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"Der Wächter" begrüßt die Besucher der Stadt

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Von: Torsten Weigelt

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Erwin Noll und seine Skulptur "Der Wächter". Sie bildet nun den Anfang der Skulpturenallee zwischen Bahnhof und Rathaus.
Erwin Noll und seine Skulptur "Der Wächter". Sie bildet nun den Anfang der Skulpturenallee zwischen Bahnhof und Rathaus. © Renate Hoyer

Der Künstler Erwin Noll hat mit der Skulptur "Der Wächter" seinem Geburtsort ein Geschenk gemacht. Einst stand die Skulptur in Wiesbaden an den Rhein-Main-Hallen.

Üblicherweise bekommt man zum Geburtstag etwas geschenkt. Erwin Noll hat es jedoch umgekehrt gehalten: Aus Anlass seines 66. Geburtstags machte er selbst seiner Heimatstadt Bad Homburg die Skulptur „Der Wächter“ zum Geschenk. Sie stand jahrelang an den Rhein-Main-Hallen in Wiesbaden, musste aber bei deren Abriss weichen.

„Für Bad Homburg ist das ein Glücksfall“, freut sich Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU), der das Präsent gerne in Empfang genommen hat. Das Werk des in der Kurstadt geborenen Künstlers ist an einem prominenten Platz wieder aufgestellt worden. Passend zu ihrem Namen „bewacht“ die Plastik aus Eisen nun das Entree zur Stadt zwischen Bahnhof und Rathaus.

Wer die Bahnhofstraße betritt, kommt an dem vier Meter hohen Koloss nicht mehr vorbei. Auf manchen Betrachter mag die kantige Eisenskulptur ein wenig ungemütlich wirken, für Erwin Noll strahlt sie hingegen Sicherheit und Wärme aus. „Sie heißt die Menschen willkommen“, sagt der Künstler. Deswegen habe er bewusst auf Hellebarde und Schild verzichtet, erläutert er. Um die Sinnlichkeit seines „Wächters“ hervorzuheben, habe er die Augen und das „große Herz“ betont – und der geschwungene Helm solle wie eine Antenne positive Energien anziehen.

Der neue Standort für seine Skulptur sei nahezu ideal, erklärte Noll. Mit seiner leichten Goldtönung am Kopf passe er sehr gut zur Russischen Kapelle, die sich in der Blickachse der Bahnhofstraße am Kurpark befindet. Apropos „Blickachsen“: Der Kurpark selbst ist in diesem Sommer bekanntermaßen wieder Schauplatz der gleichnamigen Skulpturenschau.

Außerdem strahle der Bereich rund um die Bad Homburger Quellen eine besonders hohe „Lebensenergie“ aus, betonte der Künstler, der sich inzwischen von der Bildhauerei zurückgezogen und einen Namen als Geomant und Wasserforscher gemacht hat. Gemeinsam mit der indischen Regierung plane er derzeit eine Wasserakademie im Himalaya-Gebiet, berichtete er.

Noll wurde 1948 in Bad Homburg geboren. „Im Rot-Kreuz-Krankenhaus an der Ecke Ferdinandstraße und Promenade.“ Seine Kindheit hat er in Neuenhain im Main-Taunus-Kreis verbracht, heute lebt er in Niederbayern.

Dorthin hatte ihn die Arbeit verschlagen. Als ausgebildeter Möbelschreiner und -restaurator begann Erwin Noll 1970 als Amtsrestaurator am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, später wechselte er als Gemälderestaurator an die Alte Pinakothek. 1977 begann er als freischaffender Künstler. 1993 entstand „Der Wächter“. Insgesamt habe er „fünf, sechs“ solcher Großskulpturen geschaffen, so Erwin Noll, eine von ihnen stehe an der deutsch-österreichischen Grenze.

Dem „Wächter“ Platz gemacht hat die Skulptur „Red Boy“ von Kenny Hunter, die einst der Liebling der „Blickachsen“-Besucher war, am Eingang zur Bahnhofstraße jedoch nicht so recht zur Geltung kam. Der Bad Homburger Kulturausschuss hatte bereits 2013 den Wunsch geäußert, den Standort am Bahnhof zu überprüfen.

Der rote Junge hat inzwischen einen neuen Platz erhalten: Er steht nun am Gotischen Haus und blickt dort auf den künftigen Eingang zum Stadtmuseum.

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