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Vereine mit Zukunftsängsten

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Der Frohsinn kann einigen Karnevalsvereinen bald vergehen.
Der Frohsinn kann einigen Karnevalsvereinen bald vergehen. © Michael Schick

Einsparungen im Bereich Kultur und Gesellschaft sorgen für Unmut in Oberursel. Die massiven Kürzungen bis zu 150 000 Euro betreffen besonders Vereinszuschüsse.

Von Olav Velte

Rund 20 000 Oberurseler bekennen sich zum Vereinsleben. Als Mitglieder von Kulturkreis und Reisetaubenverein, von Schützengilde und Kinderhilfe bilden sie das Rückgrat des städtischen Lebens. Neben den mehr als zwanzig Musikvereinen gibt es in der Brunnenstadt auch sechs Karnevals-Vereinigungen und ein gutes Dutzend Kunst-Vermittler. Was die Stadtverordneten vor wenigen Wochen beschlossen haben, war ein Schlag ins Vereinskontor und hat heftige Diskussionen nach sich gezogen. Im Geschäftsbereich Kultur und Gesellschaft sollen im laufenden Jahr 150 000 Euro eingespart werden. Eine Kürzung, die besonders die Vereinszuschüsse betrifft.

Mieterstattung fällt weg

Schwer wiegt, dass die 50 Prozent-Erstattung von Mietkosten in Stadt-, Burgwiesen- und Taunushalle wegfallen soll. 35 000 Euro betrage hier die Entlastung, lässt der Magistrat vermelden. Wenn ortsansässige Vereine Räume anmieten wollen, können sie beim Kultur- und Sportförderverein (KSfO) einen Finanzierungsantrag stellen. Ob und wer in den Genuss von Zuschüssen kommt, ist nicht definiert. Eine Situation, die viele Oberurseler Veranstalter argwöhnisch in die Zukunft blicken lässt. „Es fehlt an Transparenz“, sagt Gerd Krämer, Sprecher des 500 Mitglieder starken Karnevalvereins Frohsinn. Dass in allen Bereichen gespart werden müsse, stehe außer Frage, doch dürften die Strukturen dabei nicht zerstört werden. Bei den drei jährlichen Prunksitzungen in der Stadthalle geht es um einen Mietbetrag von über 4000 Euro.

Um die Arbeit im Verein aufrechtzuerhalten, sind die Frohsinn-Macher auf die Eintrittsgelder angewiesen. „Die kommen in erster Linie der Jugendausbildung zugute“, so der frühere CDU-Bürgermeister Krämer. Derzeit befinde sich der Vorstand in der Bewertungsphase. „Die Kartenpreise für die Sitzungen können wir nicht erhöhen.“ Auch in früheren Jahren habe es schon Sparrunden mit verringerten Beihilfen gegeben – „aber immer galten Richtlinien“. Auch für Wilfried Pressler, Vorsitzender des Oberurseler Shanty-Chors, ist die Lage „unbefriedigend“. Ohne Zuschüsse gehe es nicht. Ein geplantes Festival im städtischen Musentempel müsse wohl ad acta gelegt werden. „Das ist ein zu hohes Risiko für uns.“ Man wolle kein Geld verdienen – aber auch nicht auf den Kosten sitzenbleiben. Sogar bei einem normalen Konzert sei der Publikumszuspruch nicht voraussehbar.


Weniger Veranstaltungen

Nur noch ein klassisches Konzert wird der Kulturkreis im November organisieren. „Da wir nicht an der Qualität sparen wollen, reduzieren wir die Anzahl der Veranstaltungen“, so Vorsitzender Lothar Wachter. Zeiten, in denen man ein halbes Dutzend Angebote in die Stadt geholt habe, seien längst vorbei. Wegen der gestrichenen Zuschüsse wird die zweitägige Kunst- und Bilderbörse von der Stadthalle ins Rathaus verlegt. Wachter glaubt, dass die Schwierigkeiten künftig zunehmen werden. Reagiert hat zudem der Theaterverein Oberursel: Weil der früher gewährte Zuschuss auf der Kippe steht, wird das traditionelle Weihnachtsstück nur noch an zwei Tagen aufgeführt. „Im kommenden Jahr“, sagt Sprecher Thomas Bandy, „werden wir damit aber in die Schulen gehen.“ Beim KSfO suche man zwar nach Lösungen, doch über die Höhe der Unterstützung lasse sich nur spekulieren.

Die Stadthalle zu verlassen, ist für die Frohsinn-Karnevalisten keine ernsthafte Option. Für gelingende Shows, so Krämer, seien Ambiente und Technik entscheidend. „Es ist unser Ziel, wieder drei Sitzungen anzubieten.“ Die Motivation der heimischen Akteure wachse mit den Auftrittsbedingungen. Ob Stadthalle und Frohsinn weiterhin vereinbar sind, weiß er nicht: „Wir würden uns freuen, wenn die Stadt ihre Beschlüsse nochmals überdenken würde.“

Generell, so die übereinstimmende Meinung in Oberursels Vereinsszene, schadet der Kahlschlag im Kultursektor dem Gemeinwesen. Was bleibt, wenn die Vereinstätigkeit in der Stadthalle zum Erliegen kommt? „Dann“, sagt Krämer, „kann die Kommune das Gebäude verkaufen.“ Das jährliche Defizit für die Halle liege derzeit immerhin bei rund 900 000 Euro.

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