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Viel zu tun hat in diesen Tagen Felix Bank. Geschäftsführer der Firma holzpost.

Grußkarten aus Friedrichsdorf

Duftende Holzpost zu Weihnachten

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Eine kleine Firma aus Friedrichsdorf überrascht den Einzelhandel mit hölzernen Grußkarten. Die Kreativen entwickeln Hunderte von Motiven.

Eine Frage, die sich in diesen Tagen tatsächlich stellt: „Wer ist eigentlich dieser Lars Krismes, von dem ständig alle singen?“ Formuliert wird das Rätsel auf einer adventlichen Grußkarte aus dünnem Kirschholzfurnier, die in einen Umschlag gesteckt, frankiert und auf die Reise geschickt werden kann.

Der geheimnisvolle Herr Krismes ist eines von zirka 50 Weihnachtsmotiven aus dem Hause Holzpost in Friedrichsdorf. Das Team aus sechs Kreativen arbeitet am Rande von Taunuswald und Taunusbahntrasse in zwei Büroräumen - und die Idee ist in einer schwedischen Sommeridylle entstanden. Während einer langen Nacht am See sinnt Felix Bank über Postkarte und Porto, greift nach herumliegenden Kiefernbrettchen und fügt im Kopf beides zusammen. Dass die hölzernen Sendboten schließlich Jubelarien bei den Empfängern auslösen, ist endgültige Bestätigung. „So etwas gab es deutschlandweit nicht“, sagt der Gründer mit Blick auf die Anfangsphase seiner Firma. „Unsere Chance.“

Während sich ein mitgründender Freund nach einem dreiviertel Jahr aus dem jungen Unternehmen zurückzieht, kündigt Bank seinen Job, wechselt von der Elektronik- in die Geschenkartikel-Branche. „Der Aufbau des Vertriebsnetzes war die größte Herausforderung.“ 

Zum „Meilenstein“ wird eine Frankfurter Händlermesse, bei der die erste Holzpost-Kollektion vorgestellt wird. Heute ist das aus einem Dutzend Produktlinien bestehende Portfolio vornehmlich in Kaufhäusern, Buchhandlungen, Museumsshops, Geschenk- und Floristikläden zu finden. Beliefert werden zudem einzelne Kunden im weltweiten Ausland, auch Firmen und Privatleute. Unlängst wurde für den Karlsruher SC eine individuelle Kreation gestaltet – im Shop von Eintracht Frankfurt gehören selbstklebende Holzpost-Sticker mit Adlermotiv zum Bestand.
„Rohstoffe aus nachhaltig agierender Forstwirtschaft und kurze Wege“ wurden für den gebürtigen Friedrichsdorfer zu selbstauferlegten Forderungen.

Das verarbeitete Sperrholz- und Furnier-Arsenal stammt aus deutschen Wäldern, wird vor den Toren Nürnbergs zugeschnitten und via Lasertechnik graviert. Angefangen, so der 40-Jährige, habe alles mit der Postkarte. 20 Gramm bringt das nach Holz duftende Einzelstück auf die Waage und ist bei einer Größe von 14 mal 9 Zentimetern mittels 85 Cent-Briefmarke versandfertig. „Mit Kugelschreiber oder Bleistift ist es problemlos zu beschriften.“ Neben dem ungewöhnlichen Material besticht auch der Gedanke an eine Rückkehr fast vergessener Kunstfertigkeit: „In Zeiten von Facebook und E-Mail möchten wir auch zu handschriftlich verfertigten Grüßen animieren.“

Zu den Post- und Glückwunschkarten sind mittlerweile auch Wandbilder, Lesezeichen oder Mousepads dazugekommen – ein fein gemasertes natürliches Potpourri aus Buche, Eiche, Birn-, Kirsch- und Nussbaum. Verkaufsschlager seien aktuell Flaschenetiketten und geölte Untersetzer aus Eichenholz. 

Die Motive – 400 verschiedene alleine bei der Kartenauswahl – wechseln im halbjährlichen Rhythmus, die Suche nach Sprüchen und Themen ist eine immerwährende. Sein Anspruch, so Felix Bank, sei das Besondere, das, was es auf dem Markt noch nicht gebe. Damit ist der Naturliebhaber bislang gut gefahren – auch ohne die in der „Höhle der Löwen“ erwirkte Investorenunterstützung. „Wir hätten im Discount platziert werden sollen.“ Doch die Holzpost will sich in Ruhe entwickeln, überschaubar bleiben. „Den 2016er Umsatz von rund 450.000 Euro konnten wir zuletzt steigern“, sagt Bank 

Doch wer möchte schon übers schnöde Geld reden, wenn das Fest der Liebe naht? Diesmal also kein Anker, kein Hanfblatt, vielmehr Tanne und Stern, Hirsch und Elch. Dünn ist das Holzblatt, farbenfroh der Umschlag. Nebeneffekte inbegriffen. Da lässt sich der adventliche Nadelbaum mit Fingerdruck vom Untergrund lösen und als Aufsteller verwenden. Und die zunächst flache Elchgestalt kann im Handumdrehen in ein schmückendes Weihnachtsbaumelement verwandelt werden. Nur dieser mysteriöse Lars Krismes lässt sich irgendwie nirgends zuordnen. 

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