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Wanderer von Motorrad erfasst

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Von: Olaf Velte

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Justitia, Göttin der Gerechtigkeit.
Justitia, Göttin der Gerechtigkeit. © ddp

Ein Motorradfahrer gerät ins Schlingern, prallt in die Straßenbegrenzung und erfasst dabei zwei Fußgänger. Jetzt muss sich der Kawasaki-Pilot vor Gericht verantworten. Von Olaf Velte

An einem Samstagmittag im Juni 2009 laufen zwei Wanderer auf der Kanonenstraße in Richtung Hohemark. Ihnen kommen Fahrzeuge entgegen, sie halten sich eng an der Leitplanke. Hinter ihnen ereignet sich derweil etwas, das ihr Leben verändern wird. Ein Motorradfahrer, vom Sandplacken kommend, gerät in einer Kurve ins Schlingern, schießt über die Fahrbahn und prallt in die Straßenbegrenzung. Der Fahrer fliegt in die Böschung, das schwere Motorrad schlittert führerlos weiter und erfasst die beiden Fußgänger.

Was damals in ihrem Rücken geschah, haben die Unfallopfer nicht bemerkt. "Ich spürte einen Schlag auf den Rucksack, dann wurde mir schwarz vor Augen", sagte der 49-jährige Bad Vilbeler während der gestrigen Verhandlung am Bad Homburger Amtsgericht. Er ging vorne und kam mit Wadenbein- und Fingerbrüchen glimpflich davon. Sein Kollege, der dem Aufprall unmittelbar ausgesetzt war, hat bleibende Schäden davongetragen. Fünf Operationen liegen hinter ihm, doch wird er künftig wohl kein Auto oder Fahrrad mehr steuern können. Auch sportliche Betätigung ist dem 48-Jährigen verwehrt. Bei dem Unfall hat er ein Schädelhirntrauma erlitten. Er empfindet es als Glück, dass er heute wieder als Informatiker arbeiten kann. An das Geschehen jenes Samstags hat er keine Erinnerung.

Auf der Anklagebank sitzt ein 24 Jahre alter Frankfurter, der als Rettungssanitäter arbeitet und Medizintechnik studieren will. Seit sechs Jahren fährt er regelmäßig Motorrad, kennt auch die Strecke zwischen Oberursel und Sandplacken. Am Unglückstag war er mit einem Kumpel unterwegs - nach dessen Aussage ereignete sich der Unfall bei "60 bis 70 Stundenkilometern". Der 24-Jährige brach sich den Fuß, leistete dem schwer verletzten Fußgänger jedoch umgehend erste Hilfe. Zum Hergang wollte er sich vor Gericht nicht äußern. Warum er, trotz gemäßigter Fahrweise, mit seiner 1000er Kawasaki ins Trudeln kam, blieb ungeklärt. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem "Sekundenversagen".

Eine böse Ahnung

"Mit Fußgängern ist an dieser Stelle nicht zu rechnen", so ein als Zeuge geladener Polizist. Bremsspuren seien nicht festgestellt worden. Angesichts der Wanderer befiehl eine entgegenkommende Autofahrerin eine böse Ahnung: "Die leben aber gefährlich." Sekunden später schleuderte das Kraftrad über die Straße. "Zur falschen Zeit am falschen Ort", so der Verteidiger. Nach über zwei Stunden und sieben Zeugenaussagen verhängte Richter Jürgen Feuerherdt eine Geldstrafe zur Bewährung. Dem Motorradfahrer konnte Fahrlässigkeit nicht abgesprochen werden.

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