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Waldwacht und Schätze

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Ein attraktives Ziel: der Hessenpark.
Ein attraktives Ziel: der Hessenpark. © Martin Weis

Wie anno dazumal: Im Hessenpark wird ein Forstjägerlager inszeniert. Der Hessenpark übernimmt außerdem die volkskundliche Sammlung von Gerd Grein und Hubert Alles

Von Götz Nawroth und OLaf Velte

Am Wochenende findet im Freilichtmuseum Hessenpark ein historisches Forstjägerlager statt. Im Jahre 1713 hat der sächsische Berghauptmann Hans Carl von Carlowitz den Begriff „forstliche Nachhaltigkeit“ zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Anlässlich der 300-jährigen Wiederkehr erhalten Besucher am 21. und 22. September von 11 bis 17 Uhr einen Einblick ins Lagerleben im 18. Jahrhundert.

Die herrschaftlichen Jäger sollen in ihre Aufgaben als Forstbeamte eingewiesen werden: Es herrscht allerorten Holznot. Die Wälder werden übernutzt. Es muss dringend etwas geschehen: Auf einem Rundgang werden die Forstjäger darüber unterrichtet, wie die Wälder wieder in guten Stand zu bringen sind. Ein Eid muss auf die Forstordnung geleistet werden. Kontrollgänge sollen Wilderei und Forstfrevel verhindern.

Die Forstjäger werden auf dem Gelände Vermessungen und Waldarbeiten vorführen, Jagdhornsignale spielen und zeigen, welche Werkzeuge bei der Jagd und Waldarbeit Einsatz fanden. Das Lager wird von ehrenamtlichen Darstellern aus der Interessengemeinschaft „Der Dreispitz“ in Szene gesetzt.

Volkskundliche Sammlung

Bis die Hessenpark-Besucher die volkskundliche Sammlung von Gerd Grein und Hubert Alles sehen können, wird es noch eine ganze Weile dauern. Mieder und Madonnen, Apfelweingläser und Adventskalender, Zeichnungen und Zieheisen. Mindestens 15 000 Objekte gehören zur größten hessischen Privatsammlung, die das frühere Volkstum in beachtlicher Breite repräsentiert. Was Gerd J. Grein und Hubert Alles in mehr als vier Jahrzehnten zusammengetragen haben, soll in absehbarer Zeit den Bestand des Hessenparks ergänzen.

Für das Freilichtmuseum zwischen Obernhain und Neu-Anspach ist die umfangreiche Dauerleihgabe ein Glücksfall und eine Herkulesaufgabe zugleich. Bevor die historischen Gegenstände in das Taunus-Magazin eingegliedert werden können, sind Vorarbeiten in großem Maße zu leisten. Allein die Inventarisierung, so Museumleiter Jens Scheller, wird zwei Jahre in Anspruch nehmen.

Die „bedeutende Sammlung“ – in der das vergangene Land der Hessen aufbewahrt ist – befindet sich derzeit im alten Amtsgericht von Dieburg. Unter Führung von Wissenschaftlerin Brigitte Kull dokumentieren Fachkräfte das überlassene Gut. Jedes Einzelstück wird fotografiert, beschrieben und sorgfältig verpackt. „Zu fast allen Objekten gibt es bereits Informationen.“ Dass die Sammler Grein und Alles bei aller Hingabe auch die nüchterne Recherche nicht außer acht gelassen haben, macht die Schenkung so wertvoll. „Für uns“, sagt Scheller, „zählt der Kontext – die Frage nach Herkunft und Bedeutung.“

Das Lebenswerk der beiden Sammler war in Teilen schon auf der Veste Otzberg – wo Kulturpreisträger Grein als Museumsleiter tätig war – zu sehen. Im Hessenpark wurden bereits die Gemälde und Grafiken ausgestellt. Damit der Fundus in kompletter Pracht beisammen bleibt, ging er vor wenigen Jahren als Schenkung an das Land Hessen.

Wertvolle Schenkung

Kaum vorstellbar, dass irgendwann alle Konvolute im Freilichtmuseum präsentiert werden können. Einzelnes wird bestehende Dauerausstellungen komplettieren, anderes dient der Forschung. „Vielleicht zeigen wir irgendwann aber die gesamte Kinderspielzeug-Abteilung.“ Bis zum endgültigen Umzug füllen die Zeugnisse vergangener Lebenswelten drei Außenlager – auf dem Gelände bei Neu-Anspach muss erst Platz geschaffen werden. Im kommenden Jahr beginnen die Arbeiten an einem neuen Depot. Ende 2015 sollen dann beste Lagermöglichkeiten für die volkskundliche Sammlung Grein/Alles geschaffen sein.

Um die Erschließung des wertvollen Bestandes an Trachten, Keramiken, Gebrauchsgegenständen und Büchern weiterhin zu sichern, hat die Sparkassen-Kulturstiftung vor wenigen Tagen 25 000 Euro gespendet. Für alle Beteiligten steht die einzigartige Qualität der Sammlung außer Frage.

Schon heute beherbergt das Hessenpark-Museum das Gedächtnis des Landes fast lückenlos: 150 000 eigene Objekte erzählen von Mühen und Sorgen, von Freuden und Festen.

Das Freilichtmuseum und die Häuser sind täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet, Einlass ist bis 17 Uhr. Der Eintritt für Erwachsene beträgt 6 Euro, Kinder (ab 6 Jahre) zahlen 2,70 Euro. Weitere Informationen im Internet unter www.hessenpark.de.

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