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Der Verkehr kriegt die Krise

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Während des Hessentags 2011 herrscht in Oberursel verkehrstechnisch der Ausnahmezustand. Betroffen davon sind vor allem die Einheimischen.

Von Jürgen Streicher

Im roten Bereich soll Alarmstufe eins herrschen und so gut wie nichts mehr gehen. Also nichts mehr fahren, allenfalls zwischen 6 und 9.30 Uhr am Morgen. Der rote Bereich ist die Kernzone des zehntägigen Landesfestes in Alt- und Innenstadt sowie der Hessentagsstraße vom Schulzentrum Bleibiskopfstraße über Liebfrauenstraße, Oberhöchstadter Straße und Füllerstraße bis zum Marktplatz. Wer hier wohnt oder arbeiten muss, hat einfach gelitten, wenn sich die Stadt im Ausnahmezustand befindet. Während der Festtage vom 10. bis 19. Juni, zwei Tage davor und wohl auch zwei Tage danach.

Doch, es werde noch Straßen geben, die befahren werden können. Verspricht Hausjurist und Verkehrsplaner Frank Weil unter dem Gelächter der Besucher im Saal der Stadthalle. Hunderte sind trotz dichten Schneetreibens gekommen, um sich zu informieren, was der Hessentag den Bewohnern der Stadt abverlangen wird. Es wird viel gelacht an diesem Abend, oft ist es Galgenhumor angesichts der Szenarien, die vom Podium erläutert werden. Wo die Herren vom Organisationsteam immer wieder das Wort Herausforderung bemühen, „gigantische Herausforderung“.

Basis der Herausforderung sind die erwarteten, erhofften, prognostizierten mindestens eine Million Besucher, verteilt über zehn Tage. Und irgendwie auch gefürchteten Gäste. „Die Oberurseler müssen wir schützen“, sagt Verkehrsdezernent Dieter Rosentreter (FDP). Und deswegen dem Verkehr „enge Grenzen setzen“. In denen die Oberurseler mehr gefangen sein werden als ihre Gäste, die meist nur für einen Tag in den Taunus kommen. Diese sollen auf den Großraumparkplätzen in Bommersheim und hinter dem Gewerbegebiet Drei Hasen ihre Wagen kostenpflichtig abstellen und nicht die Innenstadt und die Wohngebiete blockieren. „Wir kämen aus dem Abschleppen nicht heraus“, befürchtet Frank Weil.

Enge Grenzen, weite Wege

Also wird die Stadt „Schutzzonen“ für ihre Bürger einrichten. Acht werden es sein, inklusive rotem Bereich. Als Frank Weil sie alle schön bunt markiert hat auf dem großformatigem Stadtplan hinter dem Podium, wird wieder gelacht. So ziemlich die ganze Kernstadt ist markiert, blau rund um den Oberhöchstadter Berg, grau ums Schwimmbad herum, grün im Osten, rosa Bommersheim. Geschützte Bereiche, die nur mit Berechtigungsschein befahren werden dürfen. Das Ziel der Maßnahme: „Möglichst wenig Beeinträchtigung der Wohnbevölkerung“, sagt Frank Weil.

In die bunten Zonen darf nur einfahren, wer dort nachweislich wohnt, ein Gewerbe betreibt, Ärzte, Pflegedienste, Krankentransporte, Post, Handwerker im Einsatz, Taxis. Nicht einmal Besucher von Anwohnern, das soll rigoros gehandhabt werden. Für jede Zone wird ein Kontrollpunkt eingerichtet, über den das jeweilige Gebiet anzufahren ist.

Für viele Oberurseler wird das große Umwege bedeuten, Anwohner im roten Bereich sind besonders betroffen. Sie können einen Antrag auf Zufahrt in den grünen Bereich im Osten stellen. Dafür gibt es dann noch ein „Überlaufventil“, einen Ersatzparkplatz in der verlängerten Freiligrathstraße an der Autobahn, zu Fuß 15 Minuten in die innere Altstadt.

Komplett gesperrt wird die Frankfurter Landstraße vom Bahnhof bis zum Open-Air-Gelände Bommersheim, weil dort eine zentrale Fußgängerachse verlaufen soll. Dicht ist auch die Zufahrt aus dem Süden Richtung Stadt von der Rosa-Luxemburg-Straße aus. Dort soll nur die U-Bahn im verdichteten Takt fahren, Autos werden von Kalbach aus durchs Feld nach Bommersheim geleitet. Solche Anfahrtswege wird es auch zum zweiten Großparkplatz Drei Hasen von Oberstedten aus geben.

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