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Waldbrandgefahr durch verbrannte Schulbücher

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Das Amtsgericht Königstein spricht einen 19-jährigen Verdächtigen frei - obwohl der trotz Waldbrandgefahr am Kronberger Waldschwimmbad ein Feuerchen gelegt haben soll.

Von Jonathan Vorrath

Rauch steigt auf neben dem geparkten Mofa. Schulbücher und Notizblätter brennen lichterloh. Doch niemand ist zu sehen. Eine Spaziergängerin nähert sich der Szene auf dem Parkplatz des Waldschwimmbads in Kronberg und erkennt die Gefahr: Das kleine Feuer kann sich zu einem Flächenbrand entwickeln. Es ist Frühsommer, es gilt die Waldbrandgefahrenstufe eins. Die Frau ruft sofort die Polizei.

Der 19-jährige Schulabbrecher und Besitzer des Mofas, Tim K., hatte wohl Zorn auf Schule und Lehrer. Er fuhr Anfang Juni an den abgeschiedenen Parkplatz, um seinen Frust abzureagieren und seine Schulsachen in Flammen aufgehen zu lassen. So sah es gestern zumindest der Staatsanwalt bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht in Königstein. Zunächst teilnahmslos, dann zunehmend unruhig und gestikulierend nahm der Beschuldigte die Anklage zur Kenntnis. Tim habe immer wieder Probleme mit Drogen. Dadurch könnte er eine Psychose entwickelt haben, vermutete der Anklagevertreter.

Schule abgebrochen

„Ich weiß nicht, was die Drogen mit dem Fall zu tun haben sollen. Außerdem nehme ich schon lange keine mehr“, ereiferte sich Tim K. mit weit aufgerissenen Augen.

„Ganz ehrlich , so wie Sie hier sitzen, mit geweiteten Pupillen, kann ich mir gut vorstellen, dass Sie eben noch etwas genommen haben,“ sagte der Staatsanwalt, der sich mit Blick auf die Vergangenheit des Angeklagten überzeugt zeigte, dass er das Feuer gelegt hat. Nach viel Ärger im Elternhaus war K. zunächst obdachlos, kam dann bei Verwandten unter. In dieser Zeit wiederholte er die zwölfte Klasse, besuchte den Physikleistungskurs.

Zunehmend geriet er in esoterische Kreise. Er brach die Schule ab und ging in einen Tai-Chi-Tempel. „Physik war nichts für mich. Ich bin eher ein Kreativer“, begründete K. seine Entscheidung. Derzeit würde er zwar arbeiten, aber er habe große Pläne für sein Leben, sagte er.

Das angesengte Physikbuch in dem verkohlten Haufen Unterlagen war für den Staatsanwalt ein weiteres Indiz für Tim K.s Schuld. Der Richter hingegen konnte auch darin keinen eindeutigen Beweis sehen und sprach K. frei: „Es hat Sie keiner dort gesehen, deshalb muss ich Sie freisprechen. So wie Sie hier aufgetreten sind, kann ich bei Ihnen allerdings nichts ausschließen. Ich rate Ihnen dringend, etwas zu ändern!“

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