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Die Vorstadt verändert sich

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Von: Miriam Keilbach

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Traditionsläden verschwinfden, Großketten und Bäckereifilialen siedeln sich an - die Gewerbetreibenden geben der Stadt eine Mitschuld am Strukturwandel in der Vorstadt.

Gemüsehändler Gasser, Seiler & Korbwaren Weiler – das sind die Geschäfte, die in der Vorstadt zuletzt schlossen. Es folgen weitere, die Vorstadt ist im Wandel, Traditionsläden verschwinden, Großhandelsketten und Bäckereifilialen siedeln sich an.

Der alteingesessene Papier Friedrich ist schon verkauft, am 1. April übernimmt der neue Besitzer Rainer Kratzenberg, der einen Papierwarenladen in Hanau besitzt. „Er will den Laden so weiterführen, auch mit dem Namen“, sagt Inhaber Georg Friedrich. Seine beiden Söhne, die sich um den Laden kümmerten, steigen aus. „Es gibt private Gründe für den Verkauf“, sagt Friedrich.

Die Gerüchte um eine Schließung vom Sporthaus Taunus, der Intersport-Filiale, zum Sommer verstummen nicht. Filialleiter Peter Dannewitz sagte der FR, er plane in den nächsten drei Monaten keinen Ausverkauf, „dass ich irgendwann aufhöre, ist klar, ich bin 54.“ Eine offizielle Aussage von Intersport gibt es nicht.

Der Umbruch in der Vorstadt dauert schon seit einigen Jahren an. Kleine traditionsreiche Läden schließen. Die einen, weil sie Kundschaft verlieren, da sie im Zeitalter des Internets nicht mithalten können. Andere finden keine Nachfolger in der Familie, Angestellte können sie sich nicht leisten. „Es gibt nicht nur Schließungen, weil es nicht funktioniert“, sagt Andreas Kügel, Geschäftsführer von Rompel, der mit mehreren Geschäften wie zum Beispiel einem Spielwarenladen, der seit 1897 besteht, in der Vorstadt angesiedelt ist.

Kügel: Stadtentwicklungsplan fehlt

Kügel gibt der Stadt Oberursel eine Mitschuld: Es fehle an einem Stadtentwicklungsplan. „So lange nicht klar ist, wohin es gehen soll, ist es schwierig, Leute zu finden, die vernünftig investieren“, sagt Kügel. Er sieht auch die Vermieter in der Pflicht, sie wollten den letzten Cent aus ihrem Eigentum rausquetschen. „Die Nachfrage von guten Filialisten ist da, aber das scheitert an den Mieten. Einigen Vermietern ist ihre Heimatstadt wohl nichts mehr wert.“

Er fordert, das kleinteilige Gewerbe zu stärken und den Charme von Oberursel auszubauen. Das sieht auch die Oberurselerin Eva Tresp so: „Die Stadt wird langweilig. Es ist überall dasselbe.“

Für Fokus O, dem Forum der Selbstständigen, ist der Wandel kein Oberurseler Problem: „Auch in Bad Homburg schließen Läden“, sagt die zweite Vorsitzende Claudia Kaczinski. „Jeder Wechsel ist eine Chance, es ziehen nicht immer Ketten ein.“ In Oberursel gebe es noch überdurchschnittlich viele kleine Läden. Verblieben sind etwa die Metzgerei Klein, Waffen Kügel, der Kurzwarenhändler Calmano und das Schuhhaus Schmelcher. „Es ist schade um die traditionsreichen Geschäfte, wenn sie schließen müssen, aber in der Marktwirtschaft gibt es keine andere Möglichkeit.“ Außerdem gebe es auch junge Existenzgründer, die neuen Schwung in den Einzelhandel brächten.

Kunden mit Bewusstsein

Kaczinski appelliert an den Verbraucher, sich zu überlegen, wofür er Geld ausgebe. Es gebe aber durchaus Kunden, die bewusst einkaufen. Kürzlich gab Fokus O ein Seminar: „Der Kunde ist weiblich, berufstätig und hat Kinder, darauf müssen sich die älteren Läden nun einstellen.“

Albrecht Schneider ist vor 73 Jahren in Oberursel geboren, der Wandel in der Vorstadt macht ihn traurig. „Hier steht eine Bäckerfiliale neben der anderen, ich frage mich, wer das ganze Brot essen soll“, sagt er. Wer einkaufen wolle, gehe eben lieber nach Frankfurt. „Selbst wenn Ketten wie Douglas hier herkommen, ist das Sortiment viel kleiner als in Frankfurt.“ Er wünscht sich einen großen Magneten wie Kaufhof, „dann können die Leute parallel in alteingesessenen Läden kaufen, wenn sie schon da sind“.

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