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Sonniges Gemüt: Ralf Fettback ist seit 25 Jahren Pfarrer in Bommersheim.
Sonniges Gemüt: Ralf Fettback ist seit 25 Jahren Pfarrer in Bommersheim. © FR/Schick

60. Geburtstag und 25. Jubiläum als Pfarrer von Bommersheim: Ralf Fettback feiert an einem Tag gleich zwei Jubiläen. Von Klaus Nissen

Von Klaus Nissen

Wenn man sie auf ihren Bommersheimer Kollegen anspricht, dann stimmt die Oberurseler Pfarrerin Cornelia Synek ein Hohelied an: Ralf Fettback sei ein engagierter Mensch. "Er hat viel aufgebaut in den letzten Jahrzehnten. Und alle, die es schwer haben im Leben, finden bei ihm einen Platz."

Am Sonntag, 17. Januar, wird Ralf Fettback auch jene aufnehmen, die es leichter haben. Er feiert seinen 60. Geburtstag und zugleich den 25. Jahrestag als Pfarrer von Bommersheim. Um 10.30 Uhr bittet er zum Gottesdienst in die Kreuzkirche am Goldackerweg. Da wird Reinhard Keding predigen, der frühere Bischof von Namibia. Danach lädt Ralf Fettback zum Empfang. Viele werden dann ein Loblied auf den Seelsorger der rund 1600 evangelischen Christen in Bommersheim singen.

Ralf Fettback ist ein Nordlicht. Er kam in Eckernförde zur Welt. Als Sechsjähriger landete er im Vordertaunus, weil sein Vater Prokurist in einer Oberurseler Transformatorenfabrik wurde. Das Religiöse kam erst später: "Ich hatte ein Erweckungserlebnis", erzählt der Pfarrer bei einem Kaffee in der Gemeindebücherei. "Ich war in der Jungschar auf einer Freizeit. Es gab einen Gewittersturm im Wald, die Bäume fielen reihenweise um. Da führte uns der Jugendleiter ganz sicher hinaus. Das gab mir zu denken. Ich beschloss, es mit der Religion zu probieren. Und auf jeden Fall auszusteigen, wenn bei mir die persönliche Glaubenskrise kommt. Aber die habe ich noch nicht erlebt."

Der Pfarrer mit den klaren grauen Augen und dem kurzen weißgrauen Vollbart begnügt sich nicht mit Obligatorischem: dem Unterricht der 15 Konfirmanden, den sechs wöchentlichen Religionsstunden im Gymnasium und der Grundschule, den Sonntagsgottesdiensten vor etwa 20 Gläubigen im viel zu großen Kirchenschiff aus dem Jahre 1964. Fettback hat mit seinem achtköpfigen Kirchenvorstand den evangelischen Kindergarten von drei auf fünf Gruppen vergrößert. Er stellte drei zusätzliche Erzieherinnen ein und öffnete im vorigen Jahr eine Krippengruppe. "Der Bedarf ist hoch", sagt Fettback: 70 Eltern bewarben sich, 13 Kinder konnten genommen werden.

Der Pfarrer ist auch Feuerwehrmann - morgen scheidet er altersbedingt aus der Einsatzabteilung aus. Aber er bleibt beim Kriseninterventionsdienst, den er vor vielen Jahren mitgegründet hat. In seinen Bereitschaftswochen wird er zum Seelsorger bei den Überlebenden tragischer Unfälle oder Gewalttaten. Und er muss Todesbotschaften überbringen. "Es geht dann darum, die Situation mit den Betroffenen auszuhalten und ein soziales Netz zu knüpfen."

Angenehmer sind die von Fettback organisierten Zeltcamps. Da könne er auch mal unter freiem Himmel Gitarre spielen, sagt der Pfarrer. Der Mann veranstaltet auch die "Oberurseler Psychiatriegespräche", den Arbeitskreis Naturwissenschaft und Glaube, das Projekt "Gottesdienst an anderen Orten". Mit alten Menschen unternimmt er Tagesausflüge in die Region.

Und wenn er selbst einmal alt ist? Fünf Jahre werde er noch Pfarrer bleiben, sagt der verheiratete Vater dreier erwachsener Kinder. Und dann? "Ich träume davon, viel Zeit in meinem Wohnwagen an der Ostsee zu verbringen."

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