Bad Vilbel

Schülerhort steht vor dem Aus

Die Stadt Bad Vilbel kündigt für 2021 das Ende der Spiel- und Lernstube an - viele Eltern sind schockiert. 

Als Ayse Isik vor ein paar Tagen ihren jüngeren Sohn für die Nachmittagsbetreuung bei der Spiel- und Lernstube anmelden will, fällt sie aus allen Wolken. Der Hort für Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse nehme vorerst keine neuen Schüler auf, heißt es da. Und mehr noch: Im Sommer 2021 schließt die Einrichtung wohl komplett. „Ich war schockiert. Mein Mann und ich sind voll berufstätig. Ohne den Hort, weiß ich nicht, wie ich meine Kinder betreuen lassen soll“, sagt die Mutter, deren älterer Sohn schon vor einem Jahr im Hort untergekommen ist.

Inzwischen hat Stadträtin Heike Freund-Hahn (FDP), zuständig für Soziales, auf Anfrage die Gerüchte bestätigt: „Ja, die Spiel- und Lernstube schließt zum Ende des Schuljahres 2020/21, also im Sommer 2021.“

Im vergangenen Jahr hatte die Kindertagesstätte für Grundschüler, die seit gut 21 Jahren in Trägerschaft der Stadt Bad Vilbel steht, ihr 40-jähriges Bestehen gefeiert. Nun sagt die Sozialdezernentin: „Wir können den Hort nicht weiter betreiben.“ Was mit den Räumen in der Homburger Straße 66b passiert ist demnach noch unklar.

Insgesamt 29 Kinder werden derzeit dort betreut. Werkstags um 12 Uhr geht es los. Eltern können aus drei Modulen wählen: Die vier Erzieherinnen beaufsichtigen den Nachwuchs bis 15, 16 oder 17 Uhr. Es gibt einen großen Spielplatz vor der Haustür, gemeinsames Mittagessen, das eine eigene Küchenhilfe zubereitet, und eine professionelle Hausaufgabenbetreuung. Der wohl größte Pluspunkt ist aber, dass der Hort auch in den Schulferien nur zwei Wochen zumacht und sonst sogar ab 9 Uhr geöffnet hat.

Zuletzt mit den Eltern geschlossene Verträge habe man bereits zeitlich begrenzt, sagt Freund-Hahn. Jüngst habe das zuständige städtische Kita-Büro auch einen Aufnahmestopp verhängt. Einzig wie mit nachrückenden Geschwisterkindern zu verfahren sei, sei noch offen. Dass die Stadt ein Ersatzangebot für den Schülerhort einrichtet, sei nicht vorgesehen.

„Der Hort an sich ist ein Auslaufmodell, weil die Schulen immer mehr auf Ganztagsbetreuung setzen“, ist die Stadträtin überzeugt. Sie baut dabei vor allem auf den „Pakt für den Nachmittag“, ein Landesprogramm, das helfen soll, an Grundschulen die Nachmittagsbetreuung auszubauen.

Die Dortelweiler Regenbogenschule ist seit diesem Schuljahr eine von vier Schulen in der Wetterau, die vom Pakt profitieren. Sie bietet damit in Bad Vilbel das umfangreichste Angebot der öffentlichen Grundschulen. Hier gibt es in Kooperation mit der Arbeiterwohlfahrt an fünf Tagen in der Woche und in den Schulferien eine Nachmittagsbetreuung bis 17 Uhr. Auch Saalburgschule, Stadtschule und Ernst-Reuter-Schule haben Ganztagsangebote, wenn auch in geringerem Umfang.

Dass die Stadt den Kinderhort betreibt, ist eine freiwillige Leistung. Das Ende in zwei Jahren hat laut Freund-Hahn mehrere Gründe. Zum einen verliert die Einrichtung zwei Mitarbeiterinnen, die in Rente oder Altersteilzeit gehen. Zum anderen habe die Stadtverwaltung, vom Rechnungshof das Signal bekommen, „sich auf das Kerngeschäft zu beschränken.“ Das bedeutet: „Wenn wir die Erzieherstellen nachbesetzen können, werden wir sie auf die Kindergärten umlegen“, so Freund-Hahn. Dort würden sie dringender gebraucht.

Ihre Sorgen, wie es nach dem Aus der Einrichtung weitergehen soll, sagt Ayse Isik, teile sie mit vielen Eltern in den Nachbarschaft. Sie überlegt, mit anderen Betroffenen eine Initiative zu gründen, und den Hort in Eigenregie weiterzuführen. „Bis die Politik was macht, ist’s zu spät. Ich brauche bis nächstes Jahr eine Lösung“, sagt die Mutter. Dann kommt ihr jüngster Sohn in die erste Klasse. 

Autor: Alexander Gottschalk  

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