen Helferinnen gäbe es die Tafel wohl kaum. © Michael Schick

Die Tafeln versorgen inzwischen mehr als 1000 Menschen im Hochtaunuskreis mit Lebensmitteln. Erschreckend: Unter den "Kunden" sind immer mehr Kinder.

Von Martina Propson-Hauck

Eigentlich wollte Petra Fuhrmann gerne einen Tag lang bei der Bad Homburger Tafel mitanpacken. Gemüse putzen, Schlechtes aussortieren, möglichst viel Obst in die Körbe von Familien mit Kindern packen, dem Diabetiker das einzige Vollkornbrot in seine Kiste legen und hinterher auch wieder saubermachen. Doch dazu hätte sich die Friedrichsdorfer Landtagsabgeordnete der SPD erst einer mehrstündigen Überprüfung beim Gesundheitsamt stellen müssen.

So viel Zeit hat eine Abgeordnete dann offenbar doch nicht. Deshalb begnügte sie sich gestern damit, sich für die Arbeit von zehn Frauen, die ehrenamtlich in der Donnerstagsschicht der Tafel arbeiten, mit Blumen und Pralinen zu bedanken. Die packen einmal pro Woche von 9 bis 14 Uhr rund 50 Körbe voll mit Rosenkohl, Brokkoli, Fenchel, Orangen, Bananen, Brot, Salat, Joghurt, Käse und Margarine und was die Lebensmittelspenden der Supermärkte sonst noch hergeben.

635 Menschen werden in Bad Homburg mit Lebensmitteln der Tafel versorgt, darunter sind allein 159 Kinder unter 15 Jahren. „Der Anteil der Kinder wächst ständig“, sagt Michael Hibler vom Diakonischen Werk.

Die Lebensmittelausgabe funktioniert nach striktem Zeitplan. Familie A. muss ihren Warenkorb dienstags um 14.15 Uhr abholen, Rentner B. donnerstags um 14.30 Uhr. Jeder darf nur alle zwei Wochen einmal kommen, das hat sich seit Eröffnung der Tafel im Oktober 2007 geändert. „Wir müssen sehen, dass alles gerecht verteilt wird“, sagt die ehrenamtliche Helferin Erika Jakob, die von Anfang an dabei ist und auch noch bei den grünen Damen im Krankenhaus mitarbeitet. „Man bekommt ja auch etwas zurück“, erklärt sie ihre Motivation zur ehrenamtlichen Arbeit.

Gestern war für einige Familien der letzte Termin vor Weihnachten, um sich bei der Tafel eindecken zu können. „Wir haben in diesem Jahr gar keine Schoko-Nikoläuse“, sagt eine der Helferinnen bedauernd. Denn erst nach Weihnachten mustern die Lebensmittelmärkte all die Lebkuchen und Weihnachtsnaschereien aus. Wo sich wohlstandsgesättigte Menschen bereits im November an Weihnachtsgebäck fast sattgegessen haben, rollt das Festtagsgebäck erst nach den Feiertagen auf die Gabentische der Armen.

„Wir packen für die Kinder aber auch noch Weihnachtspäckchen“, erläutert Hibler. Die Lebensmittelspenden der Märkte, so erläutert er, flössen auch weiterhin großzügig. Aber für den Strom und das Benzin der Transportautos braucht die Tafel auch finanzielle Unterstützung. Die Kinder der Erlöserkirchen-Kita haben etwa 275 Euro gesammelt für die Tafel. Neben der Lebensmittelausgabe in der Wallstraße gibt es noch Zweigstellen in Oberursel, Neu-Anspach und Königstein. Insgesamt werden im Hochtaunuskreis 1055 Menschen versorgt.

Die Hilfe in Anspruch nehmen können Arbeitslose und Sozialhilfebezieher sowie alle, die nur über ein geringes Einkommen oder geringe Rente verfügen. Vorher muss man sich allerdings registrieren lassen.

Infos unter Telefon 06172/308803; Spendenkonto: Taunus Sparkasse, Konto 1092766, Bankleitzahl 51250000; Verwendungszweck „Tafeln“.

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