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Knotenpunkt wird wiederbelebt

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Von: Olaf Velte

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So sah der Bahnhof in Usingen aus.
So sah der Bahnhof in Usingen aus. © Privat

Der Verkehrsverband Hochtaunus (VHT) saniert den Usinger Bahnhof. Durch die Sanierung soll nicht nur eine der wichtigsten Stationen an der VHT-Strecke wieder ansehnlicher werden. Der Bahnhof gilt auch als ein wichtiger Baustein für die Stadtentwicklung.

Früher Morgen am Bahnhof Usingen. Im Inneren rumort es, aus den Fenstern im Obergeschoss fliegen Lattenbrocken und Metallteile. Arbeiter befüllen einen großen Container. Mit der Entrümpelung des seit längerem leerstehenden Gebäudes beginnt in diesen Tagen die umfassende Sanierung eines denkmalgeschützten Ensembles.

Durch die Sanierung soll nicht nur eine der wichtigsten Stationen an der Strecke des Verkehrsverbandes Hochtaunus (VHT) wieder ansehnlich gemacht werden, sie gilt auch als wichtiger Baustein für die städtische Entwicklung der alten Residenz Usingen. Schon im kommenden Frühling sollen alle Arbeiten beendet sein, die Gesamtkosten werden auf 1,56 Millionen Euro geschätzt. Nach Auskunft des Hochtaunuskreises beteiligen sich auch das Land und die Stadt an der Finanzierung. „Der überwiegende Teil der Kosten wird durch Mieteinnahmen erwirtschaftet“, heißt es. Die von den VHT-Kommunen aufgebrachte Umlage werde dafür nicht angerührt.

Wo heute Wartehalle und Bahnhofs-Gaststätte ein Bild der Tristesse und Verwahrlosung bieten, soll der Reisende bald wieder gerne verweilen. RMV-Verkaufsstelle, Mietwagen-Büro, Bäckerei und Kiosk werden – so der Plan – Einzug halten. Auch das Obergeschoss ist zur Vermietung vorgesehen. Verträge mit zehn Jahren Laufzeit versprechen Kontinuität.

Landrat Ulrich Krebs und Usingens Bürgermeister Steffen Wernard (beide CDU) arbeiten daran, die „Funktionsvielfalt“ des Bahnhofs zu sichern und das umliegende Areal aufzuwerten. Bis heute ist die Station der ehemaligen Kreisstadt ein wichtiger Knotenpunkt für die Verkehrsströme in den vorderen und hinteren Taunus. So verknüpfen Buslinien die Gemeinden des Weiltals und der Feldbergregion mit dem Schienennetz, das sich ins Ballungsgebiet Rhein-Main erstreckt.

Dampfende Träume des 19. Jahrhunderts

Die täglich rund 11.000 Taunusbahn-Pendler – darunter viele Schüler – sind ein gutes Argument für funktionierende Bahnhöfe entlang der Nebenstrecke.

Vor einem Vierteljahrhundert hat der damals neu gegründete Verkehrsverband neben dem Schienenstrang auch die drei Stationsbauten in Wehrheim, Usingen und Grävenwiesbach gekauft. Während in dem Wehrheimer Backsteinbau bereits die Gastronomie floriert, harrt Grävenwiesbach seiner Wiederbelebung.

Am 15. Oktober 1895, einem nebligen Herbsttag, wie zu lesen ist, wurde die Verbindung zwischen Homburg und Usingen in Betrieb genommen. Nach jahrelangen Debatten und Verhandlungen konnte die sparsam ausgerüstete Strecke mit ihren Haltestellen Friedrichsdorf, Köppern, Wehrheim und Anspach endlich befahren werden. In der Kreisstadt Usingen markierte das repräsentative, zweistöckige Bauwerk die Endstation der Nebenbahn. Zwei Landkreise rückten zusammen: Neben dem vor der Waldhöhe gelegenen Obertaunuskreis existierte in jenen Jahren noch der Kreis Usingen mit seinen ländlichen Strukturen.

Die Jungfernfahrt war, so schildert es zumindest der Berichterstatter des Taunusboten, ein Triumphzug ohnegleichen: Ansprachen an jedem Halt, Menschenmengen, die von Festdamen bekränzte Lokomotive, Böllerschüsse. Große Erwartungen begleiteten die Einweihung des Schienenstranges – „dass mit der neuen Bahn auch neue bessere Verhältnisse in den Usinger Kreis einkehren“.

Und tatsächlich: Mit den Eisenrössern kam der wirtschaftliche Aufschwung, die Einwohnerzahlen in den Schienengemeinden stiegen. Neben Güterwagen mit ihren Holz- und Quarzitladungen frequentierten bald auch Ausflugszüge voller Wanderfreunde das Gleisnetz. In der vor kurzem erschienenen Publikation „Erfolgsgeschichte Taunusbahn“ ist dieses Kapitel dokumentiert.

Seitdem hat sich die Welt des Nahverkehrs drastisch verändert – jedoch erinnern gerade die verbliebenen Bahngebäude noch an die dampfenden Träume des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

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