1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Hochtaunus
  4. Wehrheim

Missbrauchsfall nach zehn Jahren verhandelt

Erstellt:

Kommentare

Lebensgefährte der Mutter soll Mädchen sexuell belästigt haben

Wehrheim - Es ist schon zehn Jahre her, als ein Mann dem Kind seiner Lebensgefährtin bei einem gemeinsamen Besuch im Neu-Anspacher Hessenpark unter die Hose gegriffen haben soll. Auch ansonsten soll er das Mädchen im Alltag lange Zeit immer wieder sexuell belästigt haben, etwa mit einem Griff an den Hintern oder entsprechenden Anspielungen.

Es vertraute sich nach einiger Zeit seinen getrennt lebenden Eltern an. Die Mutter glaubte ihr nicht, der Vater schon - er nahm das zuvor bei der Mutter und dem nun Angeklagten lebende Mädchen zu sich. Zur Polizei ging er allerdings nicht. Er habe das auch aus anderen Gründen psychisch belastete Kind nicht auch noch einem Verfahren aussetzen wollen, sagte der Wehrheimer nun im Bad Homburger Amtsgericht. „Sie musste erst mal zurück in die Spur kommen.“ Der Vater brachte zur Verhandlung einen dicken Ordner mit, prall gefüllt unter anderem mit Gerichtsbescheiden, Rechtsanwaltsschreiben und ausgedruckten Whatsapp-Nachrichten. „Es war ein Riesenkampf, sie sehen es ja“, sagte er, klopfte auf den Ordner und zeigte auf seine daneben liegenden Tagebücher. Darin hatte er am 27. November 2016 notiert, seine Tochter habe erzählt, sie wolle nicht mehr heim, der nun Angeklagte habe ihr öfters an den Po gefasst. Es glaube ihr aber niemand.

Größtenteils ging es in seiner Aussage im Gericht jedoch nicht um die angeklagte sexuelle Belästigung, sondern um das ganze Drumherum in den Jahren nach diesem Geständnis - etwa den langwierigen Sorgerechtsstreit, den aufreibenden Umgang mit dem Jugendamt oder den erschreckenden Polizeieinsatz, weil die Tochter eines Nachts anscheinend verschwunden war.

Der Angeklagte, der seit dem Jahr 2019 nicht mehr mit der Mutter des Mädchens liiert ist, stellte ihm viele Fragen und hatte auch einiges zu erzählen - etwa, dass er zeitweise von Freunden des Mädchens verfolgt worden sei, was allerdings der Vater als abwegig darstellte. „Sie selbst ist früher verfolgt worden, sie weiß also, wie sich das anfühlt und würde so etwas nicht machen“, meinte dieser. Den Vorwurf der sexuellen Belästigung stritt der Angeklagte ab. Er habe sie nie auf eine solche Weise angefasst oder anderweitig belästigt.

Das Mädchen war im Jahr 2019 gemeinsam mit seiner Mutter, die ihr mittlerweile glaubte, zur Polizei gegangen und hatte dort von den lange zurückliegenden Übergriffen berichtet. Die Taten waren noch nicht verjährt, weil sie damals minderjährig gewesen war. Angeklagt wurde letztlich jedoch nur der schwerwiegendste Vorwurf, und zwar der Vorfall im Hessenpark. Ihrer Schilderung zufolge soll sich der damalige Lebensgefährte ihrer Mutter dort auf eine Bank gesetzt und sie aufgefordert haben, sich auf seinem Schoß niederzulassen. Dann soll er ihr unter die kurzen Hosen gegriffen haben, bis sie aufsprang und wegging.

Da sich die mittlerweile junge Frau weigerte, im Gericht in Gegenwart des Mannes auszusagen, war sie zuvor per Video vernommen worden. Der Rechtsanwalt des Angeklagten hatte daraufhin ein Glaubwürdigkeitsgutachten beantragt. Die Gutachterin hatte sich jetzt jedoch kurzfristig krank gemeldet. Nun wird im Februar weiterverhandelt.

Auch interessant

Kommentare