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Nicolai Friedrich zaubert – und schreibt ein Buch darüber.

Dem Zuschauer in den Kopf schauen

Der Zauberer Nicolai Friedrich aus Friedrichsdorf über sein Buch, seine Tricks und seine Ziele

Der Name des Friedrichsdorfer Zauberers Nicolai Friedrich war vor vier Jahren in aller Munde. Damals machte er bei der Fernsehshow „The next Uri Geller“ mit und begeisterte Millionen Zuschauer. Nun hat der 35-Jährige ein Buch geschrieben mit dem Titel: „Ich weiß, was in dir steckt“.

Sie sind Rechtsanwalt, Zauberkünstler, Mentalist, Hypnosetherapeut und nun auch noch Buchautor. Wie kam es denn dazu?

Seit der Fernsehshow „Uri Geller“ belagern mich die Verlage, dass ich doch ein Buch schreiben soll. Aber es gibt so viele Bücher in diesem Bereich, die nicht halten, was sie versprechen. Es bringt doch nichts, den Leuten zu sagen, sie könnten in einem Buch lernen, wie man Gedanken liest. Ich wollte auf nette und unterhaltsame Art interessante Dinge verraten und mentale Tricks für das wahre Leben geben. Es gibt ja viel in der Denke eines Zauberers, das man übertragen kann.

Zum Beispiel?

Etwa der Gedanke „Das geht nicht“. So etwas gibt es bei Zauberern nicht. Denn eigentlich geht alles nicht, was ein Zauberer macht – das ist ja das Geschäft. Ein Beispiel: Es hieß früher, der Mensch wird niemals fliegen. Er fliegt zwar auch heute nicht. Aber er hat das Flugzeug erfunden.

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass Sie Ihre Fähigkeiten von der Bühne auch im Alltag nutzen. Welche sind das denn?

Also: Ich kann im Spielkasino nicht schummeln und leider auch die Lottozahlen nicht vorhersagen. Aber ich frage mich oft im Alltag: Welches Ziel habe ich? Auch dieses genaue Beobachten des Gegenübers mache ich meist automatisch. Informationen kriege ich aber nur, wenn sich der andere unbeobachtet fühlt. Das ist im Alltag natürlich viel leichter als auf der Bühne – da sind sich die Leute bewusst, dass sie gerade von mir beobachtet werden.

Was ist der Unterschied zwischen einem Zauberkünstler und einem Mentalisten?

Ich komme von der klassischen Zauberkunst. Es ging bei mir schon sehr früh los. Bei dem ersten Foto von mir, auf dem ich zaubere, bin ich vier Jahre alt. Ich habe mich dann in Richtung Mentalmagie entwickelt. Dabei steht der Zuschauer im Mittelpunkt: Es werden Gedanken gelesen, Vorhersagen getroffen und Menschen unbewusst beeinflusst. Das ist ein unglaublich spannender Bereich. Für die Zuschauer ist der Gedanke, jemand könnte ihnen in den Kopf schauen, allerdings ein bisschen furchteinflößend.

Mentalmagie hat also viel mit Psychologie und Menschenkenntnis zu tun?

Ja. Zum Beispiel kann unser Bewusstsein lediglich sieben bis acht Dinge gleichzeitig wahrnehmen. Wenn wir uns auf etwas Besonderes konzentrieren, sinkt diese Zahl rapide auf zwei bis drei Dinge. Außerdem schränken Denkmuster und Erfahrungen die Wahrnehmung ein. Wir Zauberkünstler können das hervorragend für eine Täuschung oder eine Beeinflussung nutzen.

Verraten Sie in dem Buch Zaubertricks?

Einen kleinen Trick verrate ich. Aber darum geht es mir eigentlich nicht. Viel spannender finde ich, warum Zaubertricks überhaupt funktionieren. Wenn man weiß, wie oft wir schon einfachen Täuschungen erliegen, hat man auch im wahren Leben etliche Vorteile. Wer die Denkmuster seines Gegenübers kennt, kann Handlungen voraussehen, sich darauf einstellen und entsprechend reagieren. Es ist übrigens für einen Zauberkünstler viel schwieriger, vor Kindern aufzutreten. Sie sind viel weniger berechenbar als wir Erwachsene, weil ihre Denkmuster noch unausgereift sind.

Was steht denn für die Zukunft an?

Das Hauptgeschäft sind zurzeit Firmenveranstaltungen im In- und Ausland. Wegen des Buchs wird es einige Talkshow-Termine geben. Ich arbeite natürlich immer an neuen Tricks. Schließlich soll den Zuschauern, die mich schon häufiger gesehen haben, auch was Neues geboten werden.

Was macht Ihre Karriere als Rechtsanwalt?

Wenig. Ich sitze nicht jeden Tag im Büro und bearbeite jährlich nur einige Fälle, die ich interessant finde

Das Interview führte Sabine Maurer

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