1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Hochtaunus

Vertrauensbeweise

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Christina Franzisket

Kommentare

Das Haus Sankt Martin zeigt die Ausstellung „No Home“.
Das Haus Sankt Martin zeigt die Ausstellung „No Home“. © Michael Schick

Eine Ausstellung im Haus Sankt Martin in Hattersheim zeigt Fotografien von Obdachlosen. Studenten der Hochschule Rhein Main haben sie fotografiert. Die Ausstellung „No Home“ soll zeigen, wie das Leben auf der Straße wirklich ist.

An den Wänden im Haus Sankt Martin hängen eingerahmte Vertrauensbeweise. Es sind Fotos aus dem Leben von Obdachlosen. Sie zeigen Menschen, die in Frankfurt, Wiesbaden oder Mainz auf der Straße leben. Fotografiert haben sie Studenten der Hochschule Rhein Main. „Sich so abbilden zu lassen, erfordert gegenseitiges Vertrauen“, sagt Klaus Störch, Leiter des Haus Sankt Martin für Wohnungslose.

Im Rahmen eines Projekts haben Studierende der Fachrichtungen Kommunikationsdesign und Soziale Arbeit der Hochschule Rhein Main zusammen mit dem Haus Sankt Martin und dem Caritasverband Main-Taunus fünf Fotoreihen erstellt, die die Ausstellung „No Home“ bilden. Die Bilder sind bis Ostern ausgestellt.

„Ist doch nicht schlecht, dass die mal sehen, wie das Leben auf der Straße wirklich ist“, sagt Stefan Heilmann, während er sich die Bilder ansieht. Heilmann kommt schon lange ins Haus Sankt Martin und war auch schon mal wohnungslos. Er weiß, wie das ist, wenn die mit Wohnung auf der Straße an einem vorbeigehen und nicht hinsehen wollen.

Vorbeigegangen ist auch die Studentin der Sozialen Arbeit, Nilüfer Gülmez: „Ich hatte immer ein bestimmtes Bild von Obdachlosen“, sagt die 26-Jährige, „nie habe ich mich mit einem unterhalten“.

Zusammen mit ihren Professoren trafen sich die Projektteilnehmer im Haus Sankt Martin, und Störch gab theoretischen Input: „Es ging darum sie zu sensibilisieren, sie sollten Kontakt auf Augenhöhe herstellen.“

In Teams aus je vier Studenten zogen sie anschließend los in die Städte. „Es gab Berührungsängste“, sagt Gülmez. Auf den ersten Blick fanden die Studenten, was sie erwarteten: Da war die Bettlerin mit Kopftuch und Pappbecher, der Punk mit Hund, der ungepflegte Mann einem Einkaufswagen voller Dreckwäsche. Doch die Studenten riskierten für das Projekt einen zweiten Blick: „Wir sind einfach auf die Wohnungslosen zugegangen, haben uns vorgestellt und erklärt, was wir vorhaben“, sagt Gülmez, „und zu meiner Überraschung waren die Menschen ganz offen“.

Es kann jeden treffen

Die Studenten setzten sich dazu, unterhielten sich, hörten zu, schenkten Interesse und Respekt: „Es war komisch, auf einmal haben uns Passanten auch komisch angeschaut“, sagt Gülmez. Die Wohnungslosen erzählten von ihrem Schicksal. „Manche waren dabei zu Tränen gerührt“, sagt die Studentin. Sie habe erfahren, dass Obdachlosigkeit jeden treffen kann, egal, welchen Abschluss man hat. Nach und nach wuchs Vertrauen und die Studenten brachten ihre Kameras mit auf die Straße. Die Würde, die sich die Menschen trotz der Armut bewahrt haben, ist auf den Bildern zu erkennen. „Ich bin froh und glücklich, diese Menschen kennengelernt zu haben“, sagt Gülmez, „sie haben mich menschlich weitergebracht“. Seitdem sehe sie nicht mehr sofort weg: „Heute grüße ich“, sagt sie.

Störch hofft, dass mit dieser Ausstellung mehr Aufmerksamkeit und Verständnis für die Situation von Wohnungslosen hergestellt wird. Und er lädt alle Interessierten ein, sich die Ausstellung im Haus Sankt Martin einmal anzusehen und vor Ort selbst mit einem Wohnungslosen ins Gespräch zu kommen.

Auch interessant

Kommentare