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Verwirrung um Dachplatten

Bad Homburg Staatsanwaltschaft klagt Abriss-Unternehmer an - und erlebt eine teure Pleite

Von KLAUS NISSEN

Am 18. Juni 2007 brannte die Sonne vom Himmel. Entsprechend luftig waren die drei Männer gekleidet, die auf dem Dach der ehemaligen Druckerei an der Homburger Landstraße in Oberursel werkelten. Sie machten Krach, frästen mit ihren Winkelschleifern an der Konstruktion herum.

Die Nachbarin schaute höchst alarmiert aus ihrem Wohnungsfenster zu. "Die wollten mit Hämmern die Asbestplatten locker machen", gab die 54-jährige Bauingenieurin am Donnerstag vor dem Amtsgericht zu Protokoll. "Wir haben auch weiße Wolken auf dem Grundstück gesehen." Die Frau fotografierte die Szene und sprach die Arbeiter an. "Ich sagte ihnen, dass sie nicht fachgerecht arbeiten. Wir haben auch Babys im Hause. Aber sie haben nicht reagiert." Da rief die Nachbarin die Polizei.

Streifenbeamte erschienen, schauten nach und stoppten den Abriss des Daches. Das Bauamt forderte per Telefon einen Asbest-Sachverständigen des Darmstädter Regierungspräsidiums an.

Der Fachmann schaute sich am nächsten Morgen die Arbeit der Abriss-Firma aus Bochum an. "Ich sah weder unsachgemäßen Umgang mit Eternitplatten noch dass etwas fehlte." Es gab Wasser zum Bespritzen der alten Platten, einen Sack mit Schutzkleidung, Gesichtsmasken und in Folie gewickelte Eternitplatten, die in riesigen Plastiktüten auf den Abtransport zur Deponie warteten. Nur die fehlende Absperrung des Platzes bemängelte der Kontrolleur. Dennoch lud die Staatsanwaltschaft die drei Männer aus Bochum und Gelsenkirchen vor Gericht. Sie hätten Asbestplatten unsachgemäß behandelt und damit die Gesundheit der Menschen rundum gefährdet.

Der stämmige Chef der Abrissfirma schüttelte den Kopf. "Wir haben auf dem Dach nur die lichtdurchlässigen Plexiglas-Platten zerschlagen, damit wir sie leichter rausziehen konnten." Ja, man habe die Flex eingesetzt. Aber nur, um die verrosteten Befestigungsbolzen der Eternitplatten zu durchtrennen.

Aber da seien doch zerbrochene Asbestplatten auf den Fotos zu sehen, beharrte der Staatsanwalt. Der Abriss-Unternehmer: "Es waren uralte Platten. Da bricht schon mal eine Ecke ab. Beim Abreißen lässt sich nicht verhindern, dass mal was kaputt geht." Er habe dabei ständig "Restfaserbinder" eingesetzt. Sprich: die Platten aus einem Wasserschlauch bespritzt und nach der Demontage den asbesthaltigen Staub von der Betonunterlage gesaugt.

Asbest auch in intakten Platten

So sei es auch richtig, sagte der Baukontrolleur vom Regierungspräsidium. Im Übrigen: Auch unversehrte Eternitplatten gäben beim Verwittern Asbestfasern ab. "Wenn wir heute hier eine Luftmessung machen, werden wir Asbestfasern feststellen." Diese wandern beim Einatmen in die Lungen und reizen sie ständig, ergänzte ein vom Landeskriminalamt beigeladener Chemie-Oberrat. "Das kann Krebs auslösen - muss es aber nicht."

Der Staatsanwalt gab schließlich auf. Ein Kollege habe den Fall bearbeitet, sagte er und beantragte Freispruch. Die Richterin ließ die drei Angeklagten gehen. Ihre Fahrtkosten und Verdienstausfälle, die Rechnung des Verteidigers und alle weiteren Kosten trägt die Staatskasse. Das ist der Preis für das eng gestrickte Vorschriftenkorsett und die große Wachsamkeit der Menschen beim Umgang mit Dachplatten.

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