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Waldameisen unterwegs

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Schrullige Waldameisen mit Gefolge  in  der  Stadt.
Schrullige Waldameisen mit Gefolge in der Stadt. © FR/Rheker

Skurrile Gestalten beleben am Wochenende Altstadt zwischen Schirn und Burg. Das Straßentheater-Festival "Da Capo" lockt wieder Tausende nach Kronberg

Da Capo! Der Name ist gut gewählt für das Kind, das ja nun auch schon sechs Jahre alt ist. Eigentlich sogar zehn, weil die Kronberger Altstadt mit ihren lauschigen Plätzen schon seit dem Jahr 2000 zur Bühne wird - alle zwei Jahre beim Internationalen Straßentheater-Festival vor historischer Kulisse. Nun hat es einen Namen bekommen, "Da Capo!", weil es sich ja wiederholt und weil der gesprochene Applaus den Künstler genauso motiviert wie den Veranstalter, in diesem Fall den Kulturkreis Kronberg.

Da Capo!. Es war oft zu hören am lauschigen Samstagabend in den Gassen und auf den Plätzen, wo sich allerlei seltsame Gestalten rumtrieben, um sich einen Spaß mit ihrem Publikum zu machen. Oder es mitzunehmen in ihre Welt voller Poesie und Liebe zum Spiel. "Wir sind von weither gekommen und bringen die Liebe mit", sagt Cayenne mit dem Akkordeon von der Gruppe "Cirqu´ Oui" über sich und ihre zwei Mitliebenden - den Mann im Feingerippten mit den weinroten Hosenträgern, der mit den Bällen tanzt, und die Frau, die ebenso federleicht mit, durch, auf, in und um einen Reifen mit zwei Meter Durchmesser herumtanzt. Alte Zirkusromantik, tänzerisch leicht auf der Holzbühne im Burghof aufgeführt. Beifall, da Capo!

Plötzlich, von irgendwoher aus einer der schmalen Gassen zwischen alten Häusern, tauchen Ameisen auf. Riesige Ameisen, menschenlebensgroße Waldameisen mit Schutzpanzer und laaaangen Fühlern. Im militärischen Kampfschritt ziehen sie rhythmisch und geräuschvoll über das mittelalterliche Pflaster unterhalb der Burg und bald das Jungvolk hinter sich her. Angeführt von einer, die sich außerhalb von Ameisenhaufen und weit weg von der Königin zur Chefin gemacht hat. Waldameisen auf Stadtgang, die dem Publikum manches Weinglas stibitzen bei ihrer Entdeckungsreise durch die Welt der Menschen.

Festival-Intendantin Dorothée Arden hat nicht nur mit den Ameisen ein gutes Händchen bewiesen bei der Auswahl der Künstler für das sechste Open-Air-Straßentheaterfest. Weil auch die meisten anderen Akteure, etwa die drei dicken Köche von "Les Crêpes" oder "Jan & Jester", der schrullige Artist mit dem Hund, sich dafür eignen, junges und jüngstes Volk für Straßentheater dieser Art zu begeistern. Noch lange hallte in der Nacht der Ruf nach Wiederholung zwischen den Mauern. (jüs)

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