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Ein Vater sieht rot

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Justitia, Göttin der Gerechtigkeit.
Justitia, Göttin der Gerechtigkeit. © ddp

Nachdem sein Sohn überfallen wurde, beginnt ein 53 Jahre alter Mann aus Bad Homburg eine gefährliche Auto-Hetzjagd auf die Täter. Sie endet vor dem Amtsgericht. Von Klaus Nissen

Von Klaus Nissen

Diesen Anruf fürchtet jeder Vater: "Papa, es ist was passiert. Komm schnell!" Johann Berger (alle Namen geändert) aus Bad Homburg sitzt gerade mit Freunden auf einer Grillparty, als der 18-jährige Filius am frühen Abend des 3. Mai 2008 anklingelt. Der 53-jährige Vater springt mit zwei Freunden in den Opel-Frontera.

Hinter dem Käseregal des Rewe-Marktes im Gonzenheimer Zentrum findet er den verängstigten Jungen. Er sei von vier Jugendlichen ausgeraubt worden, berichtet er. Sie hätten im Markt auch noch die Kassiererin belästigt und einem älteren Kunden die Brieftasche zu stehlen versucht. Die Beschreibung passt auf einen jungen Mann, der den Markt gerade verließ, als Berger ihn betrat. Berger eilt hinaus.

Auf dem Parkplatz treffen Berger und sein 46-jähriger Freund Andreas Schneider auf die vier mutmaßlichen Räuber. "Was guckst Du!" , soll einer der Jungen gerufen haben. Und Schneider zu seinem Freund Berger: "Die kannst du ruhig über den Haufen fahren." Die vier Jugendlichen laufen lieber weg. Die Erwachsenen im Geländewagen hinterher.

"Wir wollten sie schnappen", sagt Schneider am Donnerstag auf der Anklagebank des Amtsgerichts. Weil die Jagd auf die vier Jugendlichen recht heftig ausfiel, sind die beiden Männer wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Gewaltandrohung mit gefährlichen Werkzeugen angeklagt. Letzteres ist das im Kofferraum des Frontera liegende Verlängerungsrohr des Kreuzschlüssels. "Ich hab es in der Hand gehabt", gibt Andreas Schneider zu. Aber nur, weil sich die Jungs ebenfalls eine Metallstange vom Sperrmüll gegriffen haben.

Mit dem Wagen touren die Männer herum, bis sie die Jugendlichen an der Endhaltestelle der U-Bahn entdecken. Johann Berger fährt auf sie zu. "Da flog aus dem Gebüsch ein Gegenstand gegen das Auto. Ich nahm die Hände hoch, um meinen Kopf zu schützen. Als ich aufsah, stand ein Junge vor dem Wagen und hob die Stange, als wollte er gleich zuschlagen. Dann lief er aber weg". Ein Zeuge hat anderes gesehen. Er steht an jenem Abend mit seinem Wagen vor der Ampel zwischen der Bus- und der U-Bahnhaltestelle. Da hört er den Motor des Frontera aufheulen. "Das Auto fuhr mit hohem Tempo auf die Jungen zu, so dass sie wegspringen mussten."

Die Hatz geht weiter, bis die Polizei einschreitet. Die 16-jährigen Jugendlichen sind inzwischen wegen des Überfalls auf den 18-Jährigen bestraft. Nun sollen sie als Zeugen gegen den kämpferischen Vater und seinen Freund aussagen. Doch drei der Jungen bleiben der Verhandlung fern: Womöglich haben sie Angst vor dem mehrfach vorbestraften 53-Jährigen. Zum Fortsetzungstermin am 7. September wird die Polizei sie notfalls abholen.

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