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Das Prinzenpalais soll denkmalgerecht saniert werden.

Hochtaunus

Wohnen am Prinzenpalais

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Der Kreistag hat den Verkauf des Alten Landratsamts in Usingen beschlossen. Vorausgegangen war eine schwierige Investorensuche.

Von einem „verstaubten Juwel“ sprach Alexander Jackson (CDU), von einem „Filetstück“ Stefan Naas (FDP). Dennoch hat es zwölf Jahre gedauert, bis die Kreisverwaltung einen Vertrag über den Verkauf des Alten Landratsamts in Usingen vorlegen konnte, dem der Kreistag am Montagabend mit breiter Mehrheit zugestimmt hat.

Gut eine Million Euro zahlen die Prinzenpark Usingen GmbH & Co. KG und die Prinzenpalais GbR für das insgesamt 3700 Quadratmeter große Grundstück. Zu wenig, befanden die Freien Wähler und stimmten als Einzige gegen den Verkauf. Ihr Sprecher Hellwig Herber führte den Bodenrichtwert an, der in der entsprechenden Vorlage auf 310 Euro taxiert wird, während die Käufer nur knapp 282 Euro zahlen müssten. „Das ist eine zu große Lücke.“

Das Prinzenpalaishatte sich Friedrich August von Nassau-Usingen ab 1768 am Usinger Obertor errichten lassen. Als er 1803 Fürst geworden war, zog er in das Biebricher Schloss um. Das Prinzenpalais wurde verkauft.

Späterwurde das Prinzenpalais zum Landratsamt für den Landkreis Usingen umgebaut. Im Zuge der hessischen Gebietsreform wurde Usingen Teil des Hochtaunuskreises, Kreisstadt ist seitdem Bad Homburg. Im Prinzenpalais verblieb zunächst noch eine Außenstelle der Kreisverwaltung und die KFZ-Zulassungsstelle.

Die anderen Redner erinnerten derweil an die schwierige Investorensuche, die vor allem auf das denkmalgeschützte Prinzenpalais aus dem 18. Jahrhundert zurückzuführen ist. Während für das Grundstück des ehemaligen Kreiskrankenhauses und der Konrad-Lorenz-Schule eine zweistellige Bewerberzahl Schlange gestanden habe, sei das Interesse an dem Alten Landratsamt mehr als bescheiden gewesen, berichtete etwa SPD-Fraktionschef Stephan Wetzel.

Der nun gefundene Investor habe sich in nachträglichen Verhandlungen verpflichtet, das Prinzenpalais innerhalb von drei Jahren zu sanieren, teilte der Erste Kreisbeigeordnete Uwe Kraft (CDU) mit. Im Gegenzug darf der Käufer auf dem Grundstück zwei Mehrfamilienhäuser errichten.

Aus Sicht von Alexander Jackson eine „klassische Win-win-Situation“. So könne ein Gebäude mit „hervorragender Bedeutung“ erhalten werden, gleichzeitig werde „stadtnahes Wohnen an besonders lebenswerter Stelle“ geschaffen.

Auch von der Opposition gab es Lob. Entscheidend sei, dass das historisch wertvolle Prinzenpalais „erhalten bleibt und gut saniert wird“, sagte FDP-Fraktionschef Stefan Naas – auch wenn seiner Fraktion ursprünglich eine kulturelle Nutzung für das Gebäude vorgeschwebt habe.

Nach den derzeitigen Plänen sollten die traditionsreichen Räume künftig gewerblich in Form von Arztpraxen genutzt werden, teilte Usingens Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) mit. In den Neubauten seien, je nach Zuschnitt, zwischen 16 und 23 Wohnungen vorgesehen. Er sei „glücklich“ über den Kreistagsbeschluss, versicherte Wernard.

Am kommenden Dienstag wird sich der Usinger Bauausschuss mit dem Alten Landratsamt befassen. Nötig ist ein neuer Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan. In der Sitzung, die um 19 Uhr in der Hugenottenkirche beginnt, wollen auch die Investoren ihre Pläne vorstellen.

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